Auf der kulinarischen Überholspur

Molekularkoch Heiko Antoniewicz beim Westfälischen Gastronomiepreis im Hansesaal Lünen.
Molekularkoch Heiko Antoniewicz beim Westfälischen Gastronomiepreis im Hansesaal Lünen.
Foto: Bodo Kürbs
Bei Hirschrücken mit Holundersauce und Kartoffelcrêpesroulade ist in Lünen der fünfte Westfälische Gastronomiepreis verliehen worden. Mit Hilfe von 24 000 Gästebewertungen wurden die westfälischen Restaurants und Landgasthöfe des Jahres gekürt.

Lünen..  Pfefferpotthast, Potthucke, Panhas und natürlich ein Pilsken – das ist sicherlich typisch westfälisch, doch die Spitzenküche hat sich zwischen Sieger-, Sauer-, Münster- und Lipperland sowie dem östlichen Ruhrgebiet in den letzten Jahren stark gewandelt.

Nicht zuletzt dank des Westfälischen Gastronomiepreises, den die Initiatoren vom Westfalen-Magazin am Donnerstagabend in Lünen bereits zum 5. Mal vergeben haben. Und die Gewinner dieser Publikumspreise – rund 24 000 Bewertungen von Gästen für 181 beteiligte Restaurants bedeuten neuen Rekord – sind in diesem Jahr wieder mal die „Wielandstuben“ in Hamm und bei den Landgasthöfen „Die Windmühle Fissenknick“ in Bad Meinberg. Hatten in den letzten Jahren die Gasthäuser aus dem Land der tausend Berge mächtig in Küche und Keller zugelegt, so zeigte sich diesmal Ostwestfalen von

seiner besten Seite. Eine oft unterschätzte Region auf der Überholspur.

Heimische Produkte veredeln

Den Beweis, dass sich Westfalen vor keinem Landstrich in der Republik kulinarisch zu verstecken braucht, lieferten aber nicht nur die Preisträger, sondern vor allem auch die ambitionierten Köche, die die Gala in Lünen zu einem Gastro-Erlebnis werden ließen. Männer wie Heiko Antoniewicz (u.a. Pfeffer Spanferkeltartar, Kreuzkümmel und Limone, Hüttenkäse, Rauch und Karotte als Fingerfood) Stefan Manier und Sascha Stemberg kreieren Trends, zeigen neue Wege auf, wie sich die besten heimischen Produkte veredeln lassen.

Auch das Viergang-Menü, unter anderem mit dem Waltroper Ricotta im Tomaten-Safran-Sud, Waldpilzen und Petersilie, und das Medaillon vom heimischen Hirschrücken unter einer Apfel-Walnusskruste mit Holundersauce gefülltem Wirsingköpfchen mit Kartoffelcrêpesroulade wusste auch die geschulten Gaumen der 200 Festgäste, zum größten Teil selbst Gastronomen, zu überzeugen.

Und als die Preisträger ermittelt, die Besucher gesättigt waren, huschte ein verschmitztes Lächeln über die Wangen von Dirk Bangert. „Wir haben die Herausforderung geschafft, eine Riesenaufgabe bewältigt“. Dirk Bangert und seine drei Profiköche sowie die vier Auszubildenden vom Lüner Ringhotel hatten sich des Hauptgangs angenommen.

215 Portionen, Vorbereitung: zweieinhalb Tage. „Solange hat auch die Sauce für den Hirschrücken gebraucht“, sagt Bangert. Ein Konzentrat, das immer wieder reduziert und schließlich mit Holundermark verfeinert wurde.

Kulinarischer Ritterschlag

Die Kunst, derartige Mengen auf den Punkt zu garen, sie in kürzester Zeit auf dem Teller kunstvoll zu arrangieren und alles fast gleichzeitig heiß zu servieren, macht den Meister am Herd aus. Bangert und sein Team haben an diesem Abend den kulinarischen Ritterschlag verdient – und daneben mussten sie auch noch das tägliche à la carte-Geschäft des benachbarten Hotels bewältigen. Chapeau.

Das von Silvio Eberlein präsentierte Flying Dessert wurde dann zum Ausklang in lockerer Runde im Foyer gereicht. Gewohnt locker führte auch WDR-Mann Peter Großmann (Deutscher Fernseh-Preisträger mit dem ARD-Morgenmagazin) durch den kurzweiligen Abend. „Der westfälische Gastronomiepreis ist eine Erfolgsgeschichte“, sagte der Moderator unter dem Beifall der Anwesenden und Initiator Gerhard Besler erinnerte an die Anfänge vor fünf Jahren, als 120 Gastro-Betriebe teilnahmen und 14 000 Gästebewertungen erhielten.

Und auch die sechste Auflage eines Preises, der einer vielfach kulinarisch unterbewerteten Region hervorragend steht, ist schon terminiert. Es geht wieder auf die Hohensyburg. Und da darf man sich schon auf die Leistungen von Michael Dyllong freuen, dem hochgehandelten Newcomer in der Feinschmecker-Szene.

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