Tierschützer feiern Aus für Delfinarium - nun Duisburg im Visier

Das Delfinarium in Duisburg lockt viele Zuschauer - und sorgt für Kritik von Tierschützern.
Das Delfinarium in Duisburg lockt viele Zuschauer - und sorgt für Kritik von Tierschützern.
Foto: Friedhelm Geinowski
Das Delfinarium im Allwetterzoo Münster schließt am Wochenende - die Tierschützer jubeln. Damit verbleiben deutschlandweit nur noch zwei Einrichtungen dieser Art, eine davon im Duisburger Zoo, der damit ins Visier der Aktivisten rückt.

Münster/Duisburg.. Am Sonntag fällt die letzte Klappe: Dann werden die drei Münsteraner Delfine zum letzten Mal in einer Show im dortigen Allwetterzoo auftreten. Tierschützer feiern das Ende der Delfinhaltung in Münster als Erfolg ihrer jahrelangen Proteste. Tatsächlich gibt es künftig nur noch zwei Delfinarien in Deutschland: In Nürnberg und in Duisburg.

Seit Jahren kämpfen Tierschützer wie das Hagener Wal- und Delfinschutzforum (WDSF) dafür, dass Delfinarien in Zoos geschlossen werden. Die munteren Vorführungen der Delfine, die aus ihren Becken springen und vor den Zuschauern Kunststücke vollführen finden die Tierschützer alles andere als lustig. „Die Haltung der Meeressäuger in den Zoos kann gar nicht artgerecht sein“, betont Thilo Maack, Meeresexperte von Greenpeace in Hamburg.

WWF rät zur Whale Watching Tour

„Wir sind froh, dass die tierschutzwidrige Haltung endlich ein Ende hat. Das war überfällig. Das Hauptbecken in Münster hatte gerade einmal eine Größe von etwa 10 mal 20 Metern, das ist für die Delfine nicht mehr als eine Badewanne“, kritisiert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Um auch nur eine einzige Minute geradeaus zu schwimmen, brauchten Delfine ein rund 850 Meter langes Becken – das gibt es nirgends in Gefangenschaft.

Jörn Ehlers vom WWF in Berlin glaubt, die Entscheidung des Zoos in Münster zeige, „dass Delfinarien zumindest in Deutschland ein Auslaufmodell sind.“ Der WWF rät Menschen, die Delfine live erleben wollen, eher zu einer „verantwortlich durchgeführten Whale Watching Tour.“

Delfinschützer Jürgen Ortmüller vom Hagener WDSF lehnt Delfinarien auch deshalb ab, weil klar geworden sei, dass Zoos keinen Beitrag zur Arterhaltung von freilebenden Delfinpopulationen leisten können. „Noch nie wurde überhaupt ein Delfin aus einem Delfinarium in der EU wieder ausgewildert“, sagt Ortmüller.

Zoo dementiert Einfluss der Tierschützer

Oft sei das Gegenteil der Fall, weiß Thilo Maack von Greenpeace. Bei Delfinjagden würden große Gruppen der hochintelligenten Tiere in Buchten getrieben und abgeschlachtet. Überlebende Tiere würden für viel Geld an Zoos verkauft. So lange es Abnehmer gebe, würde das die Jagden unterstützen.

Dass der Protest der Tierschützer zum Ende der Delfinhaltung in Münster geführt habe, wird vom Zoo hingegen dementiert. „Das spielte gar keine Rolle“, sagt Ilona Zühlke, Sprecherin des Zoos. Vielmehr fehle dem Zoo das Geld für einen notwendigen Umbau des fast 40 Jahre alten Meeresbereiches. „Unsere Tiere hatten genügend Platz. Aber eine ansprechende Kulisse fehlte.“

Dennoch seien die Delfin-Shows bis zuletzt ein „Renner“ im Münsteraner Zoo gewesen. „Wir hatten meistens Vorführungen, bei denen rund 800 Menschen zusahen“, sagt Zühlke.

Das, so glaubt auch Delfinschützer Ortmüller, sei vor allem der Grund, warum trotz aller Kritik manche Einrichtungen wie die in Duisburg immer noch auf die Delfine setzen: „Sie locken jede Menge zahlende Besucher in den Zoo.“

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