„Zahl, was du willst“ bescherte Zoo Münster Besucheransturm

Heinz Krischer
Lange Besucherschlange am Zooeingang in Münster: Mit der "Zahl, was du willst"-Aktion verbuchte der Zoo deutlich mehr Besucher als an gewöhnlichen Dezember-Tagen.
Lange Besucherschlange am Zooeingang in Münster: Mit der "Zahl, was du willst"-Aktion verbuchte der Zoo deutlich mehr Besucher als an gewöhnlichen Dezember-Tagen.
Foto: Allwetterzoo
Im Münsteraner Zoo lockte fünf Wochen lang ein „faires“ Preismodell sechsmal mehr Besucher als im vorigen Jahr an: Jeder Besucher zahlte so viel, wie ihm der Zoo-Besuch wert war. Jetzt überlegen auch andere, solche „Zahl, was du willst“-Aktionen einzuführen.

Münster/Dortmund. Das Angebot klang verlockend: Ein Besuch im Zoo – und dafür soviel oder sowenig an Eintritt bezahlen, wie man sich das selbst vorstellt. Fünf Wochen lang, bis vergangenen Sonntag, bot der Münsteraner Allwetterzoo genau dieses „Zahl-was-Du-willst“-Preismodell an. Mit 75 850 Besuchern kamen fast sechsmal mehr als im Vorjahreszeitraum. Da waren es 13 592 – ein erstaunlicher Erfolg. Ist die Abschaffung der Preisschilder also ein Erfolgsmodell auch für andere Zoos, Museen, Theater oder sogar Restaurants?

Für die Aktion in Münster sei es noch zu früh, um detaillierte Bilanz zu ziehen, sagt Ilona Zühlke, Pressereferentin des Zoos. Eine genaue Abrechnung läge noch nicht vor. Nach erstem Überschlag sei aber klar: „Es war auch finanziell ein Erfolg. Wir sind sehr zufrieden.“ Davon ist auch Dr. Marcus Kunter vom Lehrstuhl für Marketing der RWTH Aachen überzeugt. Die Hochschule hat den Münsteraner Versuch wissenschaftlich begleitet. So hätten die meisten Besucher in Münster zwar weniger als den üblichen Eintrittspreis bezahlt – der liegt bei 14 Euro für Erwachsene und 7 Euro für Kinder. Dafür aber kamen deutlich mehr Besucher.

Mehr Besucher und mehr Umsatz

Genau abgerechnet wurde mittlerweile schon im Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig (ZFMK) in Bonn. Dort lief die „Zahl was Du willst“-Aktion im Oktober letzten Jahres. „Wir hatten 20 Prozent mehr Besucher“, erläutert Sabine Heine, Sprecherin des Museums. Und die sorgten für einen um 40 Prozent höheren Umsatz. „Viele haben freiwillig mehr gegeben, als den üblichen Preis“, berichtet Heine. So konnten sogar ganze Schulklassen ganz ohne Eintritt ins Museum, die anderen, mehr zahlenden Besucher, trugen indirekt deren Kosten. „Viele lobten das faire Preismodell – dass diejenigen mehr zahlen, die es sich leisten können. Und dass diejenigen umsonst zu uns kommen können, denen das Geld fehlt“, berichtet Heine.

Zwar will man in Bonn jetzt nicht komplett auf das freie Preismodell umstellen – „dann lässt die Attraktivität nach“, glaubt Heine. Dennoch will man die guten Erfahrungen in den Alltag transportieren. So ist angedacht, Mittwoch nachmittags die Preisbindung aufzuheben. Auch bei zeitlich begrenzten Sonderausstellungen sollen Besucher zahlen können, was sie selbst für richtig halten.

Tatsächlich ist es das Preismodell vor allem ein Marketing-Instrument, das in verschiedensten Bereichen funktionieren kann. In Museen, Zoos, Theatern – „selbst in Restaurants und Hotels“, weiß Kunter aus eigener Erfahrung zu berichten. Neben dem Münsteraner Zoo hatte der Aachener Wissenschaftler auch die Bonner Aktion und einige andere zuvor begleitet.

Aktion rechnet sich

„Solche Aktionen rechnen sich immer dann, wenn es eine geringe Auslastung und andererseits hohe Fixkosten gibt“, sagt Kunter. Tiger, Löwen und Elefanten im Zoo müssen gefüttert werden, egal ob 50 Leute kommen oder 500. Die etwas höheren Personalkosten durch zusätzliche Ordner und Kassierer fallen in der Regel nicht ins Gewicht, wenn das Besucher-Plus mehr Geld in die Kassen spült. Allerdings warnt der Marketing-Experte davor, sich spontan dazu zu entschließen, Eintrittspreise abzuschaffen: „Das braucht schon etwas Vorbereitung und eine klare Werbestrategie.“

Gleichwohl hat das extrem gut gelaufene Experiment in Münster auch andere hellhörig werden lassen. So wollen die Zoos in Duisburg, Wuppertal und Dortmund sich mit den Münsteraner Kollegen zusammensetzen und deren Erfahrungen hören. „Der Besucheransturm jedenfalls ist doch bemerkenswert“, sagt Dr. Jochen Reiter vom Zoo Duisburg. „Das ist sicher eine Möglichkeit, in besucherschwachen Zeiten die Leute hinter dem Ofen wegzulocken“, glaubt Ilona Schappert, stellvertretende Leiterin des Dortmunder Zoos.

Ob das Preismodell im Münsteraner Zoo wiederholt wird, ist aber noch offen. „Wir warten jetzt erstmals die Auswertung der Aachener Wissenschaftler ab“, sagt Ilona Zühlke. Danach wird entschieden.