Kauder gestürzt: AfD-Chefin Weidel provoziert – „Die Merkeldämmerung ist eingeläutet“

Alexander Gauland und Alice Weidel schießen gegen Angela Merkel.
Alexander Gauland und Alice Weidel schießen gegen Angela Merkel.
Foto: MICHAELA REHLE / REUTERS

Berlin. Es ist eine kleine Revolution: Die Unionsfraktion im Bundestag hat ihren Vorsitzenden Volker Kauder nach 13 Jahren im Amt überraschend gestürzt und seinen bisherigen Vize Ralph Brinkhaus zum Nachfolger gewählt. Der 50-Jährige gewann am Dienstag in Berlin mit 125 zu 112 Stimmen überraschend die Kampfabstimmung gegen den 69 Jahre alten Vertrauten von Kanzlerin Angela Merkel.

Der Erfolg des Abgeordneten aus Gütersloh ist nach zwei dramatischen Regierungskrisen innerhalb weniger Monate ein deutliches Zeichen des schwindenden Rückhalts für Merkel in der Fraktion - und das wenige Wochen vor den wichtigen Landtagswahlen in Bayern und Hessen.

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Und auch die AfD feiert die Abwahl des 69-Jährigen als Erfolg. So äußerten sich Alice Weidel und Alexander Gauland mehr als erfreut über den Sturz Kauders.

Gauland: „Das ist der Beginn eines weiteren Autoritätsverlustes. Mann kann das Merkeldämmerung nennen. Man kann auch sagen, man schlägt in den Sack und meint jemand völlig anderen. Ich glaube, dass es jedenfalls ein weiterer Schritt zum Ende der Regierung Merkel ist und wir werden das Ende viel früher erleben, als wir uns das heute vorstellen.“

Bei der AfD knallen die Korken

Kurz nach Gauland trat mit einem Grinsen auch Alice Weidel ans Mikrofon: „Sie können sich vorstellen, bei uns knallen die Korken. Die Merkeldämmerung ist eingeläutet. Das ist das beginnende Ende von Angela Merkel und wir hoffen, dass sie dann auch schneller geht, als es antizipiert wird. Dass Herr Brinkhaus gegen Herrn Kauder gewonnen hat, ist ein ganz klares Signal auch an die Wähler nach außen, dass die Regierung Merkel unter der Kanzlerschaft Merkel zu Ende geht.“

Auf die Nachfrage hin, woran sie das festmache, antwortete das Duo unisono, dass es nicht Volker Kauder geworden sei. So sei Kauder „der Steigbügelhalter“ und „der Mehrheitsbeschaffer der Kanzlerin“ gewesen sei und dass er es nicht geworden sei, ließe tief blicken.

Kauder mit nur 47,3 Prozent

Bei der Abstimmung hatten sich zwei Abgeordnete enthalten. Brinkhaus erhielt damit 52,7 Prozent, Kauder nur 47,3 Prozent. Nicht nur Merkel hatte für die Wiederwahl Kauders geworben. „Das ist eine Stunde der Demokratie, in der gibt es auch Niederlagen, und da gibt es auch nichts zu beschönigen“, sagte Merkel daher auch am Dienstag. Auch der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sprachen sich wiederholt für Kauder aus. (göt mit dpa)

 
 

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