Energiewende – Was folgt dem Kraftwerk Voerde?

Wie ein mächtiger Trumm ragt das Kraftwerk Voerde-Möllen aus der niederrheinischen Landschaft heraus. Hier der Blick vom Deich-Radweg aus in Höhe „Stapp“ in Walsum.
Wie ein mächtiger Trumm ragt das Kraftwerk Voerde-Möllen aus der niederrheinischen Landschaft heraus. Hier der Blick vom Deich-Radweg aus in Höhe „Stapp“ in Walsum.
Foto: Manfred Lachniet
Folgen der Energiewende: Stadt verliert 300 Arbeitsplätze, dazu die Aufträge vieler Zulieferer. Auch in Duisburg-Hochfeld schließt ein Werk.

Voerde/Duisburg. Als 1971 das Kraftwerk Voerde direkt am Rhein errichtet wurde, da staunten die meisten noch über die gigantischen Ausmaße der Anlage. Es war die Zeit, als Kraftwerke noch ein recht gutes Image hatte. Und es war damals ebenso völlig normal, dass Kohle zum Verbrennen genutzt wurde. Allerdings meldeten sich auch schon Anfang der 70-er Jahren Kritiker, die die dominante Lage am schönen Rhein als Verschandelung der Landschaft geißelten. - Heute, rund ein halbes Jahrhundert später, dürfte das Steag-Kraftwerk bald Geschichte sein.

Die Betreiber haben das Aus des Werks so gut wie besiegelt. Rund 300 Arbeitsplätze gehen der näheren Region damit in den nächsten Monaten verloren. Für die direkt bei der Steag Beschäftigten gibt es einen Sozialplan. Immerhin. Doch für alle, die nur mittelbar mit dem Kraftwerk zu tun haben, gibt es keinen Plan. Es sind Subunternehmer, Zulieferer, Versorger - also all jene Tätigkeiten mit großen und kleinen Umsätzen, von und mit denen ein Großkraftwerk ebenso so lebt.

Für die Stadt Voerde mit ihren rund 37 400 Einwohnern wird das Aus des Werks denn auch ziemliche wirtschaftliche Auswirkungen haben. An einen Weiterbetrieb in kleinerem Rahmen glaubt niemand mehr wirklich. Die SPD hätte gern eine alternative gewerbliche Nutzung; in einer Sitzung war von Logistik die Rede.

Voerdes Bürgermeister Dirk Haarmann (SPD) hat bereits Kontakt mit Unternehmen und den Landesministerien aufgenommen. Die CDU fordert indes, dass die Steag-Beschäftigen für das Werk mehr kämpfen sollten.

Speicher-Technik wird lieber im benachbarten Walsum ausprobiert

Allein die Politik in der Nachbarstadt Dinslaken hatte lange auf die Blocks in Voerde gesetzt und sich als kleine Stadt eigens am Stadtwerke-Konsortium der Steag beteiligt. Dies war seinerzeit politisch recht umstritten. Besonders Linke und Grünen stimmten dem teuren Ansinnen erst zu, als ihnen versichert wurde, dass die Steag künftig mehr in alternativen Energien investiert. Das tut die Steag auch: Aber eben nicht mehr in Voerde. Eine hochmoderne Speicheranlage investiert die Steag nun lieber im Kraftwerk in Duisburg-Walsum, nur wenige Stromkilometer weiter südlich. Dieses Werk hat einfach die besseren Karten: Es verfeuert zwar auch Kohle, aber es hat recht gute Strom-Lieferverträge mit Österreich. Das Werk in Voerde wird von den Behörden hingegen als „nicht systemrelevant“ eingestuft.

Es ist die Energiewende, die derzeit besonders den Kohlekraftwerken im Lande den Garaus macht.

Im benachbarten Duisburg wird Ende 2017/Anfang 2018 das große Kraftwerk in Hochfeld dichtgemacht. Konsequenz hier: rund 100 wegfallende Arbeitsplätze. Und auch hier werden einigen Mitarbeitern Alternativ-Arbeitsplätze angeboten, die meisten indes in den vorzeitigen Ruhestand geschickt. Für diese Maßnahmen ist eigens ein großer Betrag in die Bilanz eingestellt worden. Das vermiest den Stadtwerken Duisburg einmal die Bilanz; im Jahr darauf stehen sie jedoch recht fein da. Schließlich sind die hohen Personal- und Betriebskosten nicht mehr da..

In Voerde denken manche bereits an die Zeit nach dem Kraftwerk. Von fünf bis zehn Jahren Rückbau ist die Rede. Und auch, dass die Steag dafür rund 20 bis 30 Millionen Euro zur Verfügung stellen will. Ob das reicht? In der Voerder Politik ist man skeptisch. Manche fürchten, dass sich das Unternehmen aus der Verantwortung stehlen könnte. Und dass die Stadt auf vielen Ab- und Aufräumkosten hängen bleibt. Einige Planer träumen indes von Wohnungen oder feinen Häusern in direkter Rheinnähe. Die Lage ist herrlich - wenn es wieder so aussähe wie 1971, bevor das Kraftwerk aus dem Boden gestampft wurde.

 
 

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