Die Römer sind in Hamm im Museum

Schauen, Machen, Staunen: Hendrik Blank und Isabella Franzen testen in Hamm die Galeere.
Schauen, Machen, Staunen: Hendrik Blank und Isabella Franzen testen in Hamm die Galeere.
Foto: Funke Foto Services
Hamm zeigt die große Mitmachausstellung „Hightech Römer“. Familien können hier selbst Brücken bauen oder Wasser aufwärts fließen lassen.

Hamm. Nutze den Tag! Dieser Spruch kann als Motto des riesigen römischen Reiches dienen. Was dabei vor 2000 Jahren herausgekommen ist, funktioniert und fasziniert heute immer noch. Im Gustav-Lübcke-Museum Hamm kann man die technologischen Errungenschaften der Antike jetzt in die Hand nehmen – bei der Mitmach-Ausstellung „Hightech Römer“.

Ausstellung seit 2012 auf Tournee

Fußbodenheizungen, Lastkräne, Wellnessbäder und Wasserleitungen: Unser Alltag wäre ohne den römischen Erfindergeist nicht denkbar. Doch dies theoretisch zu wissen, berührt kaum. Spannender ist es da allemal, nach den Ursachen zu forschen, wie eine Hochkultur dank überragender Technologie ein Weltreich errichten kann. Hier setzt die Ausstellung an, die von den Museen der Römerstädte Bonn, Nijmegen und Mechelen gemeinsam konzipiert wurde und seit 2012 auf Tournee ist. Gerade die holländisch-belgische Beteiligung garantiert den Einsatz modernster museumspädagogischer Ideen.

Es gibt ein rechtes Maß in allen Dingen: Noch so ein lateinisches Sprichwort. Das beschreibt nicht nur die Tugend der Mäßigung, sondern auch das Konzept der Standardisierung. Ihre Vorliebe für rechte Winkel lässt die Römer Siedlungen und Kastelle von Britannien bis Syrien nach dem gleichen Bauplan errichten. Der Einsatz von Abakus, Lot, Entfernungsmesser, Höhenmesser und Winkelmesser ermöglicht es, gerade Mauern, Kanäle, Tunnel und Straßen zu errichten.

Kräne und Katapulte

Ein Netz von Straßen wiederum verbindet noch die entferntesten Provinzen des Reiches. Über sie können Truppen verlegt und Waren transportiert werden. Verständigungsprobleme gibt es nicht, denn alle Römer, ob es sich nun um gebürtige Afrikaner handelt oder Gallier, können Latein.

Tatsachen sprechen für sich: Neben der Mathematik steht sozusagen die praktische Physik. Kräne, Tretmühlen und Flaschenzüge erleichtern es, mehrstöckige prunkvolle Wohnhäuser, luxuriöse Thermen und gigantische Theater zu errichten. Die antiken Ingenieure bauen die erste Kuppeln und leiten das Wasser von den Quellen bis zu den großen Städten. Aquädukte der Römer, die oft auf gewölbten Bogenstellungen geführt werden, zählen zu den bedeutendsten Bauwerken der Antike.

Wer wagt, gewinnt: Schließlich sind auch die Soldaten erfinderisch. Mit neuartigen Katapulten und Ballistae sind sie ihren Feinden lange überlegen. Zur Belohnung gibt es Brot und Spiele, kulinarische Leckereien und vor allem Bäder in prunkvollen Thermen.

Texte auch auf Latein

Kostbare historische Funde, aktuelle Multimedia und 35 Mitmachstationen ermöglichen spielerisches Lernen durch Begreifen im Sinne des Wortes. Die Besucher können eine Straße bauen, ein Dach decken, ein Mosaik legen, Wasser aufwärts fließen lassen, Bälle mit dem Katapult abschießen, Winkel messen, eine Abwasserleitung inspizieren oder in der Galeere rudern. Dabei erschließt sich auch ein Geheimnis dieser Hochkultur. Die Römer haben nicht alles selber erfunden. Aber sie eignen sich angstfrei das Wissen der Völker an, die sie in ihr Reich eingliedern. Und wenn der syrische Legionär dann an der Lippe stationiert wird, bringt er sein Können mit. Das nennt man Technologietransfer durch Mobilität.

„Hightech Römer“ ist für Besucher ab fünf Jahren geeignet und lohnt sich besonders für Familien. Schulklassen können alle Ausstellungstexte auf Latein von der Webseite des Museums herunterladen. Wie sagt der alte Römer noch: Der Geist bewegt die Materie.

www.museum-hamm.de

 
 

EURE FAVORITEN