Essen

Welche neuen Ideen aus dem Ruhrgebiet begeistern dich? „ruhr:HUB“-Geschäftsführer Oliver Weimann im Interview

Oliver Weimann ist einer der Geschäftsführer der Initiative „ruhr:HUB“.
Oliver Weimann ist einer der Geschäftsführer der Initiative „ruhr:HUB“.
Foto: Kai Kitschenberg/FunkeFotoServices  

Essen. Gründer wollen nach Berlin, Hamburg oder Köln? Klar - aber auch im Ruhrgebiet gibt's spannende Startup-Ideen und eine wachsende Gründerszene.

Dabei unterstützt sie die zentrale Anlaufstelle „ruhr:HUB“ mit Sitz in Essen. „ruhr:HUB“ ist eine Initiative des Wirtschaftsministeriums NRW und den sechs Kommunen Dortmund, Essen, Bochum, Duisburg, Gelsenkirchen und Mülheim.

Wie hilft „ruhr:HUB“ Gründern? Und was sind Erfolgsgeschichten aus dem Ruhrgebiet? Anlässlich der Startup-Konferenz Ruhr Summit in Dortmund in der kommenden Woche haben wir mit Geschäftsführer Oliver Weimann gesprochen.

DER WESTEN: Warum ist die Gründerszene im Ruhrgebiet noch immer nicht so ausgeprägt?

Oliver Weimann: Strukturell gibt es hier viele Großunternehmen, die einen recht großen Einfluss auf die Ausbildung haben. Das Ziel von Studenten hier ist auch eher eine Managementkarriere und nicht Gründen. Außerdem haben wir an unseren Hochschulen sehr viele geisteswissenschaftliche Studiengänge. Wenn ich mit dem Ziel starte, Lehrer zu werden, dann kommt am Ende in den seltensten Fällen eine App dabei raus. Auf der anderen Seite gibt es auch im Ruhrgebiet Schüler, die beispielsweise mit Svapp sogar eine App für ihre Schule bauen. Hinzu kommt allerdings: Erst in den letzten drei Jahren hat sich hier eine echte Gründerszene etabliert.

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Ist das Bedürfnis nach Sicherheit hier höher als beispielsweise in Köln oder Berlin?

Das mag grundsätzlich vielleicht so sein. Aber historisch steht das Ruhrgebiet für Gründungen. Die Krupps und Stinnes boten Hightech zu ihrer Zeit. Übrigens sind die Gründungsquoten unter den Kindern und Enkeln der Gastarbeiter sogar höher als im Durchschnitt.

Gibt es Unterschiede zwischen den Ruhrgebietsstädten?

In Dortmund und Bochum sind viele technische Studiengänge beheimatet und das öffentliche Engagement für Gründunginteressierte vielleicht stärker ausgeprägt als in Essen. Die Essener Wirtschaft ist noch stark durch Großkonzerne wie Evonik, Innogy und ThyssenKrupp geprägt. In Dortmund musste der Strukturwandel deutlich früher eingeläutet werden - deshalb gibt es hier heutzutage auch mehr Startups.

Was ist denn der Vorteil, im Ruhrgebiet zu gründen?

Im Ruhrgebiet gibt es mit den Konzernen und großen Mittelständlern jede Menge potenzieller Kunden, welche sich mehr und mehr für das Thema Startup interessieren. Und: Wir reden über eine Region mit über 250.000 Studenten. Also kann man festhalten, an Talent und an Nachwuchs mangelt es nicht, dieser muss nur begeistert werden!

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Was tust du beim ruhr:HUB, um Startups zu helfen?

Unser großes Ziel ist es, die Kontaktanbahnung zwischen Startup und traditioneller Industrie zu beschleunigen und wertvolle Zugänge zu vermitteln. Beide Geschäftsführer des Hub haben langjährige eigene Startup-Erfahrung. Wir geben Feedback zu Geschäftsideen, diskutieren mögliche Schwachstellen und legen den Finger in die Wunden. Wir versuchen dafür zu sorgen, dass die Startups dahin gehen wo es wehtut, um schließlich erfolgreich zu werden.

Welche Startups sind den hier im Pott besonders erfolgreich?

Jeder kennt Urlaubsguru, die sitzen mit über 150 Leuten am Dortmunder Flughafen und machen Millionenumsätze mit Urlaubsvorschlägen. Vor kurzem hat Gastrohero, ein weiteres Startup aus Dortmund 10 Millionen Euro eingesammelt. Da geht es um alles für die professionelle Küche. Oder mifitto aus Duisburg, die mittlerweile weit über 100.000 Schuhe gescannt haben und wahrscheinlich besser wissen, welcher Schuh mir passt, als ich selber.

Und welche neuen Ideen aus dem Pott begeistern dich?

Ich bin da demütig - es gibt wahnsinnig viele tolle Ideen. Auf der anderen Seite ist die Frage am Ende des Tages, ob sie am Markt Erfolg haben. Wir haben Startups, die digitalisieren Unternehmenskantinen, sprechen mit einigen Großkonzernen und sind gerade in Pilotprojekten wie Mahlzeit.co. Die Mitarbeiter können dann auf dem Smartphone checken, wie lange sie anstehen müssten. Es gibt Startups die die menschlichen Organe in Virtual Reality nachbauen. Du stehst mit der VR-Brille, wanderst durch dein Herz und überlegst, ob du erst einmal bei der Lunge oder dem Magen vorbeischauen willst. Sind das Geschäftsmodelle, die einen Erfolg wie Facebook versprechen? Wahrscheinlich eher nicht, aber sie können in ihrer Nische erfolgreich sein.

 
 

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