Bhopal-Giftmüll soll aus Indien nach Deutschland

Katja Sponholz und Angelika Wölke
Ein Bild vom 5. Dezember 1984: Zwei Männer tragen bei der Chemiekatastrophe von Bhopal Kinder vom Gelände der Chemiefirma, wo die tödlichen Gase austraten. Rund 15.000 Menschen starben. F
Ein Bild vom 5. Dezember 1984: Zwei Männer tragen bei der Chemiekatastrophe von Bhopal Kinder vom Gelände der Chemiefirma, wo die tödlichen Gase austraten. Rund 15.000 Menschen starben. F
Foto: AP
Deutschland soll indischen Medienberichten zufolge den Giftmüll des Chemieunglücks von Bhopal entsorgen. Auch in NRW wären drei Anlagen technisch für die Verbrennung geeignet. Aber nicht alle Betreiber haben Interesse.

Dortmund. Mehr als 27 Jahre nach der Giftgas-Katastrophe im indischen Bhopal mit tausenden Toten soll Deutschland indischen Medienberichten zufolge 350 Tonnen Giftmüll vom Gelände der verwaisten Fabrik entsorgen. „Wir sind in Gesprächen mit der indischen Provinzregierung“, sagte der Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), Hans Stehling. Ein Vertrag sei allerdings noch nicht unterschrieben.

Nach Auskunft des Umweltbundesamtes in Dessau gebe es bundesweit sieben Anlagen, in denen die Stoffe verbrannt werden können. Drei davon befinden sich in NRW: in Herten, Dormagen und Leverkusen.

Der erste Betreiber von geeigneten Sondermüllverbrennungsanlagen hat bereits abgewunken: „Wir könnten diese Stoffe entsorgen, aber wir haben kein Interesse“, sagte Jörg Brückner, Sprecher der Bayer-Tochter Currenta. Der offizielle Grund: die Anlagen in Leverkusen und Dormagen seien bereits ausgelastet.

Remondis wäre ein Kandidat für den Bhopal-Müll

Eines der weltweit größten Unternehmen der Wasser- und Kreislaufwirtschaft, die Remondis AG mit Sitz in Lünen, wäre zwar grundsätzlich bereit, den indischen Giftmüll zu entsorgen, „die Liste der Unsicherheitsfaktoren ist aber noch sehr lang“, sagte Sprecher Michael Schneider. „Wir wissen noch gar nicht, was das für ein Material ist und welche Schadstoffe es überhaupt enthält.“ Zwar befände sich Remondis „an der Sperrspitze der technischen Entwicklung“ und habe „die modernsten Anlagen „zur Verfügung – etwa mit siebenfacher Filtertechnik in Brunsbüttel – offen sei jedoch, ob für die Bhopal-Stoffe eine entsprechende Betriebsgenehmigung vorliege.

Probleme bei der Durchführung sieht Schneider nicht: „Das ist ein Routinevorgang. Wir entsorgen permanent schädliche Abfälle.“ Fraglich sei eher, ob dieser Vorgang überhaupt „wirtschaftlich abwickelbar“ sei: 350 Tonnen, so Schneider, „ist eine extrem überschaubare Menge“.

Derweil formierte sich gestern bereits der Protest gegen die Aktion. „Der Giftmüll muss dort bearbeitet erden, wo er angefallen ist“, sagte Barbara Kamradt von Greenpeace. Natürlich müsse man den Indern helfen. „Wir haben das Know-How, keine Frage“, sagt Kamradt. „Wir sollten die Technologie nach Indien liefern und nicht den Müll dort abholen.“

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