Hattingen

Von Adoptiveltern verprügelt: Jetzt muss Dennis Engelmann noch eine Demütigung ertragen

Dennis Engelmann hat seine Adoptiveltern angezeigt: Sie sollen ihn jahrelang systematisch geprügelt und gedemütigt haben.
Dennis Engelmann hat seine Adoptiveltern angezeigt: Sie sollen ihn jahrelang systematisch geprügelt und gedemütigt haben.
Foto: Bastian Haumann / Funke Foto Services

Hattingen. Dennis Engelmann muss schon wieder eine Hürde nehmen. Dabei hatte er gehofft, dass er bald am Ziel ist. Doch das rückt erst einmal wieder ein Stück in die Ferne.

Der 26-Jährige hat Anfang 2018 seine Adoptiveltern angezeigt - wegen Misshandlung Schutzbefohlener. Jahrelang sollen ihn die neuen Eltern systematisch geschlagen und gedemütigt haben, als er ein Kind war. Mit der Anzeige wollte er endlich einen Abschluss finden, seine Adoptiveltern verantwortlich machen und die Vergangenheit hinter sich lassen. Auch gegen das damals zuständige Jugendamt Hattingen hat er inzwischen Strafanzeige gestellt.

Dennis Engelmann: „Das ist eine Demütigung“

Jetzt muss er sich einem Gutachten unterziehen, das verlangt die Gegenseite: Zwei Gutachter prüfen Engelmann nächste Woche auf seine Aussagetüchtigkeit und seine Glaubwürdigkeit. „Das ist eine Demütigung und wirft mich sehr zurück“, sagt Engelmann.

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Der Termin bereitet ihm Sorgen. Er habe kaum geschlafen, erzählt er. Am Vortag habe er einen Nervenzusammenbruch erlitten - nicht der einzige in den letzten Monaten. „Ich finde es einen Skandal, dass man als Opfer so viele Hürden nehmen muss, um Gerechtigkeit zu erlangen.“

Das Verfahren zieht sich seit vielen Monaten immer mehr in die Länge. Zuletzt auch, weil die Stadt Hattingen Jugendamtsakten über die Adoption von Dennis Engelmann wochenlang nicht an das Gericht übergeben wollte. Erst ein Beschluss des Amtsgericht Hattingen auf Beschlagnahme der Akten brachte wieder etwas Bewegung in den Fall.

Vorwürfe gegen Stadt Hattingen

Die Stadt argumentiert, man habe die Akten aus Datenschutzgründen nicht herausgegeben. Es habe eine Einverständniserklärung von Dennis Engelmann gefehlt.

Engelmann lässt das nicht gelten. Er hatte im Februar Mailkontakt mit Hattingens Bürgermeister Dirk Glaser: „Er hat mir alle Hilfe zugesichert.“

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Glaser schrieb damals: „Ich kann Ihnen versichern, dass ich die im Raum stehenden Vorwürfe sehr ernst nehme. Die zuständigen Fachbereiche der Stadt Hattingen sind mit der Angelegenheit befasst. Eine Aufklärung wird im Rahmen des gerichtlichen Verfahrens erfolgen. Alle Informationen, die in diesem Zusammenhang benötigt werden, werden selbstverständlich von der Stadt Hattingen bereitgestellt.“

Warum hat die Stadt dann nicht einfach auf die Einverständniserklärung hingewiesen? Das hätte das Verfahren beschleunigt. Auf Nachfrage erklärt eine Sprecherin: „Zu dem Zeitpunkt war die Herausgabe der Akten noch kein Thema.“

Das Prügelinstrument muss er selbst aus der Küche holen

Eine Erklärung ist das nur bedingt, findet Dennis Engelmann. „Wir standen doch in Kontakt, man hätte mich doch einfach fragen können.“ Er hat das Gefühl, die Stadt mauere in dem Fall. „Warum wird es jemandem, der Gewalt erleiden musste, so schwer gemacht?“, fragt er.

Bevor das Verfahren weitergeht, muss er sich erneut quälenden Fragen der Gutachter aussetzen, erneut seine Leidensgeschichte erzählen.

„Ich bin kein Opfer mehr“

Wie er als Vierjähriger in die Familie kam. Wie er den Kochlöffel aus der Küche holen musste, mit dem seine Mutter ihn dann prügelte. Wie sie ihn am Kragen packte, ins Gesicht schlug - weil seine Schulnoten ihren Ansprüchen nicht genügten. Oder weil er aus Frust heimlich Süßigkeiten aß. Oder einfach nur so.

Resignation ist für Dennis Engelmann, der den Nachnamen seiner Adoptiveltern inzwischen abgelegt und sich mit Engelmann einen ganz neuen Namen gegeben hat, aber keine Option. Er gibt sich kämpferisch: „Ich bin kein Opfer mehr.“

 
 

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