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Wahl in NRW: AfD-Anhänger wittern Stimmzettel-Manipulation - warum das Unsinn ist

Foto: Screenshot

Essen. Am NRW-Wahltag macht ein kurioses Gerücht in den sozialen Netzwerken die Runde: Die Wahlzettel seien so gefaltet worden, dass Wähler die AfD kaum finden können. Noch schlimmer: Man müsse den Zettel sogar auseinanderfalten, um die Partei beziehungsweise einen AfD-Direktkandidaten finden zu könnten. Das sei Manipulation, argwöhnen einige Nutzer.

„Klare Benachteiligung der AfD“, twittert zum Beispiel einer. Und ein anderer mutmaßt gar: „Die seltsam unsymmetrische Doppelfaltung im Stimmzettelbereich der #AfD zeigt die Panik der dafür verantwortlichen Altparteien."

Reihenfolge nach Zweitstimmen

Kann da was dran sein?

Zunächst: Keine Partei ist für die Beschaffenheit und Faltung von Wahlzetteln verantwortlich. Aber lassen wir das mal außer Acht.

Warum steht die AfD in so weit unten auf dem Wahlzettel?

Tatsächlich steht die AfD relativ weit unten auf dem Zettel, unterhalb eines Faltknicks. Ist das wirklich Wahlmanipulation?

Nein. Ist es nicht. Der Grund ist ganz einfach: Die Parteien werden auf dem Wahlzettel in zwei Gruppen aufgeteilt. In die erste Gruppe gehören die Parteien, die bereits bei der letzten Landtagswahl angetreten sind. Diese Parteien werden anhand der Anzahl der Zweitstimmten geordnet, die sie beim letzten Mal bekommen haben.

AfD war bei der letzten Wahl nicht dabei

Da die AfD 2012 noch nicht in NRW angetreten ist, kommt sie in die zweite Gruppe: Hier werden die Parteien alphabetisch geordnet.

In der linken Spalte, in die Wähler ihre Erststimme für einen Direktkandidaten eintragen, ist auf vielen Wahlzetteln sehr viel Raum zwischen den oberen Kandidaten und dem jeweiligen AfD-Kandidaten. Auch hier wittern einige AfD-Anhänger Manipulation. Und liegen auch hier falsch.

Dass so viel Weißraum zwischen den AfD-Kandidaten und den anderen Kandidaten zu sehen ist, hat folgenden Grund: Einige der Parteien, die in der rechten Spalte vor der AfD aufgelistet sind (wir erinnern uns: hier kommen zuerst die Parteien, die 2012 schon dabei waren) haben keinen Direktkandidaten aufgestellt.

Deshalb bleibt die linke Spalte bei diesen Parteien leer. Dass die AfD bisweilen unterhalb eines Falt-Knicks zu finden ist, ist Zufall. Die Migranten-Partei ADD steht zum Beispiel auch auf vielen Zetteln unterhalb eines Knicks. Und dass man den Wahlzettel ganz entfalten sollte, bevor man sein Kreuzchen setzt, sollte eigentlich jedem Wähler klar sein.

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