Wie NRW-Städte seit Jahren ohne Glyphosat auskommen

Städte in NRW müssen schon seit 2014 ohne Glyphosat auskommen.
Städte in NRW müssen schon seit 2014 ohne Glyphosat auskommen.
Foto: dpa
  • Auf öffentlichen Flächen in NRW ist Glyphosat verboten
  • Viele Städte verzichten seit Jahren sogar auf alle Unkrautvernichter
  • Die Grünpflege per Hand ist deutlich mühseliger

NRW. Städtische Grünpflege ohne Pflanzengift – geht das? Offenbar. Einige Kommunen in NRW machen es vor. Sie verzichten nicht nur auf Glyphosat (für NRW-Städte seit 2014 verboten), sondern auch auf alle anderen Herbizide. Eine echte Alternative zum Totalherbizid Glyphosat gibt es zwar ohnehin nicht, aber Mischungen aus anderen Unkrautvernichtern.

"Nicht der selbe Standard wie mit der Chemiekeule"

Eine der "herbizidfreien Städte" ist Witten. Das Grünflächenamt macht seit Jahrzehnten einen Bogen um Pflanzengifte – seit lange vor dem Glyphosat-Verbot in NRW. Wuchert jetzt das Unkraut in der Stadt? Jein, meint Stadtsprecherin Lena Kücük: "Wir erreichen sicher nicht den selben Standard wie mit der Chemiekeule." Aber die Grünpfleger bürsten, kratzen und rupfen, so gut es geht.

Klar ist das mühseliger, weiß Kücük. Und mehr Personal als andere Städte hat das Grünflächenamt nicht. Aber: "Wir wollen eine grüne Stadt sein und ohne Chemie auskommen. Da kann es nicht aussehen wie mit der Nagelschere geschnitten."

Die Beschwerden halten sich aber in Grenzen, meint Kücük. "Natürlich beschwert sich immer wieder mal einer." Es komme schließlich auf den Standard an, den man von Grünflächen außerhalb seines Gartens erwartet. Dennoch: In der Stadtpolitik sei bisher nicht der Wunsch aufgekommen, zur Chemie zurückzukehren.

Auch Iserlohn verzichtet auf Pflanzengift. Die Stadt rüstet sogar auf und ist vom "Unkrautbürsten-Aufsatz" an der Kehrmaschine zu heißem Wasserdampf umgestiegen. Der Vorteil: Während eine Bürste die Pflanzen nur oberflächlich abreißt, zerstört heißer Dampf auch die Wurzel, erklärt Gärtnermeister Tim Osterhaus vom Märkischen Stadtbetrieb.

Andere Herbizide können Glyphosat nicht ersetzen

In NRW ist Glyphosat seit 2014 für Kommunen verboten. Andere Herbizide sind zwar noch erlaubt. Aber ersetzen können sie Glyphosat nicht: Der Wirkstoff ist das einzige Totalherbizid ("Allrounder"), das gegen alle Pflanzen wirkt.

So weitreichend, wie es klingen mag, war das Glyphosat-Verbot für NRW-Kommunen allerdings nicht. Meist wurde das Pflanzengift nur an schwer zugänglichen Stellen oder auf Verkehrsinseln gespritzt. In der Landwirtschaft kommt es weit mehr zum Einsatz (laut Schätzungen der Grünen auf 40 Prozent der Flächen).

Unkraut abkratzen, wegflämmen oder "verdampfen"

Dennoch hält Herbizid-Expertin Heike Moldenhauer vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) den NRW-Erlass für ein gutes Zeichen – auch, wenn es nur um kleine Mengen geht. "Einige Städte nutzen Glyphosat auch für Liegewiesen und Spielplätze", weiß sie.

Sie hofft auf ein neues Naturbewusstsein und ein ästhetisches Empfinden, das sich nicht an jedem Unkraut stört. Da, wo die Unkrautbeseitigung nötig ist, sind ihr andere Mittel recht: Ausrupfen genauso wie mit Dampf abtöten oder (vorsichtig) abflämmen. Sollten sich die Bürger dennoch beschweren, rät Moldenhauer, die Kostenkarte zu ziehen: Mehr Unkrautvernichter treiben die Gebühren ebenso in die Höhe wie mehr Stadtgrün-Mitarbeiter.

Ein Dorn im Auge des BUND ist die Deutsche Bahn. Auf Bahndämmen werde massiv Glyphosat gespritzt, so Moldenhauer. Das treibe die Kosten der Trinkwasseraufbereitung in die Höhe. Studien im Saarland hätten gezeigt, dass der Glyphosatgehalt entlang von Bahnstrecken deutlich höher ist als anderswo.

Kein Glyphosat in Baumärkten wie Obi und Hornbach

Inzwischen haben auch mehrere große Handelsketten Glyphosat-Produkte aus dem Sortiment verbannt – nämlich Toom (Rewe), Obi, Bauhaus und Globus. Hornbach verkauft neben Glyphosat auch keine bienengefährdenden Pflanzengifte mit Neonicotinoiden mehr. Hagebau bietet zumindest das meistverkaufte Glyphosat-Mittel Round-Up nicht mehr an.

 
 

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