Düsseldorf

„Was soll ich denn tun allein?“ Die verzweifelten Texte der obdachlosen Elli (✝48)

Elvira Nagel (✝48) schreib ihre Gefühle in ein Gebetbuch (Fotomontage).
Elvira Nagel (✝48) schreib ihre Gefühle in ein Gebetbuch (Fotomontage).
Foto: Ingo Lammert
  • Obdachlose Elli (48) erfror in der Düsseldorfer Altstadt - ihr Schicksal bewegt Tausende
  • In ihrem Tagebuch in der Andreaskirche enthüllt sie ihre Gefühle und Ängste
  • Warum ließ sie sich nicht helfen? Ihre Freunde waren am Ende machtlos

Düsseldorf. Das Schicksal von Elli (48) bewegt in den sozialen Netzwerken Tausende Menschen. Die obdachlose Frau war zwischen den Jahren in der Düsseldorfer Altstadt erfroren.

Die letzten drei Monate ihres Lebens hatte Elli auf ihrer „Platte“ in der Altstadt zugebracht. Immer wieder versuchten Freunde und Streetworker, sie von der Straße wegzuholen.

Doch Elli trug ihr Schicksal am Ende nur noch mit sich selbst aus. Am 28. Dezember 2016 erfror sie allein auf der Straße.

„Ich habe Angst vor dem Alleinsein. Ich bin nicht mehr so stark wie vorher“, schrieb Elli in ein Gebetbuch.

Über Wochen nutzte sie das Buch in der Andreaskirche als ihr Tagebuch. Darin offenbarte die Obdachlose ihre tiefsten Ängste: „Zwei Nächte habe ich allein draußen geschlafen. Mit Feuerzeug in der Hand (Angst). Was soll ich denn tun allein?“

Das bewegende Vermächtnis der erfrorenen Obdachlosen Elli
Das bewegende Vermächtnis der erfrorenen Obdachlosen Elli

Ellis Tod lässt ihre Freunde verzweifelt zurück: „Mit ihrem Freund verstand sie sich nicht mehr. Da wollte sie am Ende nicht mehr hin“, berichtet Sabine Dickmann (33).

Doch es hätte andere Anlaufstellen gegeben: „Warum hat sie unsere Hilfe nicht mehr angenommen?“, fragt sich Dickmann.

„Ich fühle mich so kraftlos und alt. Von soviel an 'weltlichen' Dingen habe ich mich verabschiedet“, hinterließ Elli.

Doch Elli schlug in den letzten Wochen vor ihrem Tod jede Hilfe aus: „Obwohl es kälter als anderswo ist, meine innere Kälte wiegt so viel schlimmer“, schrieb die Obdachlose.

Bei all ihrer Verzweiflung vergaß sie ihr Umfeld nie: „Dabei gibt es so viele Menschen, die großartige Hilfe benötigen.“

Letzte Erinnerungen an Elli

In guten Momenten schwelgte sie mit ihren Freunden in Erinnerungen: „Noch an Weihnachten hat sie ein altes Tagebuch aus 2015 hervor geholt. Sie las daraus vor und wir alle hörten gespannt zu. Es war so schön, von den alten Zeiten zu lesen“, erinnert sich ihre älteste Freundin Sabine.

Elli kämpfte mit ihren Worten für jede Erinnerung. Ihre Freunde schufen einen Gedenkort an ihrem Schlafplatz gegenüber der Andreaskirche. Und legten Donnerstag einen Kranz nieder - zur Erinnerung an ihre Freundin.

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