Umweltschützer fanden Gift im Weihnachtsbaum

In Weihnachtsbäumen können Pestizide stecken. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz hat einen Test gemacht und Rückstände verbotener Pflanzenschutzmittel entdeckt.
In Weihnachtsbäumen können Pestizide stecken. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz hat einen Test gemacht und Rückstände verbotener Pflanzenschutzmittel entdeckt.
Foto: WAZ FotoPool

Meschede/Düsseldorf. Der Pestizideinsatz in Weihnachtsbaumplantagen geht nicht spurlos an den Bäumen vorbei: Bei einem Testkauf von Christbaumtannen in Baumärkten fand die Umweltschutzorganisation BUND in fast der Hälfte der Bäume Rückstände von verbotenen Pflanzenschutzmitteln. Derweil kündigte das Bundesamt für Verbraucherschutz an, dass weit verbreitete Pestizide künftig weniger gefährlich sein sollen. Dazu setzt das Berliner Bundesamt auf Verbot und Freiwilligkeit.

„In den vergangenen zwei Jahren häuften sich Berichte über toxikologische Effekte bei glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln“, berichtet das Amt. Glyphosat ist der Wirkstoff, der in dem weltweit meist verbreiteten Pflanzenschutzmittel enthalten ist. Dazu zählt u.a. das Pestizid „RoundUp“. Dieses Mittel wird auf Weihnachtsbaumkulturen aufgebracht, aber ebenso in der Landwirtschaft eingesetzt und von Hobby- wie auch Stadtgärtnern gern zum „Sauberhalten“ von Wegen verspritzt. Der Einsatz von Glyphosat und anderen Pestiziden auf Weihnachtsbaumplantagen im Sauerland hatte Proteste von Anwohnern hervorgerufen, die gesundheitliche Gefahren fürchten.

Gesundheitsschädliche Zusatzstoffe in Pflanzenschutzmitteln: Tallowamine

Nach Einschätzung des Bundesamtes für Verbraucherschutz habe sich der Verdacht erhärtet, dass die beobachteten giftigen Effekte der Pflanzenschutzmittel nicht auf den Wirkstoff Glyphosat, sondern auf Zusatzstoffe, sogenannte Tallowamine, zurückzuführen sind, berichtete Nina Banspach, Pressesprecherin des Bundesamtes, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Mit Wirkung vom 2. Dezember wurde deshalb die Zulassung einer Reihe von tallowaminhaltigen Zusatzstoffen für Pflanzenschutzmittel widerrufen. Allerdings gilt das Verbot nur dann, wenn beispielsweise Landwirte diese Zusatzstoffe selbst in ihre Pflanzenschutzmittel mischen, erklärte Nina Banspach. In industriell hergestellten Pestiziden wie „Round Up“ dürfen die vom Bundesamt verbotenen Stoffe weiterhin verwendet werden. „Unverständlich“, kritisiert beispielsweise NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne). „Wenn Tallowamine als schädlich eingestuft werden, warum dürfen sie dann trotzdem in Verkehr gebracht werden?“, wundert sich Remmel.

Das Bundesamt erklärt die Unterscheidung damit, dass die Eigenmischungen von Anwendern unkontrolliert geschehen würden und daher zu riskant seien. Industrielle Mischungen „können wir besser beurteilen“, sagt Sprecherin Banspach.

Doch auch dabei sollen die als gefährlich eingeschätzten Zusatzstoffe künftig keine Rolle mehr spielen. „Die Zulassungsinhaber haben bei uns Anträge auf Änderung der Rezeptur gestellt, bei der auf Tallowamine verzichtet wird“, teilte die Behörde mit. Unklar ist, wann der angekündigte freiwillige Verzicht greifen soll.

Für Kleinkinder gefährlich

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat in sechs von 15 getesteten Weihnachtstannen teils verbotene Pestizide gefunden. Die Bäumchen wurden in Berliner und Leipziger Baumärkten gekauft und stammen, soweit bekannt, aus Brandenburg und Dänemark, sagte Tomas Brückmann, BUND-Pestizidexperte.

„Es ist nicht ausgeschlossen, dass in geheizten Räumen die giftigen Pestizidrückstände aus den Bäumen in die Umgebung abgegeben werden“, meint Brückmann. Zwar seien die nachgewiesenen Mengen nicht akut gesundheitsschädlich. „Aber man sollte Kleinkinder nicht unter belasteten Weihnachtsbäumen krabbeln lassen“, rät der BUND-Experte. „Sie können die Chemikalien über die Atemluft und die Haut aufnehmen. Zusammen mit der Aufnahme anderer Schadstoffe sind gesundheitliche Schäden vorstellbar.“

Der BUND forderte die Pflanzenschutzbehörden auf, verstärkt ihrer Kontrollpflicht nachzukommen. Um Belastungen bei Weihnachtsbäumen zu vermeiden, müssten die Anwender von Pestiziden künftig regelmäßiger überprüft werden.

 
 

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