Schweizer Fan läuft zu Fuß 600 Kilometer bis zum BVB

Carsten Menzel
Läuft von der Schweiz nach Dortmund: der 27-jährige Sedar Piller.
Läuft von der Schweiz nach Dortmund: der 27-jährige Sedar Piller.
Wenn das keine Liebe zum BVB ist: Der Schweizer Sedar Piller läuft zu Fuß von der Schweiz nach Dortmund. Sein Ziel: das letzte Heimspiel dieser Saison im Westfalenstadion. Der 600-Kilometer-Fußmarsch ist einer Wette entsprungen. Doch noch steht nicht fest, ob Piller überhaupt sein Ziel erreicht.

Wettingen/Dortmund. Ein Mann, ein Wort – und 600 Kilometer zu Fuß: Echte Liebe. Und eine echte Herausforderung. Der Schweizer BVB-Fan Sedar Piller läuft zu Fuß von seinem Heimatort Wettingen im Kanton Aargau zum letzten Heimspiel der Dortmunder Meister-Elf am 5. Mai. Innerhalb von zwei Wochen will er die Distanz in die Fußballhauptstadt Westfalens schaffen. Damit liegt täglich mehr als eine Marathon-Strecke vor ihm. 14-mal. Hintereinander. Da muss selbst ein sportlicher Schweizer funktionieren wie ein Uhrwerk.

„Der erste Tag war in Ordnung, der zweite Tag war die Hölle!“ Der Start hat dem 27-Jährigen schnell gezeigt, auf was er sich eingelassen hat. Ganz Sportler – Piller spielt für den Schweizer Fußball-Zweitligisten FC Windisch – hat er das Problem schnell erkannt. „Ich bin den ersten Tag zu schnell angegangen“, erzählt er; immerhin galt es gleich am Anfang, nicht nur Strecke zu machen, sondern auch ein „paar Höhenmeter“ zu überwinden. Inzwischen hat er sich eingelaufen, die Grenze bei Waldshut passiert und ist bereits im schwäbischen Teil des Schwarzwalds unterwegs. Letzte Nacht hat er in Baden-Baden verbracht; am Mittwoch sollen ihn seine Füße bis Karlsruhe tragen.

Es ist ein Wetteinsatz, den der 27-Jährige mit dem Fußmarsch einlöst.

Als die Bundesliga-Saison 2010/2011 noch jung ist, genau am vierten Spieltag, macht Piller die großen Worte: „Wenn der BVB wieder Meister wird, laufe ich nach Dortmund.“ Da hat die Borussia gerade mit 3:1 das Revierderby „gegen Herne-West gewonnen“; für viele die Initialzündung zum späteren Titelerfolg. Der Wetteinsatz steht; Pillers Freund schlägt ein. Top, die Wette gilt. „Es kam, wie es kommen musste: Der BVB hat sich mit herrlichem Fußball die Schale geholt und ganz Fußballeuropa verzaubert“, schwärmt der Schweizer trotz seines hohen Einsatzes. Jetzt, ein Jahr später, löst er ihn ein.

Wie aber wird ein Eidgenosse eigentlich Fan vom Ruhrgebiets-Rekordmeister, statt zu den Grashoppers aus Zürich zu halten oder dem FC Basel die Daumen zu drücken? „Das liegt eindeutig an Stéphane Chapuisat“, erklärt Sedar Piller. „Chappi“, einer der erfolgreichsten Schweizer Fußballer, spielte von 1991 bis 1999 für den BVB, gewann mit Dortmund die Meisterschaft und die Champions League und lenkte die Aufmerksamkeit der Helvetier ganz offenbar nach Westfalen. Chapuisat wechselte 1999 zurück in die Schweiz; Sedar blieb Dortmund-Fan.

Geburtstagsfeier

„Ich werde am 5. Mai am schönsten Fußball-Stadion ankommen“, hofft der 27-Jährige auf einen unvergesslichen Tag. Aus gleich zweierlei Gründen. „Der BVB wird wieder die Meisterschale in Empfang nehmen!“ Und: Es ist gleichzeitig Sedars Geburtstag. Mit „zwei, drei Freunden“, die allerdings bequemer anreisen, als der Langstreckenläufer, will er den Tag feiern. „Da wird sich in Dortmund bestimmt eine Möglichkeit finden.“

Bleibt zu hoffen, dass sein Navi per Handy nicht, so wie Dienstag, zu oft ausfällt. Am Ende kommt er noch vom Weg ab und an einer Arena ein paar Kilometer westlich von Herne raus. Das wäre dann echt dumm gelaufen...