„Nicht das Aus für die Radautobahn“

Ein Schnellweg nur für Radler: Die A 40 während der Großveranstaltung Still-Leben 2010.
Ein Schnellweg nur für Radler: Die A 40 während der Großveranstaltung Still-Leben 2010.
Foto: Katrin Figge
Nach der Dortmunder CDU lehnt auch die SPD-Ratsfraktion das Projekt eines Radschnellweges durch das Ruhrgebiet ab. Der Regionalverband aber setzt weiter auf die 85 km lange Strecke.

Dortmund. Das Nein der Dortmunder Ratsfraktionen von SPD und CDU zu einem Rad-Schnellweg Ruhr (RSR) quer durch das Revier bedeutet für den federführenden Regionalverband Ruhr (RVR) nicht das endgültige Aus des Modellprojektes. „Dortmund ist nur eine von acht Anrainerkommunen der Radautobahn“, sagte RVR-Sprecher Jens Hapke. Er verweist auf die ausstehende Machbarkeitsstudie und sagt: „Man sollte auf Grund der Ergebnisse entscheiden, ob man den RSR baut oder nicht baut.“ Der RVR bemühe sich zurzeit, Landes- und Bundesmittel für das „spannende Projekt“ einzuwerben.

Der erste, große Teilabschnitt des Schnellweges brach am Montagabend weg. Nach einer Vorstandssitzung der Dortmunder Sozialdemokraten ging Oberbürgermeister Ullrich Sierau in die Eisen: Das Vorhaben sei zu teuer und somit nicht durchsetzbar, nicht in der heutigen Zeit. „Man kann niemandem plausibel machen, warum wir 37 Millionen Euro allein auf Dortmunder Stadtgebiet in eine Radautobahn investieren sollen“, sagte er. Bei der Absichtserklärung der acht beteiligten Kommunen am 19. Dezember 2011 hatte Sierau die 85 Kilometer lange Route noch als ein Projekt mit „bundesweitem Modellcharakter“ gelobt, sich aber eine Finanzierungsprüfung vorbehalten.

Dortmunder Grüne und die Radlobby des ADFC NRW kritisierten die rasante Kehrtwende Sieraus. „Blamabel. Im Wahlkampf hat er sich noch als überzeugter Radfahrer plakatieren lassen“, erklärte Ingrid Reuter, Mitglied der Dortmunder Grünen in der Verbandsversammlung des RVR. ADFC-Sprecher Thomas Rommelspacher sah in der Dortmunder Ablehnung gar einen „Rücksturz in die Verkehrspolitik der 1980er-Jahre“.

„Weg nichts mehr wert, wenn einer aussteigt“

Schützenhilfe bekam Sierau gestern von unerwarteter Seite. Der Stadtplaner und Ruhrgebiets-Blogger Dr. Arnold Voß hält wenig bis gar nichts von einer fünf Meter breiten Radautobahn durch eine der dicht besiedeltsten Landschaften Europas. „Brücken, Industrie, Bebauung – 110 Millionen Euro für eine Radautobahn stehen in keinem Verhältnis zu dem Nutzen“, sagt Voß. Dem regionalen Radverkehr sei mehr geholfen, wenn die Bahn auf der „höchst frequentierten“ Ost-West-Trasse durchs Revier dauerhaft größere Radabteile bereitstelle und kostenlose Radmitnahme in den Zügen ermögliche. Für Voß ist der Rad-Schnellweg Ruhr jetzt schon tot: „Wenn Dortmund aussteigt, ist der Weg nichts mehr wert.“

 
 

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