Wie Smartphone und Tablet den Schulunterricht verändern

Handys raus - Gruppenarbeit! So entspannt kann der Umgang mit neuen Medien sein.
Handys raus - Gruppenarbeit! So entspannt kann der Umgang mit neuen Medien sein.
Foto: Euregio Rhein-Waal
Smarter dank Smartphone – schön wäre es. Doch immerhin: Wenn Schüler ihre Handys, Tablets oder Notebooks in der Schule nutzen dürfen, verbessert sich das Lernklima – und Schüler erfahren, wie sie neue Medien sinnvoll nutzen können, so eine Studie der Universität Duisburg-Essen.

An Rhein und Ruhr.. Karim Rahmann zumindest hat viel gelernt. Allerdings geht der 51-Jährige meist eher zur Schule, damit die Realschüler in Xanten lernen. Doch was Smartphones, Tablets, Notebooks und andere Internet-tauglichen Geräte angeht, machen ihm die Teenager locker was vor. Doch der Sozial- und Erdkundelehrer geht entspannt damit um – und ist von der Technik in Schülerhänden begeistert.

Denn die Noch-Realschule und Bald-Gesamtschule in Sonsbeck hat an einem ungewöhnlichen Projekt der Universität Duisburg-Essen teilgenommen. Zwei Jahre lang durften hier und am Gymnasium in den Filder Benden in Moers sowie an zwei niederländischen Schulen die Teenager ihre eigenen Smartphones, Tablets und sonstigen Computer im Unterricht einsetzen – und das, wo an den meisten Schulen im Land sonst ein striktes Handy-Verbot gilt.

Der digitale Graben verliert an Bedeutung

„Die Schüler waren zunächst erstaunt und dann begeistert“, sagt Karim Rahmann. Erstaunt, dass sie tatsächlich im Internet suchen durften, sich Nachrichten und Bilder schicken durften und vieles mehr – aber alles nur, um Unterrichtsfragen zu lösen. Wie lerne ich am besten meine englischen Vokabeln? Wie dokumentiere ich am besten den Physik-Versuch und wie stelle ich das Erdkunde-Projekt am besten meinen Mitschülern vor?

Richard Heinen, der Projektkoordinator an der Universität Duisburg-Essen rechnet mit deutlich besseren Lernerfolgen bei den Schülern. „Wir können sicherlich bei je vier Klassen in Deutschland und den Niederlanden nicht nachweisen, dass diese Schüler deutlich bessere Lernerfolge in den jeweiligen Fächern erzielen. Aber diese Schüler erwerben auf jeden Fall eine deutlich höhere Medienkompetenz.“

Denn das ist eines der großen Lernziele dieses Projekts: Dass die Schüler merken: Mein Smartphone kann nicht nur Fetenfotos versenden und mir mit Spielen die Schulbusfahrt verkürzen, ich kann damit auch Videos drehen, Informationen für meine Hausaufgaben sammeln und vieles andere mehr.

„Schüler gehen mit Smartphones verantwortungsbewusst um“

„Viele Schüler können sich dank dieses Projektes auch von einer anderen Seite zeigen, wissen, dass sie im Bereich Smartphones und Internet oft kompetenter sind als die Lehrer und lernen, dieses Wissen zu präsentieren und zu teilen“, so Heinen. Und das Klima an der Schule ändert sich: Wenn an die Stelle des Handyverbots ein verantwortungsvoller und geschulter Umgang mit dem Gerät tritt, verliert der digitale Graben zwischen Lehrern und Schülern an Bedeutung.

Heinen ist überzeugt: „Die Schüler gehen verantwortungsbewusst mit den Möglichkeiten um – und nutzen das Smartphone ohnehin bereits, um sich über Hausaufgaben, Fehlstunden und andere schulische Dinge auszutauschen.“

Das Erstaunliche: Die Schüler arbeiten mit ihren eigenen Geräten – denn mittlerweile, so Studien, haben alle Jugendlichen in NRW auf die eine oder andere Weise Internetzugang – während an Schulen ein Internet-fähiger PC pro zehn Schüler schon als gute Ausstattung gilt. Die Schulen sparen also, wenn Schüler eigene Geräte nutzen, brauchen aber einen leistungsfähigen Internet-Zugang.

Ein soziales Gefälle, so Rahmann, gebe es nicht. Zum einen, weil die Schule in Xanten mit einem eigenen Gerätepool aushelfen konnte, zum anderen, weil die Schüler in den meist als Gruppenarbeit angelegten Projekten schnell entdeckten, dass Geräte Vor- und Nachteile haben. Diese Erfahrung teilt Karim Rahmann mit seinen Schülern: „Mit dem Smartphone kann ich kleine Videos drehen, mit dem Notebook Texte verfassen. Und manchmal ist ein Plakat und ein Edding einfach das beste Medium.“


Kommentar hier: http://www.derwesten.de/nrz/meinung/mehr-mut-zu-medien-id9867537.html

 
 

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