Nach Suizidversuchen begann das neue Leben

Linda Zuber
Peter Falkenhain kämpft heute an der Weltspitze der behinderten Leichtathleten mit.                                                              Foto: Privat
Peter Falkenhain kämpft heute an der Weltspitze der behinderten Leichtathleten mit. Foto: Privat
Zur Themenreihe Sterbehilfe erzählt der Wuppertaler Peter Falkenhain wie er es geschafft hat, nach einem dramatischen Schicksalsschlag und zwei Selbstmordversuchen, wieder ins Leben zu finden.

Wuppertal. Zweimal wollte er sich umbringen, zweimal wurde er gerettet. „Ich war ganz unten und wusste nicht, was mir das Leben noch bringen sollte.“ Heute ist Peter Falkenhain 55 Jahre alt – und froh darüber, dass er am Leben ist.

Der Wuppertaler war 18 Jahre alt, ein erfolgreicher Radsportler. Bis zu dem Tag, als er angetrunken von einer Party kam und die letzte Bahn verpasste. „Ich lief neben dem Zug her, sprang auf die Trittstufe auf, dabei rutschte ich ab und geriet unter die rollenden Räder.“ Nur daran kann sich Peter Falkenhain erinnern. Als er nach Tagen die Augen wieder aufschlug, waren beide Beide amputiert. „Ich war ein stolzer Zweimetermann und dann plötzlich nur noch einen Meter groß.“

Der Jugendliche verzweifelte damals. Er wollte sein Leben beenden, stürzte sich aus dem Fenster, überlebte, schluckte Pillen, der Magen wurde ihm ausgepumpt. Der 55-Jährige ist heute dankbar dafür, dass er lebt. Seine Erfahrung: „Wenn du ganz unten bist, am tiefsten Punkt, dann musst du dort bleiben, ausharren, und vielleicht findest du den Halm, an dem du dich wieder hochziehen kannst.“

Seine alte Leidenschaft hauchte ihm neuen Lebensgeist ein: der Sport. Wenige Jahre nach dem Selbstmordversuch nahm Peter Falkenhain wieder die Hanteln in die Hände und begann, zu trainieren, ohne zu wissen, dass er sich zu einem der erfolgreichsten Behindertensportler der Leichtathletik entwickeln würde: deutsche Rekorde, Europa- und Weltmeistertitel im Kugelstoßen und Diskus.

Institutionen helfen

Trotz alledem sagt Falkenhain, „wenn jemand wirklich sterben möchte, dann sollte man ihn gehen lassen, vorher muss sich derjenige aber fragen: Gibt es nicht noch etwas, was du in dieser Welt bewirken kannst?“

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt die deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS). Sie steht dem Suizid sehr kritisch gegenüber, akzeptiere ihn jedoch als eine Möglichkeit, erläutert Georg Fiedler, stellvertretender Vorsitzender der DGS. „Wir kennen viele Fälle, in denen Menschen mit Selbstmordabsichten wieder zurück finden.“ Direkten Kontakt bieten regionale Beratungsstellen.