Anführer der „Sauerländer Aktionsfront“ war ein V-Mann

Mitglieder der so genannten „Sauerländischen Aktionsfront“ (SAF) nahmen 1996 an einer neonazistischen Demonstration im niederländischen Leerdam teil. Mittendrin und mit Handy am Ohr: Andree Z.
Mitglieder der so genannten „Sauerländischen Aktionsfront“ (SAF) nahmen 1996 an einer neonazistischen Demonstration im niederländischen Leerdam teil. Mittendrin und mit Handy am Ohr: Andree Z.
Foto: Roland Geisheimer / attenzione
Die „Sauerländer Aktionsfront“ war in den 90ern die wichtigste neonazistische Gruppe in NRW. Andree Z. war einer der Anführer der Neonazi-Truppe. Er war aber nicht nur das: Wie jetzt bekannt wurde, arbeitete er auch als V-Mann des Verfassungsschutzes.

Winterberg.. Im Kreis seiner Kameraden verteilte Andree Z. einst eine Visitenkarte. Wo andere Beruf oder Funktion nennen, prangte auf seinem Kärtchen in Frakturschrift und Großbuchstaben die Angabe „NEO-NAZI“. Andree Z. war bis zu seinem Tod bei einem Autounfall Ende November 1997 einer der Anführer der Neonazi-Truppe „Sauerländer Aktionsfront“ (SAF). Er war aber nicht nur das: Er arbeitete auch als V-Mann des Verfassungsschutzes.

Dies geht aus einem als „geheim“ eingestuften Dokument des Bundeskriminalamtes aus dem Jahr 1997 hervor, das dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ vorliegt. Das BKA warnte damals den Verfassungsschutz vor dem Einsatz von V-Leuten an prominenter Stelle in der Szene und nannte als eines der Beispiele Andree Z.

Die meisten V-Leute seien „überzeugte Rechtsextremisten“, die glaubten, „unter dem Schutz des VS im Sinne ihrer Ideologie ungestraft handeln zu können und die Exekutive nicht ernst nehmen zu müssen“, heißt es in dem Papier.

Bedeutung der Gruppe wuchs schnell an

Unter den Augen des Nachrichtendienstes und unter der tatkräftigen Anleitung durch V-Mann Z. jedenfalls wuchs die SAF zu einer der wichtigsten Gruppen der Szene heran. Die „Sauerländer Aktionsfront“ sei neben der NPD-Nachwuchsorganisation „Junge Nationaldemokraten“ die „in Nordrhein-Westfalen bedeutendste neonazistische Gruppierung“, hieß es etwa im NRW-Verfassungsschutzbericht für 1996.

Um die 60 Anhänger wurden der SAF im Hochsauerland, im Kreis Olpe und in Siegen-Wittgenstein zugerechnet. Die braune Truppe war Vorbild für viele andere Neonazi-Organisationen der 90er-Jahre. Ihre Mitglieder sorgten mit einem „Nationalen Infotelefon“ für die Vernetzung der Szene, sie organisierten Demonstrationen und Saalveranstaltungen, bauten zielgruppengerecht verschiedene Zeitschriftenprojekte auf: für „politisch“ Interessierte, für Fußball-Hooligans und für Freunde rechter Rockmusik. Regelmäßig fielen SAF-Anhänger wegen Gewalttätigkeiten auf.

Geheimdienst informierte Neonazi

Z. selbst, 1973 geboren, zunächst in Olpe und später in Winterberg lebend, betrieb vor allem die „Anti-Antifa-Arbeit“: das Sammeln und Verbreiten von persönlichen Daten über vermeintliche oder tatsächliche Gegner der Neonazis. Unter seinem Pseudonym „Lutscher“ schrieb er in einem elektronischen Netzwerk der Szene: „Die Adressen sind nicht dafür da, daß sie gelöscht werden, sondern das ihr damit umgeht.“ Man müsse „die Parasiten aus dem Dunkel ziehen. Wir kriegen sie ALLE!“

Wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung wurde gegen die SAF ermittelt. Die Sache verlief im Sande. Überraschend war das im Rückblick nicht. Nach Einleitung des Verfahrens gegen Z. habe der Geheimdienst offenbar postwendend die Information an den Neonazi weitergegeben, meldet der Spiegel.

Das BKA klagte: Seitdem hätten „keine relevanten Gespräche“ mehr am Telefon mitgeschnitten werden können.

 
 

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