Wieder weniger Einbürgerungen

An Rhein und Ruhr..  Landeskampagne hin oder her: Die Zahl der Einbürgerungen in Nordrhein-Westfalen sinkt weiter. 27 737 Personen entschieden sich im vergangenen Jahr für einen deutschen Pass, berichtete das Statistische Landesamt gestern – so wenig wie seit fünf Jahren nicht mehr. Gegenüber 2013 gab es einen Rückgang von knapp 1900 Personen (-6,2%). Vor allem bei Türken hat das Interesse am deutschen Pass nachgelassen.

Die Opposition im Landtag nahm deshalb gestern die im Sommer 2013 von der Landesregierung gestartete Einbürgerungsoffensive aufs Korn. „Ja, ich will. Einbürgerung jetzt“, hieß es schwarz-rot-gold auf Hochglanz-Plakaten. „Diese Offensive der Landesregierung ist ein Rohrkrepierer“, urteilt Serap Güler, die integrationspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion. Und ihr FDP-Kollege Joachim Stamp ist der Meinung: „Die Landesregierung muss ernsthaft für Einbürgerung werben.“ Man benötige eine Kampagne, welche die Attraktivität der Werte des Grundgesetzes verständlich transportiere.

Zuwächse bei Polen, Spaniern, Kroaten, Griechen

Im Hause von Integrationsminister Guntram Schneider (SPD) mag man das so nicht stehen lassen. „Für den Rückgang gibt es einen klaren Grund“, sagte ein Sprecher auf NRZ-Nachfrage – nämlich, dass im Koalitionsvertrag im Bund keine generelle Hinnahme des Doppelpasses vereinbart worden sei. „Die Landesregierung hat sich stets für den Doppelpass auch für Nicht-EU-Bürger eingesetzt und ist weiter der Ansicht, dass das richtig und gut wäre“, sagte der Sprecher.

Durch die neue Statistik fühlt man sich bestätigt. Bei Polen, Spaniern, Kroaten und Griechen habe es deutliche Zuwächse gegeben. Sie alle sind EU-Bürger, bei ihnen wird eine Mehrstaatlichkeit, also der Doppelpass, hingenommen. Die Zahl der Eingebürgerten aus dem Nicht-EU-Land Türkei hingegen ist stark rückläufig (-2282 Personen). Gerade vielen Türken jedoch sei die Beibehaltung der alten Staatsbürgerschaft wichtig.

Ausgewirkt haben dürfte sich seinen Angaben zufolge auch schon die zum 20. Dezember 2014 in Kraft getretene Neuregelung für „Optionskinder“ – also hier geborene Kinder ausländischer Eltern. Bislang mussten sie sich bis zum 23. Lebensjahr entscheiden, welchen Pass sie behalten wollen. Nun können sie dauerhaft Doppelstaatler bleiben. Für die Landesregierung habe das Thema Einbürgerung weiter einen hohen Stellenwert, versicherte der Sprecher. Am 8. Juni würden Regierung und Landtag zur zweiten Einbürgerungsfeier in NRW einladen.
Ganz unterschiedlich hat sich die Zahl der Einbürgerungen in den Kommunen an Rhein und Ruhr entwickelt. Beispiele: Düsseldorf 1289 Einbürgerungen (+3,7%), Duisburg 1235 (+2,4%), Essen 1332 (+1,6%), Mülheim 280 (-11,9%), Oberhausen 388 (-10,6%), Krefeld 386 (+24,5%), Kreis Kleve 263 (-5,7%), Kreis Wesel 391 (-16,3%).

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