Schnettkerbrücke nach sechs Jahren fertig

Ein Bild aus der Schlussphase des Baus: Der rote Bogen wird montiert.
Ein Bild aus der Schlussphase des Baus: Der rote Bogen wird montiert.
Foto: WAZ FotoPool
Sechs Jahre lang hat Guido Meinzer von Straßen NRW am Ausbau der A40 in Dortmund gearbeitet. Jetzt ist das größte Werk vollbracht.

Dortmund.. Sie ist fast fertig. Breit, imposant, gekrönt von einem roten Stahlbogen. Doch was Guido Meinzer das Wichtigste ist: Der Bau der neuen Schnettkerbrücke in Dortmund ist ohne schwere Unfälle abgegangen. Keine Toten bei Autounfällen, keine bei Arbeitsunfällen. Eine Baustelle, die der Diplom-Ingenieur von StraßenNRW bald mit guten Gefühlen verlassen kann.

330 Meter lang, 35 Millionen Euro teuer. Bauzeit: Gut sechs Jahre. Das sind die Rahmendaten des Neubaus einer sechsspurigen Autobahnbrücke, die einen vierspurigen, Vorgänger aus der Anfangszeit des Autoverkehrs ersetzt hat. Bis zu 100 000 Autos werden bald am Tag auf der neuen Schnettkerbrücke das Emschertal bei Dortmund überqueren, haben Verkehrsplaner errichtet.

Die Legende besagt, dass auf dem Vorgängerbauwerk von 1931 sogar noch Pferdekutschen gefahren sind. „Schnettker neu“ hingegen, die Brücke mit dem 100 Meter langen, roten Bogen, ist ein Kind des globalisierten 21. Jahrhunderts. Etwa 80 Prozent der 5000 Tonnen Stahl, die für die aufwändige Konstruktion benötigt wurden, haben bereits eine Weltreise hinter sich. Sie wurden im sibirischen Kurgan hergestellt und vormontiert.

100 Jahre Halbwertszeit

„Dieses Bauwerk ist darauf ausgelegt, die nächsten 100 Jahre zu überdauern“, sagt Guido Meinzer. Das heißt natürlich nicht, 100 Jahre ohne Baustelle zwischen Westfalenhalle und Dortmund-West. Mit den nächsten Asphaltsanierungen rechnet der Ingenieur aus Dortmund ungefähr in 15 Jahren.

Im September 2005 haben Projektleiter Meinzer und ein in Spitzenzeiten 30-köpfiges Team des Landesbetriebs Straßen.NRW ihre Baucontainer nahe der Dortmunder Universität bezogen. Sie haben nicht nur die alte Schnettkerbrücke verschwinden und die neue wachsen sehen, sie haben ein Gebiet vom Ausmaß mehrerer Stadtteile neu gestaltet.

Kosten 85 Millionen Euro

Der gesamte sechsspurige Ausbau der A40, die der Dortmunder immer noch als B1 oder Ruhrschnellweg kennt, zwischen dem Kreuz mit der Sauerlandlinie und der Westfalenhalle wird am Ende des Tages 85 Millionen Euro verschlungen haben. Neue Ausfahrten entstanden, der Dortmunder Uni-Campus wurde besser ans Autobahnnetz angebunden – ja, und auch noch eine weitere Brücke wurde gebaut. Die so genannte Regenbogenbrücke für Fußgänger und Radfahrer überspannt die jetzt sechsspurige A 40 und grüßt die Autofahrer mit eindrucksvollen Lichtspielen.

Sechs Jahre Leben auf der Großbaustelle. Bevor sie die Bau-Container verlassen, in denen es im Winter zu kalt und im Sommer zu warm war, kommen auch Techniker mal ins leicht melancholische Sinnieren. Über das Wachsen und Werden und das Verstreichen von Zeit. „Als wir hier anfingen“, sagt Meinzer, „waren meine Kinder noch nicht mal auf der Welt.“ Seine Zwillinge sind jetzt viereinhalb. Die Baustelle erlebte den WM-Verkehr 2006, eine Loveparade und den Autobahnspaziergang „Stillleben“. Meinzer macht einen Strich unter seine Gedanken: „Wenn dann alles fertig ist, kann man schon stolz sein.“

Über den Öresund ging es schneller

Sechs Jahre Arbeit. „Da wird man schon mal gefragt, warum bauen die in vier Jahren die ganze Öresund-Brücke – und ihr braucht so lange“, sagt Meinzer. Der große Unterschied: In Dortmund wurde im „laufenden Betrieb“ gearbeitet. Oben auf der Brücke , die nach und nach verschwand und nach und nach neu entstand, waren immer vier Spuren für den Autoverkehr frei. Nur an wenigen Wochenenden musste zuletzt voll gesperrt werden, um Schweißarbeiten durchzuführen, die keine Vibration dulden. Unter der Schnettkerbrücke führt eine Bundesbahnstrecke entlang. „Für den Abbruch über den Gleisen sind wir an ein paar Stunden in der Nacht gebunden gewesen“, sagt Meinzer. Aber Nachtarbeit war er ja schon gewohnt, seit er seine Zwillinge hatte.

Jetzt noch ein paar Lärmschutzwände und Bepflanzungen der neuen Hänge. Spätestens im Sommer zieht die Baukarawane von der Schnettkerbrücke ab. Guido Meinzer wird künftig den Ausbau der A43 zwischen Herten und Recklinghausen betreuen. Zu seinem neuen Arbeitsplatz wird er jeden Morgen über die Schnettkerbrücke fahren.

 
 

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