Warnstreik im Live-Ticker - 30.000 Arbeitnehmer im Ausstand

Andreas Eichhorn
Bei der Kundgebung in Recklinghausen demonstrieren tausende Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes.
Bei der Kundgebung in Recklinghausen demonstrieren tausende Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes.
Foto: Lutz von Staegmann
Seit heute Nacht geht oft nichts mehr im kommunalen Nahverkehr. Busse, Stadt- und U-Bahnen stehen still - und das vielerorts noch bis Betriebsende in der Nacht. In mehreren Städten finden Kundgebungen statt. Verdi fordert für die rund zwei Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt.

Ruhrgebiet. 14.15 Uhr: So, an dieser Stelle endet unser Live-Ticker vom Warnstreik in NRW. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

Dortmund, 14.11 Uhr: Busse und Bahnen blieben in den Depots, Kitas geschlossen, Sparkassen-Filialen dicht, die Stadtverwaltung außer Dienst – mit einem Warnstreik zeigte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in Dortmund ihre Krallen. 12.000 demonstrierten für höhere Gehälter - unser lokaler Warnstreik-Bericht aus Dortmund.

Siegen, 14.03 Uhr: 600 Verdi-Mitglieder haben heute Morgen in Siegen demonstriert. Die Auswirkungen des Streiks sind aber im gesamten Siegerland zu spüren. Insbesondere im Busverkehr. Die WS/Transdev hat deswegen einen Notfahrplan herausgegeben.

Duisburg, 13.57 Uhr: Im Kundencenter der Stadtwerke Duisburg an der Friedrich-Wilhelm-Straße kommt es nicht zu übermäßigen Wartezeiten. Obwohl nur zwei anstatt sieben Mitarbeiter sich um die Kunden kümmern. „Der Betrieb läuft ganz normal“, sagt Thomas Nordiek, Pressesprecher der Stadtwerke.

Düsseldorf, 13.53 Uhr: Auf dem Marktplatz in Düsseldorf: Hier wird es lauter. Sie Pfeifen und schwenken ihre Fahnen. „Wir sind mehr wert“, steht auf den weißen Westen und darin sind sich Beamte, Mitarbeiter der Stadtverwaltung, Rheinbahnfahrer, Betriebsgärtner und Azubis einig: „Wir haben für unsere Arbeit einen gerechten Lohn verdient“. 200 Euro sollen die 6% mehr Gehalt am Ende des Monats bringen. „Die brauchen ich und meine Familie für die Miete, für Lebensmittel, etwas mehr Geld wäre fair“, sagt Betriebsgärtner Markus Groß bestimmt. Kinderpflegerin Alexa van Beek stimmt ihm bei: „Am Ende des Monats bleiben 100 Euro, das ist doch keine Sicherheit“. Die haben auch die Azubis bei der Stadt Düsseldorf nicht: „Die meisten von uns werden nach der Ausbildung nicht mehr übernommen. Dann einen Job zu finden ist nicht leicht. Auch etwas mehr Geld sollte es sein, mit 700 Euro Gehalt kann man in Düsseldorf keine Wohnung bezahlen“, erklären Nils Bothe und Philipp Heinz. Zu ihnen gesellt sich Annelise Cleres. Die Beamtin bei der ARGE streikt aus Solidarität: „Wir brauchen qualifizierten Nachwuchs und mehr Stellen. Ver.di hat zum Streik aufgerufen und unsere Gewerkschaft vbba ist gefolgt.“

Oberhausen, 13.35 Uhr: Für Oberhausener Taxi-Unternehmen war der Streik bislang ein gutes Geschäft. „Wir hatten 30 Prozent mehr Umsatz“, sagt ein Mitarbeiter des Taxiunternehmens Tenbieg. und Aber auch jede Menge Stress. 22 Autos hat Tenbieg in seiner Flotte, dennoch mussten auch Aufträge wegen Überlastung abgelehnt werden. In der Taxizentrale Oberhausen (TZO) ging deswegen sogar erst der Anrufbeantworter dran, bevor man zur Zentrale durchgestellt wurde. „Keine Zeit“, hatte der Mitarbeiter für Fragen, „da wissen Sie doch schon, was heute los ist“.

Essen, 13.24 Uhr: Mit Hilfe privater Busunternehmen hat die Messe Essen einen Shuttle-Service organisiert, der die Besucher vom Hauptbahnhof zur Sanitär-Fachmesse nach Rüttenscheid bringen soll. Das ist zwar gut gemeint, sorgt aber auch für Unmut - denn zahlreichen Messebesuchern stehen nur wenige Busse gegenüber.

Düsseldorf, 13.18 Uhr: Warnstreik macht erfinderisch, ein Beispiel aus Düsseldorf: So hievt Angela Wolke ein riesiges Schild in der Vorhalle des Hauptbahnhofs hoch. „Wir haben einen Bus für 50 Mann gechartert, sammeln unser Schäfchen hier ein und fahren dann zu unserer Hauptversammlung auf den Rheinterrassen.“ Für die Händler in den Düsseldorfer U-Bahnhöfen ist es dagegen kein guter Tag: Der Untergrund-Bahnhof Heinrich-Heine-Allee ist wie ausgestorben. In der Auslage des Bäckers stapeln sich die Brötchen. „Heute ist hier nichts los“, erklärt die Verkäuferin.

Mülheim, 13.10 Uhr: An den Haltestellen in Mülheim herrschte den ganzen Vormittag über gähnende Leere. An den U-Bahn-Stationen sind Gitter und Rolltore geschlossen, auf den elektronischen Anzeigetafeln blickt „Warnstreik“ auf. Auch das Kundenzenter dre Verkehrsbetriebe ist dicht. Die Busse parken derweil auf dem Betriebshof. Stattdessen begegnet man vielfach Pragmatismus, frei nach der Devise: Irgendwie kommt man schon zum Ziel. Annelie Feldmann ist von dem Streik auch betroffen, „toleriert“ ihn aber ausdrücklich: „Ich hatte selbst einen Pflegeberuf und weiß, wie es ist, viele Stunden für wenig Geld zu arbeiten. Ich verstehe, dass sie streiken. Meine Unterstützung haben sie.“

Dortmund, 13. 00 Uhr: Pitt Meyer, Personalratsvorsitzender der Stadtverwaltung Dortmund, holt zum Abschluss der Kundgebung vor 12.000 Menschen auf dem Friedendsplatz noch mal die verbale Keule raus. Mit den Forderungen in der Tarifrunde wolle man "Armut verhindern", das müsse man den Bürgern der Stadt vermitteln. Er werde sich die "allerletzten Verhaltensweisen" der Arbeitgeber nicht mehr gefallen lassen. Beschäftigte im öffentlichen Dienst hätten ihre gewohnten Sicherheiten verloren und müssten sich ohne Lohnerhöhungen auf "eine Rente auf Grundsicherungsniveau" einstellen, so Meyer. Tosender Beifall. Er und die anderen Redner machten deutlich: Gibt es keine Einigung mit den Arbeitgebern, würden in Zukunft noch mehr Plätze mit noch mehr Streikenden gefüllt werden.

Oberhausen, 12.51 Uhr: Der Bahnhofsvorplatz in Oberhausen ist jetzt wieder leer. 2800 Streikende sollen bei der Kundgebung gewesen sein. Am Mikrofon hatte Henrike Greven, Geschäftsführerin des Verdi-Bezirks Mülheim-Oberhausen, zuletzt gejubelt: "Das ist so geil. Wenn das keinen Eindruck auf die Arbeitgeber macht, dann weiß ich es auch nicht."

Kamen, 12.34 Uhr: „Milliarden für Griechenland, Hunderttausende für Herrn Wulff - wo bleibt da die Gerechtigkeit? Auch wir fordern Ehrensold!“, skandieren die Streikenden in Kamen.

Essen, 12.25 Uhr: Selbst für Oberbürgermeister Reinhard Paß dürfte es heute schwierig werden, ins Rathaus zu kommen, sagt Personalratsvorsitzender Kai-Uwe Gaida. Die Türen sind verriegelt, die Klimaanlage ausgeschaltet, auch die Aufzüge stehen still. Nach Angaben von Gaida streiken rund 3.500 Verwaltungs-Mitarbeiter.

Mülheim, 12.08 Uhr: Wegen des Warnstreiks bleiben heute auf jeden Fall das Bürgeramt und das Medienhaus in Mülheim geschlossen, in allen anderen Ämtern gibt es eine Notbesetzung, die aber nur das Allernötigste erledigen kann. Wer nichts dringendes bei einem der Mülheimer Ämter zu erledigen hat, wird gebeten, erst in den nächsten Tagen vorbei zukommen. Aktuelle Zahlen, wie viele Mitarbeiter sich von welchen Behörden an dem Warnstreik beteiligen, will die Gewerkschaft Verdi noch bekannt geben. Die Verkehrslage auf den Mülheimer Straßen ist trotz der Warnstreiks entspannt, heißt es von Seiten der Polizei Essen/Mülheim. Vor allem auf den städteübergreifenden Hauptverkehrsstraßen mache sich das erhöhte Verkehrsaufkommen bemerkbar, längere Staus habe es bislang aber keine gegeben.

Hagen, 11.50 Uhr: Von der Arbeitsniederlegung ist in Hagen auch die Straßenreinigung betroffen: Die Marktreinigung in den Stadtteilen Altenhagen und Boele am heutigen Mittwoch fällt aus. Außerdem bleibt das Kundenbüro des Hagener Entsorgungsbetriebs (HEB) in der Fuhrparkstraße geschlossen. Zudem ist heute eine Anlieferung an der Müllverbrennungsanlage nicht möglich. Als Notfahrplan ist die Hagener Straßenbahn AG bemüht, den Sonntagsfahrplan aufrecht zu erhalten. Das heißt, die Linien werden nach Möglichkeit wie an einem Sonntag befahren. Die Linie 542, zwischen Westerbauer und Kabel, wird voraussichtlich bis 14 Uhr ca. im halbstündigen Takt verkehren. Die Linie 538, zwischen Obernahmer und Ehrenmal, wird im ca. 30-minütigen Takt den Verkehr fortsetzen.

In Dortmund demonstrieren 12.000 Beschäftigte 

Dortmund, 11.44 Uhr: Der Friedensplatz bebt. Nach Angaben der Polizei demonstrieren 12.000 Beschäftigte in Dortmund. "Wir rocken die Straße", ruft Wolfgang Cremer vom Verdi-Fachbereich Gesundheit der Menge zu. "Unsere Azubis müssen nach der Ausbildung übernommen werden - und zwar dauerhaft und unbefristet." Es sei "zum Kotzen, wenn junge Menschen nach ihrer Ausbildung in die Wüste der Arbeitslosigkeit geschickt werden!" Zudem müssten die Löhne erhöht werden. "Wir wollen haben, was wir wert sind."

Duisburg, 11.31 Uhr: An den Bus- und Bahnhaltestellen warten nur wenige Fahrgäste vergeblich. „Wir haben den Eindruck, dass unsere Informationen beim Fahrgast angekommen sind“, sagt Thomas Nordiek, Pressesprecher der Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG). Bei der Hotline der DVG gehen einige Anrufe ein. Die Menschen erkundigen sich, ob morgen noch gestreikt wird.

Arnsberg, 11.24 Uhr: Nur mit großen Einschränkungen rollt aktuell der Busverkehr durch die Stadt Arnsberg. Der Warnstreik im öffentlichen Dienst sorgt dafür, dass der Öffentliche Nahverkehr auf den Hauptachsen die Linien zwar bedient, jedoch nur mit einem eingeschränkten Fahrplanangebot aufrecht erhalten werden kann. Darunter sind auch die Verbindungen von Arnsberg nach Neheim, Neheim nach Moosfelde, Niedereimer nach Gierskämpen, Neheim - Hüsten - Herdringen, Neheim - Hüsten - Sundern und Neheim - Hüsten - Holzen.

Oberhausen, 11.15 Uhr: Trotz des Warnstreiks sind in Oberhausen einige Müllfahrzeuge unterwegs. Das liegt daran, dass ein Teil der Mitarbeiter der Oberhausener Wirtschaftsbetriebe nicht gewerkschaftlich organisiert ist. Insofern sind heute insgesamt 35 Mitarbeiter mit zehn Fahrzeugen im Einsatz - 51 WBO-Mitarbeiter (59%) befinden sich im Ausstand - acht Müllautos blieben auf dem Hof stehen. Auf dem Bahnhofsvorplatz in Oberhausen beginnt um 11.20 Uhr die große Kundgebung für die Streikenden aus Mülheim und Oberhausen. Mit ihren Trillerpfeifen und Rasseln übertönen die Verdi-Mitglieder alles.

Dortmund, 11.10 Uhr: "Eins,zwei, drei und vier, heute demonstrieren wir! Fünf, sechs, sieben, acht, heute wird Rabatz gemacht", singen die Streikenden. Plötzlich gibt's große Verwirrung: Welchen Weg wollten wir noch mal gehen! Gut, dass die Polizei es weiß. "Ihr wollt über den Südwall!" Der junge Polizist schüttelt verständnislos seinen Kopf. Auf dem Dortmunder Wall geht derweil verkehrstechnisch nicht mehr viel. Die Polizei stoppt den Verkehr. Am Klinikum ist derweil wieder alles frei.

Duisburg, 11.00 Uhr: In Duisburg kommen Erinnerungen an den großen Streik von 1992 auf. Ein erster Bericht unseres Reporters Sinan Sat: "Beim Warnstreik in Duisburg wird der Pendler zum Fußgänger"

Dortmund, 10.55 Uhr: Die Protestzüge sind unterwegs. In Dortmund muss derzeit rund ums Klinikum mit Verkehrsbeeinträchtigungen gerechnet werden. Im Demo-Zug ganz vorne marschiert Verdi-Vertrauenssprecher Ulrich Rindermann. Ihm ist es egal, ob die Dortmunder Bevölkerung die Streikmotive nachvollziehen kann: "Es geht hier nicht um Verständnis von anderen, sondern um mein Gehalt!"

Dortmund, 10.51 Uhr: Kristina Rabe sitzt mit zwei Kolleginnen in einem Café im Hauptbahnhof - Streik-Frühstück. Das Trio ist unterwegs zur Demo. Beim Brötchen packen sie Verdi-Halstücher raus und machen sich fertig für den Sternmarsch zum Friedensplatz. 6,5 Prozent mehr Lohn finden die drei Erzieherinnen angemessen, "vor allem, weil man so wenig Anerkennung in dem Beruf bekommt", so die 24-jährige Rabe. "Den Kindern in der Kita haben wir erklärt, dass wir streiken, weil Nutella und Schokade teurer geworden sind. Das haben sie verstanden", so Rabe. Den ganz Kleinen hätten sie einfach gesagt, sie hätten frei. In den städtischen Kitas in Dortmund gibt es keinen Notdienst. Den müssen die Eltern privat organisieren. Dennoch, so Rabe, hätten die Eltern Verständnis gehabt und "sehr positiv reagiert, als der Streik am Montag in der Kita angekündigt wurde.

Die Kundgebungen laufen 

Mülheim, 10.49 Uhr: Auch die Mülheimer haben sich mit dem Streik arrangiert und zeigen zumindest an der ein oder anderen Stelle Solidarität mit den Streikenden. Etwa in der kommunalen Kindertagesstätten, deren Mitarbeiter ebenfalls in den Ausstand getreten sind. Hier wurden zwar Notgruppen eingerichtet, aber selbst diese sind nicht ausgelastet.

Bochum, 10.38 Uhr: Die Stimmung bei den Taxifahrern ist nach wie vor blendend. "Wir machen heute doppelt so viel Umsatz wie an anderen Tagen", sagt einer. Die Kollegen haben Verständnis für die Streikenden: "Hier in Deutschland läuft einiges schief, es gibt ja keinen Mittelstand mehr", meint ein Taxifahrer. "Es ist wichtig, dass die Leute auf die Straße gehen und ihrem Ärger Luft machen".

Essen, 10.32 Uhr: Geheimtipp für Parksünder: Da das Rathaus verschlossen ist, kommen die Politessen heute nicht an ihre Geräte. Die gefürchteten Knöllchen werden also wohl ausbleiben.

Duisburg, 10.29 Uhr: Die e2 EnergieWelt der Stadtwerke im Forum Duisburg hat doch geöffnet – eigentlich sollte sie geschlossen bleiben. Wer wissen will, wie man intelligent Energie spart, der kann sich auch während des Streiks beraten lassen.

Dortmund, 10.25 Uhr: An der Haltestelle Möllerbrücke versammeln sich rund 250 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes. Trillerpfeiffen-Dauerkonzert: Man hört sein eigenes Wort nicht mehr. "Wir sind es Wert", steht auf den Transparenten der Streikenden. Von diesem und drei anderen Treffpunkten aus werden die Streikenden sternförmig auf den Friedensplatz in der Dortmunder Innenstadt marschieren. Dort erwartet Verdi bis zu 10.000 Streikende. Straßenabschnitte werden "bei Bedarf" gesperrt, sagt ein Polizeisprecher.

Essen, 10.23 Uhr: Mittlerweile löst sich die Kundgebung am Essener Willy-Brandt-Platz bereits auf - zum Abschluss wird passenderweise der neue Deichkind-Song "Bück dich hoch" gespielt, während auf den Plakaten "Wir sind nicht die Sparschweine der Nation" zu lesen ist.

Dortmund, 10.16 Uhr: Rund 250 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes versammeln sich an der Haltestelle Möllerbrücke. Trillerpfeiffen-Dauerkonzert: Man hört sein eigenes Wort nicht mehr. "Wir sind es Wert", steht auf den Transparenten der Streikenden. Von diesem und drei anderen Treffpunkten aus werden die Streikenden sternförmig auf den Friedensplatz in der Dortmunder Innenstadt marschieren. Dort erwartet Verdi bis zu 10.000 Streikende. Straßenabschnitte werden "bei Bedarf" gesperrt, sagt ein Polizeisprecher. Vor der Hauptstelle der Sparkasse Dortmund versammeln sich die Angestellten der Sparkassen Dortmund und Lünen. Die Katharinenstraße wurde in "Roter Platz" umbenannt. Die Sparkassen werden ebenfalls bestreikt, da für die öffentlich-rechtlichen Banken nicht der Bank-Tarif gilt. Sie zählen ebenfalls zum Öffentlichen Dienst.

Dortmund, 10.12 Uhr: In der Bahnhofshalle bestimmen Streikende das Bild. Sie sind unterwegs zum Sammeplunkt für den Sternmarsch an der Arbeitsagentur. Skurril: Einige Streikende fragen Passanten nach dem Weg und bekommen eine freundliche Wegbeschreibung. Das Arbeitskampf-erprobte Dortmund hat offenbar Verständnis für die Streikenden. Die 21-jährige Anna Ihde bleibt überrascht vor dem Rolltor am Eingang zur U-Bahn stehen. Sie wurde vom Streik überrascht. "Ich habe Verständnis für den Streik", so Ihde. Die angehende Erlebnis-Pädagogin muss zu einem Termin in der Nordstadt und macht sich zu Fuß auf den Weg. Pendlerin Birgit Venzke hat sich das Kickboard ihres Sohnes ausgeliehen. "15 Minuten habe ich gebraucht - wackelig, aber pünktlich, sagt sie. Ob das Kickboard eine dauerhafte Alternative zur Bahn sei? "Eher nicht", zu schweißtreibend sei diese Art der Fortbewegung.

Essen, 10.05 Uhr: Trillerpfeifen und wehende Verdifahnen auf dem Willy-Brandt-Platz - dort sind die städtischen Angestellten seit 9 Uhr zur zentralen Kundgebung zusammengekommen. Unter ihnen finden sich auch viele Mitarbeiter der Essener Entsorgungsbetriebe (Ebe), wie der 39-jährige Straßenreiniger Romano. Er habe viel Zuspruch für den Streik bekommen, erzählt er: "Gestern hat mir ein älterer Herr bei der Arbeit noch eine Tüte Gummibärchen geschenkt. Damit könnte ich auch eine ganze Woche streiken, hat er mir gesagt."

Staus gehen langsam wieder zurück 

Düsseldorf, 9.59 Uhr: "Die Leute bilden hier astrein Fahrgemeischaften", berichtet unser Reporter, der gerade am Taxistand Düsseldorfer Hauptbahnhof vorbei geschaut hat. Es bildeteten sich zwar kleine Schlangen, weil nicht genügend Droschen da seien, "aber länger als fünf Minuten muss keiner warten." Abgegrast sind auch die Fahrrad-Sharing-Angebote am Verkehrsknotenpunkt in Düsseldorf. Wer in die Altstadt muss, läuft die Strecke halt zu Fuß. "Viele haben sich auf den Streik eingestellt, überrascht sind nur wenige Leute von außerhalb, die im Vorfeld nichts vom geplanten Streik gehört hatten."

Dortmund, 9.52 Uhr: Am Eingang zur U-Bahn im Dortmunder Hauptbahnhof versperrt ein Rolltor den Weg. Normalerweise müsste sich hier ein steter Strom von Pendlern die Treppe hoch und runter wälzen. Ein Reporter-Team ist auf der Suche nach Streik-Opfern - keines zu finden, die Leute haben sich auf den Streik eingestellt und arrangiert.

9.38 Uhr: Die Staus in NRW gehen deutlich zurück. Aktuell sind laut WDR noch 89 Kilometer Stau. Zwischenzeitlich waren es am Morgen über 160 Kilometer. Im Ruhrgebiet ist derzeit nur noch die A40 betroffen. In Richtung Duisburg stockt der Verkehr auf 3 Kilometern Länge zwischen Gelsenkirchen-Süd und Essen-Frillendorf und noch einmal auf 4 Kilometern zwischen Mülheim-Winkhausen und Essen-Frohnhausen.

Essen, 9.32 Uhr: Das Essener Rathaus ist dicht: Große Schilder weisen vor den verschlossenen Türen auf den Warnstreik hin. Beamter Matthias (60) darf nicht streiken und muss bei seiner Arbeitsstelle erscheinen - so absurd das ist. Also liest er sich die Parolen für mehr Lohn durch und sagt, er habe großes Verständnis für die Kollegen. "Die leisten viel", sagt er und verschwindet wieder nach Hause.

Oberhausen, 9.30 Uhr: Ein Kollege macht den Pendler-Check und hat sich auf den Weg von Oberhausen-Eisenheim in die Düsseldorfer City gemacht. Momentan wartet er am Oberhausener Hauptbahnhof auf die S3, die ihn nach Styrum bringen soll. Von dort geht es dann weiter mit der S1 nach Düsseldorf-Derendorf. Auf seinem Weg sind ihm bis jetzt nur wenige Pendler aufgefallen, die ein wenig verwirrt auf die Linien-Pläne blicken. Sein bisheriges Resümee nach dem ersten Teil der Strecke: 7 Minuten Fahrzeit, 45 Minuten laufen.

Dortmund, 9.18 Uhr: Taxistand am Dortmunder Hauptbahnhof: Taxifahrer Günter Slawisch freut sich über mehr Passagiere: "Die Schlagzahl ist doppelt so hoch wie sonst", sagt er. Rund alle 20 Minuten steige ein neuer Fahrgast ein. "Die Leute sind aber total entspannt", sagt der Taxifahrer. "Die haben Verständnis für den Streik, so lange er nicht eine Woche dauert." Ein Passant eilt vom Taxistand Richtung Bahnhof: "Normalerweise wäre ich mit der U-Bahn gefahren. Das ist aber halb so wild, Hauptsache, mein Zug kommt pünktlich."

Duisburg, 9.16 Uhr: Am Duisburger Hbf ist reger Betrieb - von dem Streik bemerkt man zur Zeit nicht viel. Susanne Kleinfeld (31) aus Hochfeld ärgert sich: Sie ist mit dem Taxi zum Duisburger Hauptbahnhof gefahren. „Wenn ich gewusst hätte, dass die Busse der NIAG fahren, dann hätte ich Geld gespart.“ Die niederrheinische NIAG war nicht zum Streik aufgerufen worden und fährt normal. Auf der gemeinsamen Linie 921 übernimmt die NIAG Fahrten der DVG. Zu Engpässen kommt es nicht, weil die Busse nicht voll besetzt sind, so die Leitstelle. Die Menschen haben sich scheinbar auf den Streik eingestellt. Auch am Nachmittag übernimmt die NIAG Fahrten der DVG, damit die Menschen nicht zu lange warten müssen.

Bochum, 9.09 Uhr: Schüler am Bochumer Hauptbahnhof ärgern sich: Sie müssen heute einen Ausflug nach Köln machen. Dabei hätten sie doch viel lieber schulfrei gehabt.

9.06 Uhr: Nutzerin Miss Moonshine twittert: "Ich muss zur Schule laufen."

Düsseldorf, 9.02 Uhr: Auch in Düsseldorf sind spürbar mehr Autos auf den Straßen unterwegs. Auf den Einfallstraßen Richtung Innenstadt bilden sich kilometerlange Blechkolonnen, zum Beispiel auf Prinz-Georg-Straße, Corneliusstraße, Berliner Allee, Grafenberger Allee und Oststraße. An den Taxiständen am Düsseldorfer Hauptbahnhof warten noch etliche Pendler, was fehlen sind Droschken.

Oberhausen, 9.01 Uhr: Auch am Oberhausener Hauptbahnhof, wo sonst um diese Zeit Massen von Schülern auf den Bus zur Penne warten, herrscht gähnende Leere. Mit spontanen Fahrgemeinschaften versuchen die Pendler die wenigen vorhandenen Taxen, die am Vorplatz warten, möglichst effektiv zu nutzen. Auch auf den Straßen ähnelt das Bild dem der übrigen Städte im Revier. Es ist voll, Staus auf den Autobahnen, etwa von der A3 in Lirich und in den Ausfahrten.

Taxis sind in den Städten heiß begehrt 

Essen, 8.57 Uhr: Laut Peter Elke von der Essener Polizei ist die Verkehrslage in Essen und Mülheim vergleichsweise entspannt. Zwar müssten Autofahrer mehr Zeit mitbringen, weil vor allem die Hauptverkehrsadern wie die B224 voll seien. Zu einem erhöhten Unfallaufkommen sei es aber bislang nicht gekommen. Auch für einige Polizisten begann der Tag heute früher als sonst: "Einige sind lieber ein halbes Stündchen länger gelaufen", berichtet Peter Elke.

Essen, 8.55 Uhr: Am Essener Hauptbahnhof: Hans König ist heute aus Bremen mit der Bahn für einen Workshop angereist. Er gehört zu den Glücklichen, die ein Taxi ergattert haben. Die sind heute heiß begehrt - hält eine Droschke, stürzen sich mitunter mehrere Menschen darauf. Mit einem Taxifahrer zu sprechen war angesichts dieses Stresses bislang unmöglich.

Duisburg, 8.51 Uhr: Das Betriebshofshofstor der Duisburger Verkehrs-Gesellschaft (DVG) ist symbolisch mit Bussen versperrt. 80 Mitarbeiter haben sich zum Warnstreik versammelt. Über den Tag sollen es in drei Schichten insgesamt 240 sein, die die Stellung halten. "Wir sind heiß auf den Streik", sagen sie. "Wir fordern eine Übernahme-Garantie", sagt DVG-Jugendauszubildendenvertreterin Karina Stempel. "Gute Arbeit muss auch gut bezahlt werden."

Dortmund, 8.40 Uhr: Seit 6.30 Uhr steht die Fabido-Angestellte Manuela Piechota mit ihren Kolleginnen auf ihrem Streikposten. Einige Kolleginnen sind schon seit 5.45 Uhr da. Für Streikbrecher hat sie wenig Verständnis, ruft eher zur Solidarität auf, denn "für 6 Prozent lohnt es sich zu streiken und hier draußen zu frieren." Die Streikbereitschaft sei "sehr hoch". Auch die Kälte schrecke niemanden ab: "Wir stehen hier bei jedem Wetter", so Piechota.

8.36 Uhr: Die Landesleitstelle Verkehr verzeichnet bisher 44 Staumeldungen. "Alles kleine Sachen mit höchstens 3 Kilometern Länge", sagt Peter Koch von der Leitstelle. Spürbar mehr Stau gebe es durch den Streik nicht. "Wer nicht zu knapp losfährt, sollte pünktlich zur Arbeit kommen."

Essen, 8.23 Uhr: Gähnende Leere am Essener Hauptbahnhof: Nur ganz vereinzelt verirren sich Fahrgäste in den Untergrund. Die meisten setzen offenbar auf Fahrgemeinschaften, wie die 23-jährige Manuela, die nach Burgaltendorf zur Arbeit muss. Sie hat sich mit ihrem Kollegen am Bussteig verabredet - "da ist es schön leer", sagt sie.

Bochum, 8.18 Uhr: Die Taxifahrer in Bochum haben beste Laune, das Geschäft scheint glänzend zu laufen. "Die Bogestra sollte jeden Tag streiken", sagt einer.

Duisburg 8.16 Uhr: Auf den Straßen in Duisburg ist erwartungsgemäß jede Menge los. Insbesondere an den Ausfahrten der A40 und rund um die Schulen staut sich der Verkehr, weil viele Eltern ihre Kinder dorthin bringen. Die wenigen Busse, die auf den Straßen unterwegs sind, tragen entweder das Schild "Dienstfahrt" oder sind als Schulbus eingesetzt. Skurriler Anblick: Die Eingänge zur U-Bahn sind geschlossen.

Dortmund, 7.53 Uhr: An den U-Bahn-Haltestellen in Dortmund weist Verdi mit Hinweisschildern auf den Streik hin.

7.37 Uhr: Nutzerin Sandra fährt über die A40 und ist heute extra zehn Minuten früher losgefahren, schreibt sie uns über Twitter. "Nur die übliche Verkehrsdichte in Richtung Dortmund", schreibt sie. "Stockender Verkehr hinter Lütgendortmund, ab Dortmund Barop Stop & Go."

7.34 Uhr: Auf der A40 haben sich die ersten Staus gebildet. Zwischen Gelsenkirchen-Süd und Dreieck Essen Ost staut sich der Verkehr in Richtung Duisburg laut WDR auf 3 Kilometern, zwischen Mülheim-Heißen und Essen Zentrum stockt der Verkehr auf 4 Kilometern Länge.

Viele Pendler nehmen ihre Fahrräder mit in die Bahn 

Düsseldorf, 7.27 Uhr: Die Rheinbahn hat einen Notfahrplan eingerichtet. Sieben Buslinien, darunter die SB51 vom Flughafen, die 725 und die 730 sollen nach Plan fahren. Fahrgäste können sich außerdem an der Info-Hotline unter 01803/50 40 30 informieren.

Dortmund, 7.22 Uhr: Auf der Haupt-Einfallstraße vom Dortmunder Süden in die City, der B54, herrscht um 7.15 Uhr freie Fahrt. Der Ansturm kommt erfahrungsgemäß rund 20 Minuten später. Trotz Streiks scheint heute niemand früher als sonst losgefahren zu sein.

Mülheim, 7.17 Uhr: Auch in Mülheim sollen heute viele Kitas geschlossen bleiben, insgesamt über zehn. Die anderen bieten laut Stadt Notdienste an.

6.55 Uhr: Die S-Bahn ist am frühen Morgen etwas leerer als sonst, dafür nehmen viele ihre Fahrräder mit in die Bahn, schildert uns Matthias über Twitter. "Weil die Leute auf das Auto umsteigen müssen", vermutet er. Ein Stück wird er auch von netten Arbeitskollegen mit dem Auto mitgenommen, die extra einen Umweg fahren.

Marl, 6.45 Uhr: Vier Kitas in Marl bleiben heute geschlossen (Nonnenbusch, Max-Reger-Straße, Ovelheider Weg und Emslandstraße), in den anderen sechs soll Notgruppen zur Betreuung der Kinder eingerichtet werden.

6.35 Uhr: In Duisburg stehen alle Straßenbahnen im Depot - das wird sich heute wohl nicht mehr ändern. Am Essener Hauptbahnhof steht sogar ein Bus an der Haltestelle: Die SB16 wird von der Deutschen Bahn betrieben und fährt wie gewohnt.

6.24 Uhr: Neben dem Öffentlichen Personennahverkehr sollten im Laufe des Tages auch Kindertagesstätten, kommunale Krankenhäuser oder Altenheime bestreikt werden. Vor allem Berufspendler, die mit Bussen und Bahnen unterwegs sind, müssen mit Behinderungen rechnen. Der Streik soll 24 Stunden dauern, mehrere Zehntausend Beschäftigten sollen sich daran beteiligen.


Am Vormittag sind zudem größere Protestkundgebungen in Bochum, Dortmund und Köln geplant. Allein in Dortmund erwarten die Veranstalter rund 10.000 Teilnehmer.


6.15 Uhr: Mit den Arbeitsniederlegungen will Verdi in der laufenden Tarifrunde der Forderung nach 6,5 Prozent mehr Gehalt für die rund zwei Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen Nachdruck verleihen. Als soziale Komponente soll die Erhöhung mindestens 200 Euro monatlich betragen. Das hatten die Arbeitgeber ohne Gegenangebot abgelehnt.


Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 12. und 13. März angesetzt. In Nordrhein-Westfalen sind rund 577.000 Beschäftigte von dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst betroffen.

6.00 Uhr: In Nordrhein-Westfalen haben in der Nacht zu Mittwoch die flächendeckenden Warnstreiks im öffentlichen Dienst begonnen. Mitarbeiter mehrerer Nahverkehrsbetriebe legten ab 3 Uhr die Arbeit nieder, wie ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi mitteile. Aktionen gab es unter anderem in Bochum, Gelsenkirchen, Recklinghausen, Bonn, Köln und Düsseldorf, die meisten Busse und Bahnen blieben in ihren Depots. In der Landeshauptstadt sollten jedoch der Verkehr zum Flughafen und der Schülerverkehr aufrechterhalten bleiben. In Köln sicherten private Busunternehmen in den Randbezirken die Beförderung ab