"Venus-Passage" fesselt diesen Mittwoch Astronomen

Die Venus wandert als dunkler Punkt über die Sonnenscheibe. Dieses Foto wurde im Juni 2004 in Manila aufgenommen. (Foto: Bullit Marquez/dapd)
Die Venus wandert als dunkler Punkt über die Sonnenscheibe. Dieses Foto wurde im Juni 2004 in Manila aufgenommen. (Foto: Bullit Marquez/dapd)
Foto: AP
Es ist eine einmalige Chance. An diesem Mittwoch, 6. Juni, wandert die Venus als dunkler Punkt über die Sonnenscheibe – die Venus-Passage. Man muss früh aufstehen, um sie zu sehen. Und wer sie verpasst, wird wohl nie wieder eine Chance bekommen.

Bochum.. Es ist das astronomische Jahrhundertereignis am frühen Morgen: die Venus-Passage am 6. Juni. Der Erde Schwesterplanet wandert in aller Frühe als dunkler Punkt über die Sonnenscheibe. Eine Stunde und 40 Minuten dauert der Teil des Himmelsschauspiels, der aus unserer Gegend zu beobachten ist. Wer es verpasst, hat wohl keine Chance mehr, einen Venus-Transit zu sehen. Den nächsten gemeinsamen Termin haben Morgenstern und Zentralgestirn im Dezember 2117.

Schicksal der Zwerge

Was für das ausgehende 20. Jahrhundert in Europa die totale Sonnenfinsternis anno 1999 war, ist für das noch junge 21. Jahrhundert der Venus-Transit dieses Jahres: „Wenn es keine bahnbrechenden, medizinischen Fortschritte gibt, wird kein jetzt Lebender dieses Ereignis wieder erleben“, stellt Professor Susanne Hüttemeister, Leiterin des Planetariums in Bochum, eine der Besonderheiten heraus. Die zweite: Außer der Venus kreist nur der kleine Merkur zwischen Erde und Sonne; allerdings ist der sonnennächste Planet so klein, dass sein Vorbeiziehen mit bloßem Auge gar nicht auffällt – das Schicksal eines Zwergen unter den Sternen.

„Schon die Venus erscheint am Himmel 30-mal kleiner als die Sonne“, ordnet Professor Hüttemeister die Größenverhältnisse im inneren Sonnensystem ein. Oder anders ausgedrückt: Es ist ein Verhältnis von Erbse zu Orange. Dennoch: Wenn die Venus am oberen Drittel der Sonnenscheibe von Osten nach Westen vorbeizieht, ist das – vorausgesetzt, dass keine Wolken den Blick verhüllen – gut zu erkennen. „Mit einem Fernglas oder Feldstecher natürlich noch besser.“ Ein Schutz für die Augen ist dabei absolut notwendig: „Filter für die Objektive gibt es im Fachhandel“, rät Susanne Hüttemeister.

Herausforderung für Schlafmützen

Wer die Mini-Sonnenfinsternis mitbekommen möchte, muss sich als Bettflüchter beweisen. „Von 5.15 Uhr bis 6.55 Uhr ist der Transit zu sehen.“ Die Sonne geht in der Nähe des Mittsommers mit seinen „Weißen Nächten“ sehr früh, schon gegen 5.15 Uhr, auf. Dann steht die Venus schon vor der Sonnescheibe. Wenn der Transit zu Ende ist, hat die Sonne immerhin bereits eine Höhe von 11 Grad über dem Horizont erreicht. „Das entspricht etwas mehr als einer Faustbreite, wenn man den Arm ausstreckt“, weiß die Leiterin des Planetariums. Aufgehen wird die Sonne nicht, wie hinlänglich in der Schule gelernt, im Osten („Das ist nur bei Tag-und-Nacht-Gleiche so“), sondern deutlich Richtung Norden. Der Beobachtungspunkt sollte also einen „freien Blick nach Nordosten haben“.

Für das Ruhrgebiet empfiehlt die Astronomin die Halde Hoheward. Die Bergehalde mit ihren 152 Höhenmetern zwischen den Städten Recklinghausen und Herten garantiert einen 360-Grad-Panoramablick und dürfte am 6. Juni zum Mekka der Astronomen und astronomisch Interessierten werden. Für das Sauer- und Siegerland bieten sich die Höhen der zahlreichen Berge an. Allerdings gilt hier: Vorsicht Wald. Hohe Bäume können den freien Blick auf den Nordost-Horizont versperren.

Verschiedene Laufzeiten

Das Himmelsschauspiel ist so selten, weil Erde und Venus unterschiedliche lange Laufzeiten um die Sonne haben: Die Erde, gerade einmal mit 107 000 Stundenkilometern unterwegs, braucht 365 Tage, die Venus ist mit Tempo 126 000 nach 225 Tagen fertig, alle 584 Tage sind sie also gleich auf. Nur: „Die Bahnen der beiden Planeten haben auch noch einen unterschiedlichen Winkel zueinander“, erklärt Professor Hüttemeister. Deshalb braucht es rund 105 Jahre, bis die Himmelsmechanik das nächste Mal auf Mini-Sonnenfinsternis einstellt.

Im 18. Jahrhundert segelte deshalb der britische Seefahrer James Cook eigens nach Tahiti, um das Himmelsschauspiel zu beobachten. „Aus der Bewegung der Venus über die Sonnenscheibe, gesehen von verschiedenen Orten auf der Erde, ließ sich ausrechnen, wie weit der Nachbarplanet von der Erde entfernt ist.“

Wetteraussichten trüben die Chancen

Inwieweit sich die "Venus-Passage" an diesem Mittwoch in Deutschland tatsächlich verfolgen lässt, ist unklar. Wegen dichter Wolken bestehen am frühen Mittwochmorgen in den meisten Regionen Deutschlands kaum Chancen zu sehen, wie sich die Venus als dunkler Fleck vor die Sonne schiebt, sagte ein Sprecher des Deutschen Wetterdiensts (DWD) am Dienstagabend.

Die besten Aussichten, das seltene Himmelsspektakel beobachten zu können, hätten die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern, in Ost-Brandenburg und dem östlichen Sachsen. In einem Streifen von der Nordsee bis nach Baden-Württemberg stünden die Chancen auf einigermaßen klare Sicht dagegen fast bei null. "Sehr geringe" Aussichten auf gute Wetterbedingungen haben den Angaben zufolge die Bewohner Niedersachsens, Hessen, Thüringens und Bayerns. Grund ist den Angaben zufolge ein Tief über Großbritannien, das Ausläufer nach Deutschland schickt. (mit dapd)

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