Eine Stimme im Dienste Ihrer Majestät - Dietmar Wunder spricht Craig

Dietmar Wunder (r.), die Synchronstimme von Daniel Craig, bei der Lesung mit dem amerikanischen Krimi-Autor Don Winslow und Moderatorin Regula Venske am Sonntagabend in Hamm.
Dietmar Wunder (r.), die Synchronstimme von Daniel Craig, bei der Lesung mit dem amerikanischen Krimi-Autor Don Winslow und Moderatorin Regula Venske am Sonntagabend in Hamm.
Foto: WAZ FotoPool
Daniel Craig ist begehrt - vor allem, seit er James Bond verkörpert. Seine deutsche Stimme spielt dabei vermutlich keine unerhebliche Rolle: Die stammt von Dietmar Wunder.

Hamm.. Er ist dann am besten, wenn er am wenigsten auffällt. Millionen Kinofreunde genießen das derzeit, wenn sie „Skyfall“ erleben. Die den neuen James Bond sehen – aber ihn hören: Wunder. Dietmar Wunder. Denn er ist die deutsche Stimme von Daniel Craig. Auch wenn er nicht so aussieht und vor allem längst nicht so unnahbar und abgebrüht erscheint. Eher wie ein netter, offener Typ, mit dem man gut ein Bier trinken könnte. Oder besser: einen heißen Tee. Denn die Stimme ist sein Kapital. Und sie lässt niemanden kalt. Weder die eingefleischten Bond-Fans, noch die Krimifreunde, die Wunder am Sonntagabend beim Festival „Mord am Hellweg“ im HoppeGarden in Hamm erlebten, als er gemeinsam mit Don Winslow dessen neuen Roman „Kings of Cool“ präsentierte. Und es war nicht nur die Stimme, von der die Gäste anschließend schwärmten: „Man merkt vor allem eins“, bilanzierte Silke Weiß (44): „Dass er Schauspieler ist!“

Vermutlich ist dies ein Kompliment, über das sich der Berliner am meisten freuen würde. Denn seine persönliche Erfolgsstory begann eigentlich, wie er im WR-Interview selbst formuliert, mit einer „Loser-“Geschichte. Damals, mit 21, hatte er dem Dramaturgie-Chef des Berliner Renaissance-Theaters vorgesprochen. Und der teilte ihm danach mit: „Ganz ehrlich? Was Sie gespielt haben, fand ich nicht so richtig toll, aber machen Sie etwas mit ihrer Stimme, die ist toll!“

Der Frust von damals ist längst vergessen, aus der Not hat Wunder eine Tugend gemacht und – parallel zur seiner Optiker-Ausbildung - auch noch Schauspielunterricht genommen. Und heute beherrscht er das gesamte Repertoire der Schauspielkunst: Steht auf der Bühne und vor der Kamera, arbeitet als Regisseur, bespricht Hörbücher, hält Lesungen und synchronisiert. Angefangen von Robert Downey jr. (in Ally McBeal) über Adam Sandler und Denny Messer (CSI New York) bis eben zu Daniel Craig. Und wenn er mit diesem Strahlen im Gesicht erzählt, dass für ihn damit ein doppelter Traum in Erfüllung ging – weil er eigentlich schon immer Bond-Fan war und tatsächlich wegen Sean Connery Schauspieler werden wollte – dann glaubt man es ihm aufs Wort. „Bond ist einfach ein toller, cooler Typ“, sagt Wunder. „Und Teil dieser Geschichte zu sein, ist wirklich ein Geschenk.“

Deshalb wird er vermutlich auch jenen Anruf nie vergessen, als er erfuhr, dass er das Casting für den neuen Bond-Darsteller gewonnen hat. Da kam er gerade vom Einkaufen, stand auf der Straße, und der Produzent der Synchron-Firma teilte ihm mit: „Du arbeitest jetzt für den Geheimdienst Ihrer Majestät.“

Und doch: Dass er vor allem durch diese Rolle bekannt geworden ist und seitdem unzählige Frauen von seiner besonders männlichen und sexy Stimme schwärmen und zugeben, sie würden sich gar von ihm ein Telefonbuch vorlesen lassen – darauf reagiert er fast schon etwas verlegen. „Für mich als Schauspieler“, gibt er da fast schon etwas schüchtern zu, „ein unheimliches Kompliment“.

Übrigens: Den berühmtesten aller Sätze der Bond-Filme darf er offiziell aus Marketing-Gründen nicht einfach so sagen. Bei Don Winslow behalf er sich am Sonntag deshalb mit einer Notlösung. „Kannst du uns nicht einmal einen kleinen Bond geben?“ hatte ihn Winslow zum Schluss gefragt - und das Publikum daraufhin begeistert applaudiert. Und so bat Dietmar Wunder, das Licht dunkler zu stellen und die Augen zu schließen, und erzählte folgende Geschichte: „Stellen Sie sich den Markusplatz in Venedig vor. Sie haben gerade Platz genommen in einem kleinen Café. Ein Auto hält direkt vor ihnen, vielleicht ein Aston Martin. Ein Mann steigt aus, sehr eleganter Anzug. Er hat blonde Haare und blaue Augen. Er kommt direkt auf Sie zu. Und er sagt: Mein Name ist Bond. James Bond...“

Wow.

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