Warum die Emscher müffelt wie lange nicht mehr

Holger Dumke
Nicht nur in Oberhausen (Bild) stinkt die Emscher derzeit wie lange nicht mehr.
Nicht nur in Oberhausen (Bild) stinkt die Emscher derzeit wie lange nicht mehr.
Foto: Tom Thöne / WAZ FotoPool
Die "Kloake des Ruhrgebiets“ macht ihrem alten Namen derzeit alle Ehre. Schuld am Gestank der Emscher ist das extreme Niedrigwasser. Bis zum Jahr 2017 sollen die Abwässer komplett in einem unterirdischen Kanal fließen – geruchsneutral.

Im Ruhrgebiet. Das Aroma ist üppig-herb. Immer wieder deutlich zu riechen: die schwefelige Faule-Eier-Note. Die Emscher müffelt wie schon lange nicht mehr. „Uns erreichen viele Bürgerbeschwerden“, sagt Ilias Abawi von der Emschergenossenschaft. Sogar Autofahrer beklagen sich, weil sie beim Queren einer Emscherbrücke vor lauter Gestank ihre Fenster schließen mussten.

Was ist da passiert? Bekanntlich wird die begradigte Emscher seit Jahren naturnah zurückgebaut, und fast scheint es, als wollte der Fluss da seinem alten Ruf als „Kloake des Ruhrgebiets“ noch einmal alle Ehre machen. Die einfache Erklärung: Die Emscher führt so wenig Wasser wie lange nicht mehr, daher macht sich alles, was der Fluss an eingeleiteten Fäkalien, Spülresten sowie Dusch- und Waschwasser mit sich führt, um so stärker bemerkbar. Igitt.

Am Unterlauf in Oberhausen wurde zuletzt ein Pegel von 2,16 Meter gemessen. „In den vergangenen 50 Jahren hatten wir nur dreimal niedrigere Pegelstände“, erzählt Abawi. Kaum Regen, dafür aber häufiger Temperaturen von 25 bis 30 Grad – das hat die Emscher kräftig Wasser gekostet. Aber auch die Tatsache, dass Industrie und Bürger (zum Beispiel über die Spartaste am WC) immer sparsamer mit Wasser umgehen, hat ihren Teil beigetragen. Die Geruchsbelästigung gibt es - mehr oder weniger - allerorten. Besonders stark ist sie in Oberhausen, wo die Wohnhäuser besonders nah am Fluss stehen und das Abwasser auch aus Bottrop und Essen durchs Stadtgebiet fließt, ehe es in der Kläranlage in Dinslaken gereinigt wird.

Was kann man tun? Es hilft nur Geduld haben, warten – zum Beispiel auf den nächsten starken Regen. Endgültig erledigt hat sich das Problem nach dem Jahr 2017: „Dann ist der unterirdische Abwasserkanal Emscher fertig und verbannt alle diese Gerüche unter die Erde“, sagt Abawi.