Ein Haus aus 2400 Flaschen entsteht in Hamm

Von Dennis Betzholz
Eduard Lüning sammelte für das Projekt die Pfandflaschen.
Eduard Lüning sammelte für das Projekt die Pfandflaschen.
Foto: I&U TV
Die Stadt bekommt den Zuschlag für ein ungewöhnliches TV-Projekt. Der Profi-Sammler Eduard Lüning besorgte das Rohmaterial.

Münster/Hamm.  In Hamm setzen sie ab heute auf Pfandware statt „Betongold“: Aus über 2400 Plastikflaschen soll im Ortsteil Herringen ein mehr als ungewöhnliches Haus entstehen. Und wenn heute um 11 Uhr – na sagen wir – die „Grundflaschenlegung“ zelebriert wird, hält die Fernsehkamera drauf: Die Idee des Flaschenhauses stammt nämlich von der RTL-Sendung „Stern TV“.

Es ist eine so herrlich abseitige Idee, aus dem Müll anderer ein Haus zu bauen, dass Hamm sich kurzerhand für dieses mediale Projekt bewarb. Der Zuschlag folgte spontan, weshalb die Bitte erst gestern die Zeitungen erreichte: Wir suchen Helfer. Mindestens 200 sollen es werden, die mitanpacken.

Die Flaschen mit Erde füllen, diese dann systematisch aufeinanderstapeln und schließlich mit Lehm, Zement und Schnüren verbinden. Natürlich unter Anleitung. Selbst der Oberbürgermeister schaltete sich ein: „Wir wollen zeigen, dass man auf uns in Hamm bauen kann – und auch mit uns.“ Als „Flasche leer“ will sich vor Kameras schließlich keiner präsentieren.

Münsteraner Profi-Sammler besorgte den „Rohstoff“

Um Missverständnisse zu vermeiden: Austrinken oder sammeln muss die Flaschen niemand mehr. Letzteres übernahm wohl Deutschlands bekanntester Flaschensammler Eduard Lüning, 51, aus Münster. Auf zehn Musikfestivals bückte er sich zu allem, was nicht bei Drei im Pfandautomaten lag. „Ohne mich wäre das nicht möglich gewesen“, sagt er dieser Zeitung ganz unbescheiden, „wenn einer die rankarren kann, dann ich.“

Schon einmal sorgte er mit seiner ganz eigenen Qualität für Furore: In 30 Tagen sammelte er 13 000 Euro – und kaufte sich davon ein Wohnmobil. Jetzt hat er so viel Pfand eingetrieben, dass er sogar steuerpflichtig ist und sich trotzdem die Luxus-Variante eines Wohnmobils leisten kann. „Ich will von dem Dreck anderer leben können“, sagt er. Das sei seine Maxime, der Hype um das Haus interessiere ihn dabei ganz und gar nicht.

Auch bei Immobilien-Maklern dürfte das Gebäude wenig Interesse hervorrufen. Sein Wert: 600 Euro. Das Konzept stammt von Zimmermann Andreas Froese aus Herford, das in Dritte-Welt-Ländern längst erfolgreich im Einsatz ist – kostengünstiger und nachhaltiger geht nicht.

Ausgestrahlt wird der Hausbau voraussichtlich am 17. Oktober.