„In Märchen wimmelt es vor Tieren“ – Schau im Pferdemuseum

Ausschnitt aus der Illustration zum Märchen „Die Gänsemagd“ von Otto Kubel.
Ausschnitt aus der Illustration zum Märchen „Die Gänsemagd“ von Otto Kubel.
Foto: Otto Kubel / westfälisches Pferdemuseum Münster
  • In Märchen wimmelt es vor Tieren
  • Das Pferdemuseum Münster widmet ihnen eine Ausstellung
  • Eine Hauptrolle spielt Aschenbrödels Schimmel

Münster.. Froschkönig und Gestiefelter Kater sind geliebte Helden unserer Alltagskultur. Doch auch Wolf und Fuchs, Schwan und Ente spielen in Märchen eine Hauptrolle. Warum das so ist, zeigt jetzt das Westfälische Pferdemuseum im Allwetterzoo Münster. Die Kulturwissenschaftlerin Julia Hammerschmidt (30) hat die große Sonderausstellung kuratiert und schildert im Interview, welche Funktion Tiere im Märchen haben.

Welche Idee steckt hinter der Ausstellung?

Julia Hammerschmidt: Im Pferdemuseum versuchen wir bei unseren Sonderausstellungen immer, das Pferd aus den verschiedensten Perspektiven zu beleuchten. Bei der Recherche habe ich aber schnell gemerkt: In Märchen wimmelt es geradezu vor Tieren, das Pferd allein reicht nicht. Deshalb haben wir den Bogen weiter gespannt. Das Thema ist für die ganze Familie spannend. Es weckt bei Älteren so viele Erinnerungen und Emotionen. Für Kinder ist es einfach nur faszinierend. Und es macht unglaublich viel Spaß.

Ein Kapitel der Ausstellung ist den Märchenpferden gewidmet. Da fällt einem doch als erstes Aschenbrödels Schimmel Nikolaus ein...

Wir stellen vier Märchen beispielhaft vor, in denen Pferde eine Hauptrolle spielen: Die Gänsemagd, Aschenbrödel, das Bucklige Pferdchen aus Russland und das Ebenholzpferd aus „1001 Nacht“. Der Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ gilt als bester Märchenfilm des Jahrhunderts. Der Schimmel Nikolaus ist richtig populär, ein Pferdestar. Wir haben vom Babelsberger Filmgymnasium eigens eine Dokumentation drehen lassen, darin kommt eine Frau zu Wort, die sich ein Double genau dieses Pferdes gekauft hat. Es gibt auch Bräute, die wegen Aschenbrödel auf einem Schimmel zur Kirche reiten. Das Pferd spielt jedenfalls auf der ganzen Welt eine tragende Rolle im Märchen.

Welche Funktion haben Tiere im Märchen?

Das Tier ist in vielen Märchen der Helfer und Freund. Dank der Unterstützung des Tieres kommt der Held oder die Heldin doch noch ans Ziel, auch wenn böse Hexen oder Zauberer das zu verhindern suchen. So erinnert der sprechende Pferdekopf in „Die Gänsemagd“ die zur Magd degradierte Königstochter an ihre edle Abstammung. Dann gibt es die verwandelten Tiere, die in Wirklichkeit Menschen sind. Die stellen sozusagen ein Spiegelbild des Menschen dar. Am Beispiel der Tiere kann man mit einem gewissen Augenzwinkern spielerisch auch die Schwächen der Menschen aufzeigen und so verdeutlichen, welche Fehler man besser vermeiden
sollte.

Es gibt aber auch den bösen Wolf.

Tiere werden im Märchen oft mit Merkmalen belegt, der böse Wolf, der schlaue Fuchs, der störrische Esel. Diese Symbolik hat etwas mit ihrer Spiegelbildfunktion zu tun. Interessant ist nun, dass es hier ganz unterschiedliche Bewertungen gibt. Der Wolf ist in Deutschland böse und gefährlich, in Russland ist er hingegen positiv belegt. Wir zeigen in der Ausstellung außerdem, dass sich die Protagonisten je nach Land und Kultur ändern, selbst wenn die Geschichte gleich bleibt. In Afrika zum Beispiel werden aus Hase und Igel Elefant und Schildkröte.

Warum sind Märchen heute wieder so populär?

Die Welt ist so schnelllebig und unübersichtlich geworden. Das Märchen ist jedoch etwas Bleibendes, die meisten Märchen sind uralt und kommen in verschiedenen Kulturkreisen vor, sie bilden so etwas wie einen Anker. Und trotzdem verändern sich die Märchen und passen sich neuen Gegebenheiten an, so gibt es längst Märchen-Mangas, wo die Geschichten als Comic erzählt werden. Das Märchen ist sehr wandelbar; das ist das Geheimrezept, warum Märchen nicht aussterben werden.

Welche Exponate zeigen Sie?

Wir haben 80 Exponate von 30 Leihgebern in einer bunten Mischung von Medien. Es gibt diverse historische Ausstellungsobjekte, Bücher, darunter Erstausgaben, und Bilder. Dazu kommen Illustrationen und Tierpräparate. Aber wir haben auch mehrere Filmsequenzen und Aschenbrödels Kleid. Und wir zeigen das letzte Einhorn.

Was sind Ihre Lieblings-Märchentiere?

Die Bremer Stadtmusikanten! Hier sind die Tiere die Gewinner. Und die Geschichte ist witzig. Hase und Igel finde ich ebenfalls klasse, das kann man wunderbar auf den Menschen übertragen. Es zeigt, dass auch der scheinbar Schwächere nach vorne kommen kann.

www.pferdemuseum.de

 
 

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