WDR-Reporterin erreicht schockierendes Video mit trauriger Botschaft – „Bitte hören Sie es mit Ton“

Die WDR-Reporterin Isabel Schayani berichtet regelmäßig über die Zustände in Moria.
Die WDR-Reporterin Isabel Schayani berichtet regelmäßig über die Zustände in Moria.
Foto: Funke Foto Services/Twitter

Der Corona-Lockdown und das Wetter-Chaos haben ein Thema in den Hintergrund gedrängt, das weiter ziemlich prekär bleibt – die Rede ist von der Lage der Flüchtlinge in Bosnien oder auf Lesbos.

Die WDR-Reporterin Isabel Schayani berichtete im vergangenen September mit einfühlsamen und nachdrücklichen Worten von der katastrophalen Lage in Moria.

WDR-Reporterin zeigt Video über schlimme Zustände in Moria II

Die Bilder des brennenden Flüchtlingslagers gingen um die Welt. Inzwischen hat die griechische Regierung ein neues Lager gebaut: Moria 2 heißt offiziell „Kara Tepe“. Griechenlands Migrationsminister Notis Mitarachi sagte der „Zeit“ jüngst, das Lager sei „winterfest“. Auch Ministeriumssprecher Alexandros Ragavas unterstrich das in einer Online-Veranstaltung des „Forum Journalismus und Medien“.

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Das ist das Flüchtlingslager Moria II:

  • Das Lager „Kara Tepe“, auch Moria II, ist das Nachfolgelager, in das nach dem Brand des Lagers in Moria aufgezogen wurde.
  • Aktivisten gehen davon aus, dass dort rund 8.200 Menschen leben.
  • Auf den Inseln Lesbos leben rund 15.000 Flüchtlinge
  • Deutschland nahm 150 unbegleitete Minderjährige und 1553 Familienangehörige auf.

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Doch ein Video, dass WDR-Reporterin Schayani aus dem Camp zugespielt wurde, zeigt andere Bilder. Die Journalistin schreibt auf Twitter: „Früh am Morgen, nach dem Sturm, erreicht mich dieses Video. 'Das war heute Nacht. Bitte hören Sie es mit Ton. Meine Tochter ist 18 Monate, sie hat Angst beim Sturm. Hat sich wie ein Erdbeben angefühlt.'“

Das Video ist aus einem Zelt aufgenommen, es stürmt und windet, ein Baby schreit. Ein weiteres Video zeigt auch die Zustände von außen. „Kein Hollywoodeffekt. Sondern echt“, schreibt Schayani dazu.

Psychologin berichtet von katastrophalen Folgen für Kinder

Wie schwierig die Zustände im neuen Lager weiterhin sind, machte auch Katrin Glatz-Brubakk, als Kinderpsychologin für Ärzte ohne Grenzen tätig und aktuell auf Lesbos, deutlich. Die gebürtige Norwegerin mit Wurzeln in Braunschweig, sagt im Gespräch: „Als Norwegerin liebe ich Camping. Aber niemand würde campen in den Zuständen, in denen Menschen im Flüchtlingscamp leben müssen.“

In den Zelten der Menschen sei es nach wie vor feucht und es gebe immer noch keine Möglichkeit, die Zelte zu heizen. Die Regierung habe es nicht geschafft, in den vergangenen Monaten Elektrizität im Camp einzurichten.

Kinder trinken absichtlich wenig, weil sie sich vor Toiletten ekeln

Vor allem Kinder leiden unter den Zuständen, berichtet die Psychologin. „Sie erzählen mir immer wieder, dass sie Angst haben. Sie leben in einem Freiluftgefängnis.“

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Glatz-Brubakk berichtet von einem dreijährigen Mädchen, dass im Camp vergewaltigt wurde und von Kindern, die unter Panikattacken leiden. „Sie ziehen sich die Haare raus, beißen sich blutig oder schlagen ihren Kopf gegen den Boden“, schildert sie.

Flammeninferno in Moria: Essenerin mittendrin
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Auch habe sie von Kindern gehört, dass sie möglichst wenig trinken, um nicht so häufig auf die dreckigen Toilette gehen zu müssen. „Sie berichten, dass die Toiletten bei Wind umfallen“, so Glatz-Brubakk.

Neues Camp soll bis September entstehen

Ministeriumssprecher Ragavas deutete an, dass ein neues Lager in Planung sei, die Rede ist von einem „geschlossenen und kontrollierten Zentrum“ betrieben von der Regierung un der EU-Kommission. Es soll einen geschlossenen Bereich für abgelehnte Asylbewerber haben und die restlichen Bewohner sollen das Lager nur zwischen 8 und 20 Uhr mithilfe von Zugangskarten verlassen können. Er verspricht bessere Konditionen für die Flüchtlinge, aber auch für NGO-Helfer und Mitarbeiter.

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Die griechische Menschenrechtsaktivistin Efi Latsoudi, die sich seit Langem für die Geflüchteten auf Lesbos einsetzt, bleibt skeptisch. Sie glaubt nicht an eine schnelle Fertigstellung des geplanten Camps bis September. „Das neue Camp soll in der Nähe einer Müllhalde entstehen“, erzählt sie. Irgendwie symbolisch für die europäische Flüchtlingspolitik, findet wohl nicht nur sie.