Wie Diebe lukrative Geschäfte mit Rassehunden machen

Felix Laurenz
Chihuahuas liegen seit wenigen Jahren im Trend. Weil seriöse Züchter die Nachfrage nicht bedienen können, wittern Diebe ein Geschäft.
Chihuahuas liegen seit wenigen Jahren im Trend. Weil seriöse Züchter die Nachfrage nicht bedienen können, wittern Diebe ein Geschäft.
Foto: Hayrettin Özcan /
Seriöse Züchter können häufig nicht schnell genug auf die Nachfrage nach Trend-Hunderassen reagieren. Diebe versuchen von dieser Lücke zu profitieren.

Essen. Weil seriöse Züchter bei einigen Hunde-Trendrassen die Nachfrage der Kunden kaum bedienen können, wittern Kriminelle ein Geschäft mit dem Diebstahl von Rassehunden. Anfang der Woche stahlen Kriminelle im rheinischen Erkelenz einen kleinen Chihuahua und in Essen klauten Diebe vor einigen Wochen einen Hund aus einem geparkten Auto.

"Chihuahuas sind ein lohnenswertes Diebesgut", meint Udo Kopernik, Vorstand im Verband für das Hundewesen (VDH). Gerade Trend-Hunde wie die kleinen Chihuahuas oder französische Bulldoggen seien interessante Ziele für Diebe: "Diese Tiere liegen erst seit wenigen Jahren im Trend. Seriöse Züchter können nicht so schnell auf Veränderungen der Nachfrage reagieren."

Die Hündinnen der VDH-Züchter dürfen pro Jahr nur ein Mal werfen. Selbst wenn im Wurf ein Weibchen ist, dauert es zwei Jahre, bis das Tier alt genug ist, um selbst für die Zucht eingesetzt zu werden. Diese Schere zwischen Angebot und Nachfrage macht den Diebstahl von Rassehunden attraktiv, glaubt Kopernik.

Rasse-Hunde sind bis zu 1500 Euro wert

"Einen Rasse-Chihuahua können Diebe für bis zu 1500 Euro verkaufen. Besonders beliebt sind Welpen", sagt Kopernik. Der Polizei ist das Problem bekannt. Zwar werden Tierdiebstähle nicht systematisch erfasst, aber eine spezielle Auswertung des LKA auf Anfrage unserer Redaktion ergab, dass in NRW allein im ersten Quartal des Jahres 2016 etwa 26 Hunde geklaut wurden. Im Gesamtjahr 2015 lag die Zahl bei 136. 2014 waren es sogar 144.

"Immer wieder erreichen uns Meldungen von verzweifelten Hunde- und Katzenbesitzern, deren Tiere ohne einen Hinweis auf den möglichen Verbleib verschwunden sind. Werden gleichzeitig mehrere Tiere aus ein und derselben Region vermisst, kommt schnell der Verdacht auf, dass hier potentielle Tierfänger am Werk sein könnten", sagt eine Sprecherin des Deutschen Tierschutzbundes. In einigen Fällen handele es sich sicherlich um "ein äußerst gut organisiertes, kriminelles Geschäft".

Chips unter der Hunde-Haut helfen kaum

Die Käufer geklauter Tiere würden häufig nicht einmal merken, dass ihre Hunde dem ehemaligen Besitzer geraubt wurden, glaubt VDH-Mann Kopernik: "Wenn die Diebe den Hund im Ruhrgebiet klauen und in Freiburg verkaufen, merkt das keiner." Manche Tiere hätten zwar Chips mit den Daten des rechtmäßigen Besitzers im Fell, diese könne man aber nur mit einem speziellen Gerät auslesen, erklärt Kopernik: "Das macht auch ein Tierarzt nicht rountinemäßig. Die Daten des Chips werden meistens erst geprüft, wenn bereits Verdacht besteht."

Weil das Tier nach einem Diebstahl häufig kaum noch aufzufinden ist, rät Kopernik, Hunde nie unbeaufsichtigt, etwa vor dem Supermarkt, anzuleinen: "Ein Chihuahua ist so klein, dass man ihn einfach unter die Jacke stecken kann." Auch größere und gutmütige Tiere wie Labradore oder Golden-Retriever ließen sich leicht entführen. Die gestohlenen Hunde werden anschließend anschließend auf Kleintierportalen im Internet verkauft, so Kopernik.

"Wir setzen uns deshalb seit einiger Zeit dafür ein, dass nur noch zertifizierte Händler in solchen Portalen ihre Tiere anbieten dürfen." In Österreich seien Online-Portale schon jetzt dazu verpflichtet. Er hofft, dass den Hundedieben durch diese Maßnahme die Verkaufsmöglichkeit genommen werden kann - und somit auch der Anreiz, Tiere zu stehlen.