Wenn Plaßmann an Advent denkt

An Rhein und Ruhr..  Stimmungsvoll soll’s schon sein, im Advent. Etwas Ruhe. Die Hektik bleibt draußen. Und der Mensch hält den Atem an, besinnt sich und bereitet seine Seele auf die Weihnacht vor, in der Gott Mensch wird, mitten unter uns. So könnte es sein. Aber in der City sieht’s am langen Samstag ganz anders aus. In unseren Terminkalendern auch. Und in den mehr als 50 Zeichnungen, die NRZ-Karikaturist Thomas Plaßmann derzeit in den Schaufenstern der Altstadt von Essen-Werden zeigt (und die in einem sehr schönen Katalog mit eigenen Gedichten zusammengefasst sind) erst recht. Wir haben mit Plaßmann über Advent und Weihnachten gesprochen. Und wenn Sie mögen und etwas Glück haben, können Sie sich am 10. Dezember vom Künstler höchstpersönlich durch die Open-Air-Galerie führen lassen (siehe Info-Kasten).

Frage: In Ihren Zeichnungen leiden Familien unter Advents- und Weihnachtsstress. Ist die Bedeutung von Advent verloren gegangen? Haben Sie ein Rezept, wie es mit der Besinnlichkeit doch noch klappen kann?

Thomas Plaßmann: Die ganz besonderen Augenblicke gibt es doch noch. In diesen Wochen steht der Wunsch nach menschlicher Wärme und nach Besinnlichkeit über allen Aktivitäten. Auf der anderen Seite ist der Terminkalender – gerade wenn man Kinder hat – voll mit Besinnlichkeitsterminen: Weihnachtsbasteln, Weihnachtssingen, Weihnachtsbacken in Kindergarten und Schule. Da muss man sorgfältig gucken, wie man Zeit für sich freischaufelt, um die Ruhe und Besinnlichkeit zu finden, nach der jeder dürstet. Dann setzt man sich mit einer Tasse Tee in den Sessel und zündet eine Kerze an. Wenn man sich bemüht, schafft man das noch.

„Warum machen wir das eigentlich?“, fragt in einer Zeichnung jemand, der sich durch einen Geschenkeberg wühlt. Ist Weihnachten nur noch ein Konsumfest?

Nein, das überspitze ich manchmal. Weihnachten ist die Zeit der Sehnsucht und der Sinnlichkeit, gerade unter christlichem Gesichtspunkt. Es ist ja nichts dagegen zu sagen, wenn man sich gegenseitig eine Freude macht. Aber es ist schon ein wenig krank, wenn im September die ersten Lebkuchen im Supermarkt auftauchen. Da mache ich nicht mit. Da fragt man sich schon: „Was ist der Kern der Weihnachtsbotschaft?“ Das droht zu verschwinden.

Welche Bedeutung haben Advent und Weihnachten für Sie ganz persönlich? Wie wird Weihnachten bei Ihnen gefeiert?

Für mich ist es ein christliches Fest. Ich bin in der Kirche sehr verwurzelt. Wir feiern die Ankunft des Erlösers und die Menschwerdung Gottes. Und darum gehört der Gottesdienst dazu. Den besuchen wir mit der ganzen Familie. Vorher machen wir gemeinsam einen Spaziergang. Dann gibt es die Bescherung unter dem Baum und ein gemütliches Essen. Das ist immer Fondue.

Im Weihnachtsbuch zur Ausstellung kann man erstmals Gedichte von Ihnen lesen – zum Beispiel diese rabenschwarzen Verse:

„Hübsch geschmückt zeigt sich der Raum,

leicht geneigt der Weihnachtsbaum.

Schweigend lieget im Geviert

Familie Kleinschmidt perforiert.

Familienknatsch – da schenkt man besser

zur Weihnacht keine Küchenmesser.“

Wie und wann sind Sie denn ans Schreiben gekommen, Herr Plaßmann?

Sprache ist ja auch in meinen Karikaturen ein wichtiges Element, und früher hab ich auch mal Kabarett gemacht. Es macht mir Spaß, Gedanken in Gedichtform zu gießen. Und wenn man Satiriker ist, fallen einem zu Weihnachten auch die schrägen und die dunklen Seiten ein. Die habe ich dann mal unter der Überschrift „Schwarze Weihnacht“ im Freundeskreis vorgetragen. Und jetzt sind sie im Buch gelandet.

Tragen Sie unseren Lesern am 10. Dezember einige davon vor?

Das mache ich sehr gerne!

 
 

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