So lecker kann die westfälische Küche sein

Köche und Organisatoren von Gourmetfestival und GourmetDo. Foto: Knut Vahlensieck
Köche und Organisatoren von Gourmetfestival und GourmetDo. Foto: Knut Vahlensieck
Foto: Knut Vahlensieck
Derbe, einfallslos, Eintopf - so trübsinnig ist das Klischee ist der westfälischen Küche. Das wollen mehrere Starköche so nicht stehen lassen. Sie haben sich in den Kampf gestürzt, um das Image der Küchen zwischen Winterberg und Münster aufzupolieren. Bei einem Wettbewerb zeigen sie ihr Können.

Dortmund. Die westfälische Küche ist auf gutem Weg, aus dem Schatten der bekannten Gourmet-Regionen herauszutreten. Um das Image einer derben, einfallslosen Koch-Landschaft zu durchbrechen, gibt es seit einigen Jahren mehrere Initiativen. Eine davon ist das Westfalen Gourmetfestival, das im Spätsommer zum dritten Mal Sterneköche in Restaurants zwischen Winterberg und Münster, Dortmund und Paderborn holen wird.

Gut Essen ist „in“ – zumindest bei vielen, die es sich leisten können und wollen, für ein köstliches Menü etwas mehr auszugeben als in einschlägigen Fast-Food-Restaurants üblich. Dass die westfälische Region aber lange für diese Gourmets ein Aschenputtel-Dasein führte, ärgerte auch Gerhard Besler vom Lüner „Westfalen-Institut“. Denn er wusste schon vor Jahren um die verborgenen Schätze in manch einem der Restaurants.

GourmetfestivalRestaurant-Besucher verleihen den Westfälischen Gastronomiepreis

Mit dem „Westfälischen Gastronomiepreis“, bei dem seit fünf Jahren Besucher der Restaurants im Land ihre Besten wählen können, und dem Westfalen Gourmetfestival hat es Besler geschafft, den Fokus auf die regionalen Häuser zu lenken. „Und das ehemals schlechte Image wandelt sich, berichten mir die Teilnehmer“, schilderte Besler gestern bei der Vorstellung des neuen Festival-Programms in Dortmund. Fest machen die Häuser das am Zuspruch: Schon bevor die Termine des Gourmetfestivals feststanden, schon bevor überhaupt klar war, wer was kocht, gab es die ersten Vorbestellungen. „Im vorigen Jahr waren zwei Drittel der Häuser über mehrere Wochen komplett ausgebucht“, weiß Besler. Viele Freunde der guten Küche entwickelten einen regelrechten Gourmet-Tourismus: „Sie reisen von einem zum anderen Restaurant, um die verschiedenen Köche kennenzulernen.“

Motivation dafür dürften auch die Gastköche sein, die beim Festival kochen: So kommen mehrere Sterne- oder Spitzenköche in die teilnehmenden Häuser; darunter sind auch in diesem Jahr Köche, die aus TV-Sendungen wie „Lanz kocht“ bekannt sind.

Der Pfefferpotthast ist nicht das einzige westfälische Gericht

Und das Engagement eben dieser Gastköche ist für Gerhard Besler ein weiteres Indiz dafür, dass die Westfälische Küche so langsam einen wohlklingenden Namen bekommt. „Anfangs mussten wir den Gastköchen lang und breit erklären, worum es geht. Jetzt ist das überhaupt kein Thema mehr – für die meisten sind das Festival und die Region Westfalen ein Begriff.“

Die kulinarischen Initiativen, die neue Lust am Essen allgemein, haben auch in westfälischen Küchen ihre Spuren hinterlassen. „Natürlich gibt es immer noch die Häuser, wo die Speisekarten in den letzten sieben Jahren nicht geändert wurden. Wo immer noch der Pfefferpotthast als das einzig wahre westfälische Gericht angepriesen wird“, sagt Besler. „Aber es gibt auch viele Köche, die innovativ sind und ihre Palette erweitert haben.“ Weg vom Eintopf-Einerlei, hin zum gaumenverwöhnenden Mehrgänge-Menü.

Beim Westfalen Gourmetfestival wird es daher ab August – mit der Auftakt-Gala in der Schwerter Rohrmeisterei – spannend auf den Tellern. Wenn Sternekoch Björn Freitag beispielsweise „Sauerbraten vom Steinbutt mit Rahm-Kohlraben“ kocht, wenn Sascha Stemberg eine „Schweinerei“ mit Karottencreme und Kräutern anrichtet oder Jens Bomke Ochsenschwanzravioli mit Topinambur und Jakobsmuschel serviert – dann ist das zumindest westfälisch angehauchte Küche, die sich durchaus berechtigt raus aus dem Schatten ins Scheinwerferlicht wagen kann.

 
 

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