„Wir machen keine Lustgrabungen“

Jürgen Kunow, oberster Denkmalpfleger im Rheinland, sagt im Interview mit unserer Zeitung, dass beispielsweise Xanten nicht von den Sparmaßnahmen betroffen ist.
Jürgen Kunow, oberster Denkmalpfleger im Rheinland, sagt im Interview mit unserer Zeitung, dass beispielsweise Xanten nicht von den Sparmaßnahmen betroffen ist.
Foto: Tom Thöne
Jürgen Kunow, oberster Denkmalpfleger im Rheinland, spricht im Interview über den Sinn der Bodendenkmalpflege – und den Unsinn von Mittel-Kürzungen im Landeshaushalt.

Bonn.. Die Menschen an Rhein und Ruhr leben nicht nur in der bevölkerungsreichsten, sondern auch in einer der kulturhistorisch reichsten Regionen Europas. Hier wird viel gebaut und vieles abgebaut von Kies bis Braunkohle. Und quasi überall, wo man gräbt, finden sich Zeugnisse der Vergangenheit im Boden.

Noch können sie von Fachleuten geborgen, dokumentiert und aufbereitet werden. Das aber könnte ein Ende haben, wenn die Landesregierung gegen alle Proteste ihre Pläne umsetzt, die Landeszuschüsse für die Archäologie und Denkmalpflege zu streichen. Wir sprachen darüber mit Prof. Jürgen Kunow, dem obersten Bodendenkmalpfleger im Rheinland.

Auch bei den Dutzenden maroder Kirchen in Ostdeutschland fehlt das Geld für die Sanierung. Da macht man schlicht ein Dach drüber - und hat eine Weile Ruhe. Was wäre so schlimm daran, bei uns mal ein paar Jahre nicht zu graben?

Jürgen Kunow: Zunächt einmal: Wir machen ja keine Lustgrabungen, sondern ausschließlich Rettungsgrabungen im Vorfeld von großen Bauvorhaben. Und: Bei uns können Sie nicht einfach ein Notdach drüber machen, um Zeit zu gewinnen. Was wir hier nicht rechtzeitig retten, das ist weg, für immer verloren.

Gibt es weitere Konsequenzen?

Kunow: Natürlich. da sind neben den Archäologen die Handwerksbetriebe, die mit uns zusammenarbeiten, die Stukkateure und andere Fachleute. Hier geht es schlicht auch um Arbeitsplätze. Und man weiß, dass durch staatliche Förderung Bauherren animiert werden, selbst in den Denkmalschutz zu investieren. Auf jeden öffentlich geförderten Euro kommen vier bis fünf aus privater Hand. Somit ist die Denkmalpflege auch ein Wirtschaftsfaktor.

Und? Aus den Landeszuschüssen wird auch unsere Zusammenarbeit mit den NRW-Universitäten finanziert. Wir vergeben schließlich auch Stipendien, weil es uns lieber ist, dass unser Land von ihren Studien profiert, als dass sie von Doktoranden-Stipendien zum Beispiel nach Baden-Württemberg gelockt werden.

Warum sehen Sie das Land in der Pflicht?

Kunow: Weil ich denke, dass der, der Aufgaben verteilt, sich auch finanziell beteiligen muss. Zumal bei uns das Land ohnehin begünstigt ist, indem hier, anders als in anderen Bundesländern, die Landschaftsverbände, also die Kommunen, die Hauptaufgaben übernehmen. Und mit 0,02 Prozent des Gesamtvolumens kann man den Haushalt ohnehin nicht sanieren.

Wie wäre zum Beispiel Xanten von den Kürzungen betroffen? Der Park ist immerhin mit jährlich 650000 Besuchern LVR-Spitzenreiter und eines der 15 bestbesuchten Museen in ganz Deutschland?

Kunow: Xanten ist ein Selbstläufer und sicher nicht gefährdet.

Sind denn an Rhein und Ruhr überhaupt noch große Ausgrabungsfunde zu erwarten?

Kunow: Ja, wir haben Kenntnisse von neuen Fundstellen, aber es wird massiven Erkenntniszugewinn auch durch die neuen Dokumentationsmethoden geben, nennen wir nur die DNA-Analyse. Aber auch dafür braucht man Geld..

 
 

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