Eine Brücke als sündhaft teures Denkmal

Rastplatz statt Museum: Die 74 Jahre alte Brücke wurde für 310.000 Euro demontiert und auf dem Rasthof Vellern wieder aufgebaut.
Rastplatz statt Museum: Die 74 Jahre alte Brücke wurde für 310.000 Euro demontiert und auf dem Rasthof Vellern wieder aufgebaut.
Foto: Dietmar Wäsche
Eine 74 Jahre alte Autobahnbrücke bei Beckum durfte nicht abgerissen werden, weil sie unter Denkmalschutz steht. Jetzt wurde sie für 310.000 Euro auf einem Rastplatz wieder aufgebaut. Der Steuerzahlerbund ist empört.

Beckum. 74 Jahre hat sie Menschen verbunden, jetzt erhitzt sie ihre Gemüter: Statt eine nicht mehr ausreichend tragfähige Autobahnbrücke abzureißen, wurde sie erst ab- und 1,5 Kilometer weiter auf einem Rastplatz wieder aufgebaut. Dieser ungewöhnliche Vorgang, der satte 310 000 Euro kostete, ereignete sich auf der A2 zwischen Beckum und Oelde und hat zudem einen triftigen Grund: Die Brücke steht seit 1991 unter Denkmalschutz, es ist die älteste Spannbetonbrücke der Welt. Trotzdem ist der Bund der Steuerzahler empört. „Diese Vorschriften führen zu legaler Steuergeldverschwendung“, klagt Sprecherin Bärbel Hildebrand.

Jetzt steht sie da, auf dem Rastplatz Vellern bei Beckum. Umgeben von: nichts. Eine uralte Stahlkonstruktion hinter Absperrgitter, 33 Meter lang, sechs Meter breit, gestützt von zwei Beton-Pfeilern. Nun sollen noch eine Erklärtafel und eine Treppe für Touristen folgen. Ein Rastplatz als Pilgerstätte für Brücken-Fans? „Wenn diese Brücke doch so einmalig ist, warum wird sie dann nicht im Museum ausgestellt?“ fragt Bärbel Hildebrand vom Steuerzahlerbund. Und selbst der Landesverband Westfalen-Lippe (LWL), der für die Denkmalpflege zuständig ist, lässt ausrichten: „Wir gehen hauptsächlich von Zufallsbesuchern aus.“ Zwischen Stulle und Notdurft.

1000 Euro pro Jahr Instandhaltung

Nur eine Nacht dauerte der kostspielige Umzug der Brücke. Verantwortlich dafür war der Landesbetrieb Straßen.NRW. „Es sind zwar unsere Brücken, aber entscheiden, was damit passiert, dürfen wir nicht“, sagt dessen Sprecher Bernd Löchter. Nur so viel: Zu sanieren war die Brücke nicht mehr. Ein Abriss hätte nach Schätzungen des Landesbetriebs 100 000 Euro gekostet. Die Instandhaltung kostet den Bund nun stattdessen 1000 Euro im Jahr. Der Ersatzbau, der die Lücke der Spannbetonbrücke wieder schließen soll, wird mehr als eine Million Euro veranschlagen.

„Das ist eine Soda-Brücke, also eine Brücke, die halt ‘so da’ ist, wovon die Leute aber nichts haben“, sagt Bärbel Hildebrand vom Steuerzahlerbund, „es bleibt sinnfrei.“ Beim LWL halten sie vehement dagegen. Die Brücke sei „ein Geschichtszeugnis in Stein“ und dokumentiere eine bestimmte Technik, Brücken zu bauen. „Wenn es um den Kölner Dom ginge, gäbe es keinen Aufschrei. Manche Kulturgüter haben halt eine gute, andere eine schlechte Lobby“, sagte LWL-Sprecher Markus Fischer.

 
 

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