Bahnsteig-Killer von Voerde: Jackson B. soll Mutter aus Mordlust getötet haben – „Sie hatte keine Chance“

Voerde: Prozess gegen Bahnsteig-Killer
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Voerde/Duisburg. Heimtückisch und mordlüstern - so soll Jackson B. (28) im Juli Anja N. (†34) in Voerde vor einen Zug gestoßen und sie dadurch getötet haben. Er wollte einen Menschen sterben sehen, davon ist Staatsanwalt Alexander Bayer überzeugt. Ab Donnerstag wird dem 28-Jährigen vor dem Landgericht Duisburg der Prozess gemacht.

Voerde (NRW): Jackson B. stieß Mutter vor Zug - Prozessauftakt in Duisburg

Die Tat erschütterte ganz Deutschland. Vor allem die Frage nach dem Warum ist kaum zu verstehen. Denn Anja N., die Mutter einer Tochter, war ein Zufallsopfer. Ohne Vorwarnung soll Jackson B. die junge Frau am 20. Juli vergangenen Jahres in Voerde vor die einfahrende Regionalbahn 19 gestoßen haben, sie rechnete laut Antragsschrift der Staatsanwaltschaft nicht mit dem Angriff. Die Mutter wurde von einem Zug überrollt und starb sofort.

Jackson B. versuchte noch zu flüchten, konnte aber von aufmerksamen Zeugen gestoppt und bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten werden.

Jackson B. mit Aktenmappe vor Gesicht

Mit einer Aktenmappe vor dem Gesicht wurde Jackson B. in Saal 201 des Landgericht Duisburg geführt. Er wirkt ruhig, verfolgt den Prozess aufmerksam. Der Medienrummel nach der schlimmen Tat ist riesig. Seine Verteidigerin Marie-Helen Lingnau verlas eine Erklärung ihres Mandanten zu Prozessbeginn.

Demnach habe seine Nichte am Vortag Geburtstag gefeiert, anschließend sei man in Düsseldorf feiern gewesen und habe auch Kokain konsumiert. Ihm sei es nicht gut gegangen, so Jackson B. Er sei dann mit zu seinem Bruder, habe jedoch nicht lange schlafen können und sei deshalb zum Bahnhof gegangen, um am Morgen nach Hause zu fahren. „Alle Leute haben mich angeschaut“, erklärte der Beschuldigte in der von seiner Verteidigerin vorgelesenen Aussage. Er habe erst noch mit einem Iraker gesprochen, weil dessen Sohn seinem geglichen haben soll. „Ich habe ihm noch ein Foto meines Sohnes gezeigt.“

Es stand eine Frau mit blonden Locken nahe am Gleis, erinnert sich Jackson B. Er habe nicht gemerkt oder wahrgenommen, dass er sie gestoßen habe. Er habe keine Schreie gehört und könne nicht glauben, eine solche Tat begangen zu haben. „Ich weiß nicht, dass ich die Frau geschubst habe. Wenn es so war, habe ich das nicht extra gemacht“, so Jackson B.

Beschuldigter: „Mir tut es leid, dass die Frau tot ist“

Er sei geschwankt und habe Kreislaufprobleme gehabt, könne sich nur vorstellen, dass er sich habe festhalten wollen. Dann sei die Sache eskaliert, zwei Männer seien auf ihn draufgegangen und hätten ihn festgehalten. Abschließend entschuldigte er sich: „Ich habe selbst Kinder und mir tut es leid, dass die Frau tot ist.“

Reinhard Peters, Anwalt der Familie des Opfers, sagte DER WESTEN zur Aussage von Jackson B.: „Er hat ganz viele Einzelheiten geschildert. Nur zum Kerngeschehen will er nichts wissen. Das halte ich nicht für glaubwürdig.“

Staatsanwalt Alexander Bayer sieht die Tat vollkommen anders

Auch die Antragsschrift von Staatsanwalt Alexander Bayer liest sich deutlich: „Der Beschuldigte fasste grundlos den Entschluss die Frau zu töten. Er schubste die arg- und wehrlose Frau mit beiden Händen mit voller Wucht vor den Zug, als der mit 60 km/h einfuhr. Das Opfer verstarb wie vom Beschuldigten gewollt noch am Tatort.“

Zeuge belastet Angeklagten schwer

Haval I. (32) überwältigte Jackson B. nach der Tat. Er sagte vor Gericht: „Er war sehr aggressiv und hat sich komisch verhalten.“ Am Ticketautomat sei es schon vor der Tat zu einer Auseinandersetzung gekommen, weil Jackson B. seinem Sohn nahe gekommen sei und mit einem Schraubenzieher herumgefuchtelt habe. „Ich habe ihn am Arm gepackt und seinen Schraubenzieher weggenommen und zur Seite geworfen.“

Zum Tatverlauf sagte der 32-Jährige: „Der Typ hat sich vorbereitet, die Frau auf die Gleise zu schubsen. Als der Zug näher kam, ist er schnell losgerannt in Richtung der Frau. Sie war am Handy beschäftigt und lief an der weißen Linie mit dem einfahrenden Zug mit. Dann habe ich gesehen, wie er die Frau mit beiden Händen geschubst hat. Ich bin sicher, dass sie sich nicht schützen konnte.“

Auch seine Ehefrau sagte aus: „Die Frau hatte keine Chance sich zu retten. Wir waren alle unter Schock. Meine Kinder haben alles mitangesehen, mein Sohn redet bis heute nicht mehr, weil es genau vor seinen Augen passiert ist.“

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Jackson B. kein Unbekannter für Polizei

Jackson B. war für die Polizei kein Unbekannter. Wegen Diebstahls, Einbruchs, Betrügereien und Körperverletzungen ist er aktenkundig. Der in Deutschland geborene Serbe hat neun Kinder mit zwei Frauen. Er soll laut Antragsschrift ein Drogen- und Alkoholproblem gehabt haben und an einer Form der Schizophrenie leiden. Anwältin Lingnau über Jackson B.: „Bei meinem Mandanten handelt es sich um einen Menschen mit einer psychischen Erkrankung, der die Außenwelt anders wahrnimmt, als wir das tun.“

Frage der Schuldfähigkeit

Jackson B. ist derzeit in einer psychiatrischen Klinik. Sehr wahrscheinlich droht ihm keine Gefängnisstrafe, sondern eine dauerhafte Unterbringung in einer Psychiatrie. Sarah Bader, Sprecherin des Landgerichts Duisburg: „Die Staatsanwaltschaft geht nach einem Gutachten davon aus, dass der Beschuldigte mindestens teilweise, eventuell auch ganz schuldfähig ist.“

Das Opfer Anja N. war gerade frisch verheiratet. Bilder in den sozialen Netzwerken zeigen sie mit ihrem Ehemann und ihrer heute 14 Jahre alten Tochter. Der Mann der Getöteten schrieb auf Facebook nach der Tat: „Meine Frau wurde heute ermordet. Sie wurde vor einen Zug geschubst, von einem Fremden ohne Grund.“

Familie des Opfers traumatisiert

Er und die Geschwister des Opfers werden als Nebenklägerin im Prozess auftreten, so Rechtsanwalt Peters. Beim Prozessauftakt waren sie nicht vor Ort. Der Anwalt der Familie zu DER WESTEN: „Der Familie des Opfers geht es sehr schlecht. Es kommt alles wieder hoch durch den Prozess. Sie wollen natürlich mit der Sache abschließen können. Dazu muss ein Urteil her.“

 
 

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