„Wir sind die Welle“ (Netflix): Stuntkoordinator verrät: „Das war die aufwendigste Szene in meiner Karriere"

Eine Gruppe Jugendlicher gründet die Bewegung „Wir sind die Welle“.
Eine Gruppe Jugendlicher gründet die Bewegung „Wir sind die Welle“.
Foto: Bernd Spauke

Serien-Kritiker handeln „Wir sind die Welle“ schon als den nächsten deutschen Netflix-Hit. Am 1. November geht die erste von sechs Folgen an den Start.

Der Inhalt ist schnell erzählt: Ein Schüler steckt vier idealistische Teenager an, gegen den wachsenden Nationalismus zu kämpfen. Sie verfolgen den Traum einer besseren Zukunft. Doch die Bewegung „die Welle“ nimmt eine düstere Wende.

„Wir sind die Welle“: Ein Experiment läuft aus dem Ruder

Angelehnt ist die Erzählung an das Experiment von 1967, welches an der Cubberly High School in Palo Alto durchgeführt wurde. Geschichtslehrer Ron Jones wollte seinen Schülern den Nationalsozialismus erklären. Um die Dynamik des Systems verständlich zu machen, entwirft er „The Third Wave“ (die dritte Welle). Die Leitgedanken: „Stärke durch Disziplin“ und „Stärke durch Gemeinschaft“. Verfestigt werden die Grundsätze durch eine gemeinsame Grußgeste.

Innerhalb von nur fünf Tagen gerät das Experiment derart aus dem Ruder - Ron Jones bricht ab. Er merkt schnell, dass er eine kleine Hitlerjugend ins Leben gerufen hat.

1981 wird die Geschichte unter dem Namen „die Welle“ erstmals für das US-amerikanische Fernsehen verfilmt. Im selben Jahr wird das Drehbuch als Roman veröffentlicht. Basierend auf der Story bringt Dennis Gansel 2008 unter dem Titel „die Welle“ den Film in die deutschen Kinos. Jürgen Vogel spielt in der deutschen Verfilmung den Lehrer.

Wir sind die Welle | Offizieller Trailer

Ziemlich Authentisch: Schauspieler spielen die meisten Stunts selbst

Der Trailer zur Serie lässt vermuten: Es wird gewaltätig. Immer, wenn Gefahr für den Schauspieler besteht, springt für gewöhnlich ein Stuntman in die Bresche. Nicht so bei „Wir sind die Welle“, erklärt der verantwortliche Stuntkoordinator Nikolai Mohr: „Wir haben mit ganz wenigen Stuntdoubeln gearbeitet“.

Vielmehr sei es bei der Produktion darum gegangen, dass die Schauspieler möglichst viele Szenen selber spielen. „Das spiegelt sich in der Qualität wieder“, ist sich der 32-Jährige sicher. Weniger Schnitte, mehr Authentizität sei die Konsequenz. Vielmehr stand für ihn und seinen Bruder Hendrik die Koordination der Stunts im Mittelpunkt.

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„Wir wollten etwas machen, was es im deutschen Fernsehen zuvor nicht gab“

Eine besondere Herausforderung habe eine Szene auf dem Autobahnkreuz 61/44 bei Jackerath gespielt. Die Hauptgruppe der Bewegung rennt quer bei Nacht über die Autobahn. Außergewöhnlich dabei: Die Originaldarsteller spielen die Sequenz. Bei solch einer Stelle würden sonst Stuntdoubles eingesetzt, damit sich keiner der Schauspieler verletzt.

„Wir wollten etwas machen, was es im deutschen Fernsehen zuvor nicht gab“, erklärt Nikolai Mohr die Idee dahinter. Eine akribische Vorarbeit über zwei Wochen sei nötig gewesen. Sechs Stuntleute und 30 Komparsen fahren mit Autos über die Autobahn. Die Schauspieler schlängeln sich in der Finsternis durch den fließenden Verkehr. „Es muss natürlich echt aussehen“, so der Stuntkoordinator.

Über zwei Nächte sei die Szene gedreht worden, die später in der Serie schätzungsweise zwei Minuten ausmacht. „Die aufwendigste Szene in meiner Karriere“, gibt der junge Stuntkoordinator zu.

Zahlreiche Drehorte in NRW

Wer genau hinschaut, der wird zahlreiche Spots aus NRW wiedererkennen. In Gelsenkirchen drehte die Produktion Aufnahmen mit der Partei NfD - das Logo der Partei kommt dem der AfD ziemlich nahe. Die Schule, die die Jugendlichen besuchen, befindet sich in Leverkusen und das verlassene Schwimmbad, das Lagezentrum der Bewegung, steht in Köln-Hürth.

„Wer übrigens genau hinschaut, der kann uns beide sehen“, verraten die Mohr-Brüder. Denn Hendrik ist fester Bestandteil der Schulklasse und auch Nikolai hat einen kurzen Auftritt.

 
 

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