Flickenteppich bei den Altkennzeichen

Drei geben, drei neue nehmen: Die Stadt Brilon möchte HSK gegen BRI tauschen.
Drei geben, drei neue nehmen: Die Stadt Brilon möchte HSK gegen BRI tauschen.
Foto: WP
Sie sind ein Bekenntnis in Blech und zeigen die Bindung der Bürger an ihre Stadt oder Gemeinde: die sogenannten Altkennzeichen am Auto, die mit der Gebietsreform 1969 in NRW weitgehend verschwunden sind. Eine Renaissance wollen längst nicht alle Landkreise in Westfalen zulassen.

Im Westen. Bei einer möglichen Wiedereinführung der sogenannten Altkennzeichen ergibt sich in Westfalen bisher ein Flickenteppich. Während einige Landkreise, die nach der Gebietsreform von 1969 entstanden sind, ihren Städten die Rückkehr zu den alten Buchstaben-Kombinationen am Auto zugestehen, lehnt der Märkische Kreis diese Renaissance ab. Der Hochsauerlandkreis (HSK) hat noch nicht entschieden und daher beim Landesverkehrsministerium in Düsseldorf um eine Fristverlängerung gebeten.

Gefallen ist die Entscheidung pro Altkennzeichen im Kreis Unna. Damit kann künftig LÜN-EN mit der Kreisstadt UN-NA gleichziehen. Im Ennepe-Ruhr-Kreis (EN) dürfen sich die Wittener wieder Hoffnungen auf WIT machen, und Castrop-Rauxel im Kreis Recklinghausen wird RE gegen CAS tauschen dürfen. Ganz im Süden von Westfalen schenken die Siegener (SI) auf dem Kennzeichenblech den Wittgensteinern die Freiheit; sie können auf BLB für Bad Berleburg umrüsten.

Selbst die kreisfreie Stadt Bochum gibt sich einsichtig und gewährt den eingemeindeten Wattenscheidern als Straßenverkehrsteilnehmer alte Rechte; Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz hat das Schreiben an Landesverkehrsminister Harry Kurt Voigtsberger gemeinsam mit dem Wattenscheider Bezirksbürgermeister unterschrieben, um zum BO das WAT wiedereinzuführen.

„Unklare Tendenzen“

Mit dem Hochsauerlandkreis (HSK) steht im größten Flächenkreis Westfalens die Entscheidung noch aus. Dort haben zumindest die Städte Arnsberg (AR) und Brilon (BRI) für die Zulassung der Altkennzeichen votiert. Von „unklaren Tendenzen“ war in der Kreisverwaltung die Rede. Bis Ende März wollte das Landesverkehrsministerium die Wünsche eigentlich gemeldet haben, deshalb hat der HSK in Düsseldorf um Fristverlängerung gebeten. Der Kreistag soll jetzt am 29. Juni über „das Politikum“ entscheiden.

Das Kreisparlament des Märkischen Kreises (MK) hat die Rückkehr zu den Altkennzeichen mit großer Mehrheit abgelehnt. Dabei kam es zu der grotesken Situation, dass ein Parlamentarier aus Altena im Stadtrat für die Altkennzeichen und anschließend im Kreistag dagegen gestimmt hat. Im MK geht es um gleich vier Kombinationen: AL (Altena), IS (Iserlohn), LÜD (Lüdenscheid) und LS als Vorgänger für MK, weil bis 1979 Kfz-Kennzeichen nur vom Ortsnamen der Kreisstadt abgeleitet werden durften.

Ob mit dem Nein des märkischen Kreistags allerdings die letzte Entscheidung gefallen ist, bleibt unklar: Sollte der Bund die Gesetze so ändern, dass die Altkennzeichen generell wieder erlaubt werden, könnte daraus ein Rechtsanspruch werden – auch für die Städte und Gemeinden, denen der übergeordnete Landkreis das Altkennzeichen verwehrt.

Der Heilbronner Professor Ralf Borchert hatte im letzten Jahr die Diskussion um die Wiedereinführung von Altkennzeichen ausgelöst. Sein Argument: In einer Zeit der Globalisierung könnten die Menschen zumindest am Auto Heimatverbundenheit und Identität demonstrieren.

 
 

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