6 Millionen Euro Schaden durch Skimming im Blumen-Paradies

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Mehr als 4000 Betrugsfälle, schätzungsweise sechs Millionen Euro Schaden: Das ist die Bilanz des bislang größten Skimming-Falles in zwei Gartencentern des Ruhrgebiets. Augsburg-Kunden müssen nun handeln.

Schwerte/Bochum.. Als seine Bank anrief, fiel Rolf P. aus allen Wolken: EC-Karte, Bank-Karte, Kreditkarte – alle gesperrt, dazu 1500 Euro weg. Abgebucht irgendwo in Mexiko. Der 71-Jährige aus Rotenburg an der Wümme ist eins der mehr als 4000 Opfer des bislang größten Skimming-Betruges im Ruhrgebiet.

„Das ist ein ganz dickes Ding“, das stand für den Bochumer Polizeisprecher Volker Schütte schon sehr früh fest. Da waren, am 14. Mai, gerade einmal die ersten Anzeigen von betrogenen Kunden eingetrudelt. Bereits am nächsten Tag waren es 120, der Beginn eines Runs. Allein in Bochum meldeten sich mehr als 1800 Kunden, die in der Filiale des Augsburg-Gartencenters am Ruhrpark Blumen und Pflanzen gekauft und mit

EC-Karte bezahlt hatten. „In der Schwerter Wache mussten die Kollegen Büros leerräumen, um dem Andrang Herr zu werden“, berichtet Schütte. Mittlerweile geht die Polizei von mehr als 4000 geschädigten Kunden aus, die Schadenssumme allein durch Kontoplünderung wird auf mehr als sechs Millionen Mark geschätzt. Es dürfte sich damit um einen der effizientesten Fälle in der Geschichte des Skimmings handeln.

Was war geschehen? Unbekannte Täter hatten in den Augsburg-Filialen in Schwerte und Bochum ein Kartenterminal präpariert und die Daten samt PIN-Nummern ausgespäht. Statt an den für sie durch stärkere Bewachung heikel gewordenen Geldautomaten der Banken lauern die High-tech-Ganoven zunehmend an unerwarteten Stellen. Im Vorjahr warnte das Landeskriminalamt NRW erstmals vor dem Ausspähen an den Fahrscheinautomaten in Bahnhöfen. Fälle waren aus dem Ruhrgebiet, aus Ostwestfalen und dem Rheinland gemeldet worden.

Nun also auch Skimming im Blumen-Paradies. Die Bande, deren Kopf die Fahnder in Südosteuropa vermuten, schickt „Läufer“ aus, die die Ausspähtechnik vor Ort installieren.

Keine Minikameras wie sonst an Geldautomaten üblich, die eingetippte Geheimzahlen übermitteln; diesmal saß der Spion mitten im Kartenterminal neben der Kasse. „Wir vermuten, dass sich die Täter haben unbemerkt einschließen lassen, denn Einbruchsspuren und damit Argwohn gab es nicht“, sagt Polizeisprecher Schütte.

Daten per Funk abgerufen

Das manipulierte Gerät las auch die PIN-Codes der eingeführten Karten aus, vermutlich im Zeitraum vom 10. bis zum 14. Mai wurden so ungehindert die Karten ahnungsloser Kunden ausgespäht. Per W-LAN griffen die Täter die Daten von außerhalb des Gartencenters ab. „Sie haben vermutlich draußen in einem Auto gesessen“, sagt Schütte. Die gestohlenen Daten wurden nach Übersee geschickt und dort auf Blankokarten übertragen.

Aus Mexiko, Kolumbien, Dominikanischer Republik und New York wurde fleißig abgebucht, Beträge zwischen 500 und 5000 Euro, im Schnitt 1500. Auch Polizisten, sagt Schütte, sind unter den Opfern. In Holzwickede erwischte es den SPD-Fraktions-Chef und dessen Frau. In New York buchten die Täter drei Mal ab, ein weiteres Mal in Mexiko, insgesamt waren 2000 Euro weg. Michael Klimziak bekam den Betrag von seiner Bank zurück und will seine EC-Karte „künftig sicher sparsamer einsetzen.“

Auf Kontobewegung achten

Zumindest sollten Bankkunden regelmäßig ihre Kontobewegungen kontrollieren und bei Verdacht Alarm schlagen und die Karte sperren lassen, sagt Polizeisprecher Volker Schütte. Entweder direkt bei der Bank oder unter dem bundesweiten Sperr-Notruf 116116. Man kann das Auslandslimit seiner EC-Karte auch auf 0,00 Euro setzen und nur bei Auslandsreisen einen Verfügungsrahmen festlegen. Auch in den Augsburg-Gartencentern haben die Leiter reagiert. Die Kartenterminals werden jetzt abends weg- und Manipulation ausgeschlossen.

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