30 Prozent kennen das Sauerland nicht

Wintersport am Kohlberg
Wintersport am Kohlberg
Foto: Mark Sonneborn
Fachhochschule Südwestfalen erkundet in groß angelegter Umfrage das Image des Landes der Tausend Berge

Sauerland.. Für die Touristiker ist es eine Goldgrube: Als Semesterarbeit haben Studenten der Fachhochschule Südwestfalen eine große Befragung zum Image des Sauerlandes durchgeführt. Zweieinhalbtausend Menschen in nordrhein-westfälischen Großstädten und an Touristenorten im Sauerland wurden interviewt, wie sie denn das Land der Tausend Berge grundsätzlich und speziell als Urlaubsziel finden. Aus den Antworten der repräsentativen Umfrage kann nicht nur die Tourismusbranche lernen.

Einschätzung der Region macht neugierig

Eine Zahl überrascht. 30 Prozent der Menschen in Nordrhein-Westfalen kennen das Sauerland nicht. Und „kennen“ hieß bei der Frage nicht, ob sie schon mal in dieser Region waren, berichtete gestern Prof. Anne Jacobi, Marketing-Expertin der Fachhochschule Südwestfalen in Meschede. Nein, etwa ein Drittel der Befragten konnte mit der Bezeichnung der Region nichts anfangen, hatte bisher weder darüber gelesen, nichts im TV gesehen und auch nichts von Bekannten in Erzählungen darüber gehört.

Dabei macht doch die Einschätzung des Landstrichs durch Besucher und Einheimische durchaus neugierig. 90 Prozent bringen das Sauerland mit „Natur pur“ in Verbindung, 85 Prozent finden es „gemütlich“ und rund 80 Prozent mögen die Gastronomie. Über 70 Prozent finden, dass das Sauerland eine hohe Lebensqualität bietet.

Soweit sind sich Sauerländer und Besucher einig – ein Wert, der Tourismus-Experten freut, denn die hohe Übereinstimmung weist darauf hin, dass Werbung mit diesen Charakteristika „authentisch“ ist – und nicht künstlich erfunden.

Nicht ganz gleicher Meinung waren sich die Befragten bei der Einschätzung, wie „provinziell“ oder „weltoffen“ die Sauerländer sind und wie groß das wirtschaftliche Potenzial im HSK, Kreis Olpe und Märkischen Kreis ist. Da liegt die Sicht von Außen und Innen etwas auseinander – nur die Hälfte der Einheimischen findet das Sauerland „provinziell“, aber fast 65 Prozent derjenigen, die von außen schauen, sehen das so. Und dass das Sauerland ein großes wirtschaftliches Potenzial hat, glauben umgekehrt fast 65 Prozent der Einheimischen zu wissen, wo hingegen dies gerade mal gut 40 Prozent Externe so sehen.

Diese Zahlen, in Verbindung mit der Identifikation derjenigen, die das Sauerland gar nicht kennen, dürfte auch für alle anderen Branchen im Sauerland hochinteressant sein. Denn die tatsächlich wirtschaftlich sehr gut aufgestellte Region mit einer Vielzahl von auf dem Weltmarkt führenden Unternehmen hat ein vergleichsweise großes Problem, Fachkräfte anzuwerben. Und da trifft die Fehleinschätzung vieler, was laut Umfrage das wirtschaftliche Potenzial angeht, auf die 30 Prozent, die das Sauerland gar nicht kennen: Das sind vor allem Jugendliche, Studenten und junge Angestellte, fanden die Interviewer der Fachhochschule Südwestfalen heraus.

„Hier werden wir in unserer Werbung künftig einen Schwerpunkt setzen“, kündigten Thomas Weber und Jürgen Fischbach vom Sauerland-Tourismus an, die Umfrage habe gezeigt: „Es gibt ein riesiges Potenzial an Gästen.“

Um dieses Potenzial zu erschließen, müssen die sauerländer Urlaubsexperten jetzt Strategien finden – zum Beispiel, ob man jüngere Leute durch Werbung auf Facebook erreichen kann. Und warum unter den unzufriedenen Gästen, die dem Sauerland den Rücken kehrten, auffällig viele jüngere Frauen sind.

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Das Sauerland - betrachtet von außen....

Zu nah, um spannend zu sein

Als ich Kind war, war das Sauerland etwas für Verlierer. Michael flog mit seinen Eltern nach Andalusien, Sabine kam nach zwei Wochen gebräunt vom Gardasee zurück. Aber Dieter hatte die schönsten Wochen des Jahres im Sauerland verbracht. Er war WANDERN!!!! Kinder sind grausam. Dieter hatte nach den Ferien eine schlechte Zeit auf dem Schulhof.

Das Sauerland, es war ja so langweilig nah. Quasi ein riesengroßer, weitgehend unbesiedelter Vorort meiner Geburtsstadt Dortmund. Nur zum Rodeln im Winter schien es geeignet. Aber nach dem ersten Mal wollte niemand mehr wirklich hin, weil wir den ganzen Sonntag mit Holländern im Stau gestanden hatten.

Seit ich Kinder habe, scheint das Sauerland wie verwandelt. Es ist so schön nah. Jetzt beginne ich Dieters Eltern zu verstehen: Diese kurzen Anfahrten sind wirklich familienfreundlich. Ja, wir waren sogar schon einmal wandern auf dem Rothaarsteig. Und nur eines von zwei Kindern hat gequengelt.

Jürgen Potthoff

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... und das Sauerland betrachtet von innen

Echt provinziell

Jau Kollege, genau so sahen wir das in unserer Jugend damals im Sauerland auch: Nix wie weg hier. Also, nicht immer. Sondern vor allem am Wochenende. Samstagabends. Ab nach Dortmund in eine heiße Disco oder angesagte Kneipe. Sauerland, das fand ich als Jugendlicher miefig, altbacken und – provinziell.

Und heute? Mag ich es, zu Konzerten und Ausstellungen in die Metropolen zu fahren, liebe es, in Dortmund im Stadion zu sein und über den Westenhellweg zu gehen. Aber nicht zu lange.

Und dann denke ich: Nix wie weg hier. Also nicht sofort. Sondern erst nach Feierabend. Dann freu’ ich mich auf zu Hause im Sauerland. Darauf, mit dem Mountainbike auf den Berg hinterm Dorf zu fahren und das Panorama zu genießen. Im Café am Sorpesee den Flaneuren zuzuschauen. Und mit Freunden im Garten zu sitzen und den Tag zu genießen. Was man halt so macht, im Sauerland. Und dann denke ich mir: Manchmal ist Provinz doch gar nicht so schlecht.

Heinz Krischer

 
 

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