Voerde

Voerde: Nach tödlichem Stoß – Staatsanwaltschaft fordert jetzt DAS

Neue Erkenntnisse zum Tatverdächtigen: Der Mann, der eine Mutter in Voerde vor einen Zug geschubst haben soll, hatte Kokain konsumiert.
Neue Erkenntnisse zum Tatverdächtigen: Der Mann, der eine Mutter in Voerde vor einen Zug geschubst haben soll, hatte Kokain konsumiert.
Foto: Marcel Kusch/dpa

Voerde. Immer mehr Details kommen nach der schrecklichen Tat in Voerde ans Tageslicht. Der mutmaßliche Täter soll am Sonntag (21. Juli) eine 34-jährige Mutter vor einen Zug geschubst haben. Zeugen mussten den Fall beobachten und hielten darauf den Tatverdächtigen fest.

Die Frau hatte erst im Sommer 2018 geheiratet, hinterlässt ihren Mann und eine 13-jährige Tochter. Die unfassbare Trauer hinterließ in Voerde tiefe Trauer. Zahlreiche Menschen nahmen Anteil und legten Blumen, Kerzen und Kuscheltiere am Tatort nieder.

Voerde: Mann (28) schubst Frau vor Zug

Was wir bisher wissen:

  • Ein 28-Jähriger soll eine 34-jährige Mutter am Samstag vor einen einfahrenden Zug geschubst haben
  • Wie die Polizei berichtet, soll er das Opfer zuvor nicht angesprochen oder gewarnt haben
  • Laut Staatsanwaltschaft gibt es keine Hinweise auf eine psychische Erkrankung
  • Der Tatverdächtige ist Serbe mit kosovarischer Herkunft und bereits mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt geraten
  • Die Verstorbene hinterlässt eine Tochter (13) und ihren Ehemann

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Update:

Psychologe soll nun ein Gutachten erstellen

Freitag, 2. August:

Wie die Staatsanwaltschaft gegenüber der NRZ bestätigte, wird der Tatverdächtige nun psychiatrisch begutachtet. Die Staatsanwaltschaft hat ein Gutachten beauftragt. Bis die Erkenntnisse vorlägen, dauere es aber für gewöhnlich einige Wochen. Weitere Bluttests stünden zudem aus. Klar sei, dass der Tatverdächtige zum Tatzeitpunkt nicht betrunken war. Doch hatte er Kokain konsumiert oder wurden bei ihm nur die Abbauprodukte dessen noch nachgewiesen?

Dienstag, 30. Juli:

Wie der ermittelnde Staatsanwalt gegenüber DER WESTEN bestätigt, sind Rückstände von Kokain im Blut des Tatverdächtigen entdeckt worden. Gemessen worden waren sogenannte Kokainmetabolite.

Sie geben allerdings keinen Aufschluss darüber, wann der mutmaßliche Täter die Droge konsumiert hat. „Der Rausch könnte zur Tatzeit bereits abgeklungen sein“, erklärt Staatsanwalt Alexander Bayer. Eine weitere Untersuchung soll nun ergeben, wie hoch die Konzentration im Blut zur Tatzeit war. Alkohol oder weitere Drogen konnten nicht festgestellt werden.

Könnte sich ein möglicher Kokain-Rausch strafmildern auswirken? Ja, jedoch muss dafür festgestellt werden, wie viel der Tatverdächtige Jackson B. konsumiert hat. Nahm er die Droge etwa häufiger? Wie reagiert er auf Kokain?

Anders als beim Alkohol, gibt es bei anderen Drogen keinen Richtwert, erklärt Bayer. So besagt das Gesetz, dass ein Autofahrer ab 1,1 Promille nicht mehr Fahrtüchtig ist. Eine ähnlichen Grenzwert gibt es hingen bei Kokain oder anderen Dorgen nicht.

Samstag, 27. Juli:

Wie die Bild berichtet, soll der Tatverdächtige Jackson B. neunfacher Vater sein. Bislang soll bekannt gewesen sein, dass er mit seiner Freundin zwei gemeinsame Kinder habe. Doch er soll noch mit einer anderen Frau, einer in Deutschland geborenen Philippinin verheiratet sein, das Paar lebt getrennt. Mit ihr hat er sieben weitere Kinder.

Freitag, 26. Juli

Auch sechs Tage nach der Tat stellt sich weiter die Frage: Warum hat der Täter in Voerde eine 34 Jahre alte Mutter vor einen Zug gestoßen und getötet. Das Motiv ist weiter unklar. Der Verdächtige schweigt nach wie vor und redet nicht mit den Ermittlern.

Die Polizei wartet derzeit auf die Ergebnisse der Blutuntersuchung des Verdächtigen. Dadurch soll geklärt werden, ob der mutmaßliche Täter während der Tat unter Drogen gestanden hat.

Donnerstag, 25. Juli

Haval Isso (31) hat den brutalen Gleiskiller überwältigt und festgehalten, bis die Polizei kam. Er wollte mit seiner Frau und den drei Kindern nach Gelsenkirchen fahren, als ihm der Täter auffiel. Auch vier Tage nach der Tat kann er noch immer nicht begreifen, was da am Samstag geschehen ist. Der WAZ erzählt Isso jetzt, wie er auf den Zug-Killer Jackson B. aufmerksam geworden ist. „Er hat böse und unfreundlich geguckt“, so Isso gegenüber der WAZ.

Zunächst hatte er den Eindruck, dass Jackson B. kein Ticket habe - bot ihm sogar an, bei ihm und seiner Familie mitzufahren. Und dann ging alles ganz schnell. Isso bekommt mit, wie B. sein späteres Opfer Anja N. anspricht. Sie nach ihren Tätowierungen fragt. Die 34-Jährige macht deutlich, dass sie nicht sprechen möchte.

Als der Abellio-Regionalzug um 8.46 Uhr in den Bahnhof von Voerde einfährt, geht alles ganz schnell. Jackson B. stößt die Mutter vor den Zug. Isso berichtet grausame Details: „Ich habe sie schreien gehört und mich sofort auf den Mann geschmissen.“

Die ganze Geschichte von Isso liest du hier bei der WAZ.

Dienstag, 23. Juli

19.23 Uhr: Drei Tage nach dem tödlichen Stoß von einem Bahnsteig in Voerde ist das Motiv für die Tat weiterhin unklar. Es gebe „viele tragfähige“ Zeugenaussagen, die sich nicht widersprechen, sagte Polizeisprecherin Jacqueline Grahl am Dienstag. Es sei klar, dass der 24 Jahre alte Tatverdächtige wegen Mordes angeklagt werde. „Wir suchen jetzt nicht mehr einen Mörder, sondern wir suchen das Motiv.“ Die Ermittler versuchten dazu auch, die letzten Stunden des Beschuldigten vor der Tat zu rekonstruieren.

Ein tödlicher Stoß vor einen einfahrenden Zug wie am Niederrhein lässt sich nach Einschätzung der Polizeigewerkschaft GdP Nordrhein-Westfalen nicht verhindern. Der Landesvorsitzende Michael Mertens vermutet eine Zufallstat: „Der hat sie zufällig auf dem Bahnsteig gesehen und sich entschlossen, die Frau vor den Zug zu stoßen“, sagte Mertens.

Das sei eine nicht voraussehbare und sehr heimtückische Tat: „So etwas kann man nicht voraussehen. Wenn man so etwas verhindern möchte, müsste man sämtliche Bahnsteige sperren, bis der Zug steht. Das ist völlig unrealistisch“, sagte Mertens. Alternativ würde ein Täter dann jemanden im Straßenverkehr vor den Bus stoßen.

Die Deutsche Bahn äußerte Betroffenheit und Anteilnahme mit der getöteten Frau: „Die Deutsche Bahn ist über den Tod der jungen Frau am Bahnhof in Voerde zutiefst erschüttert.“ Die Anteilnahme und das Beileid gelte den Angehörigen der Frau.

18.18 Uhr: In Voerde herrscht nach wie vor Fassungslosigkeit über entsetzliche Verbrechen. Birgit Krämer arbeitet in dem kleinen Kiosk am Bahnhof, am Tag der schrecklichen Tat hatte sie frei. „Es ist einfach unfassbar, man findet gar keine Worte dafür“, erklärt sie. Wie Voerde nach dem unfassbaren Verbrechen trauert, liest du hier.

Montag, 22. Juli

Voerde in tiefer Trauer

19.19 Uhr: Voerde trägt Trauer. Immer wieder kommen Menschen zur Unglücksstelle und legen Blumen nieder oder stellen Kerzen auf.

16.47 Uhr: Eine Freundin des Opfers hat eine Spendenaktion ins Leben gerufen, um die Familie finanziell zu unterstützen. Bisher kamen rund 4000 Euro zusammen.

„Wir würden gerne versuchen, auf diesem sozialen Netzwerk Spenden in Form von Geld für die weitere Zukunft der Tochter und des Mannes zu sammeln, um sie so auf diesem schweren Wege so gut es geht zu unterstützen“, schreibt die Freundin dazu.

Auch die Stadt Voerde äußerte sich zu dem schrecklichen Verbrechen. In einer Pressemitteilung verkündet die Stadt: „Für uns alle ist unbegreiflich, wie ein Mensch hierzu im Stande sein kann.“

Rat und Verwaltung der Stadt Voerde sprechen darin außerdem den Angehörigen des Opfers ihr tiefes Mitgefühl aus und bedanken sich für die zahlreichen Solidaritäts- und Beileidsbekundungen.

15.24 Uhr: Ein 31-jähriger Mann aus dem Irak soll sich laut „Focus“ nach dem Angriff auf den Täter gestürzt und ihn bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten haben. „Wir sind dem Mann wirklich dankbar. Er hat sehr mutig und heldenhaft reagiert“, sagte ein Polizebeamter.

Mit seinem beherzten Eingreifen habe der 31-Jährige möglicherweise Schlimmeres verhindert. „Der Täter war in diesem Moment unberechenbar. Wer weiß, was passiert wäre, wenn er vom Bahnhof geflohen wäre“, sagte ein Ermittler der Duisburger Kripo dem „Focus“. Der Mann habe zufällig mit seiner Familie auf dem Bahnsteig gewartet.

14.19 Uhr: Der tödliche Angriff kam für die 34-Jährige wohl völlig unvermittelt. Zeugen erzählten der Polizei, der Täter habe sich wortlos von hinten der Frau genähert und sie dann gestoßen.

„Einfach so. Er hat nicht vorher mit ihr gesprochen, geredet. Er soll zu ihr hingegangen sein und sie gestoßen haben“, sagte Polizeisprecherin Jacqueline Grahl am Montag.

Das Opfer, die Mutter einer 13-Jährigen, sei zu dem Zeitpunkt mit einem Bekannten unterwegs gewesen. „Die Frau hinterlässt Mann und Kind“, sagte die Polizeisprecherin.

11.59 Uhr: Der Tatverdächtige sei der Polizei zuvor wegen Diebstahls und Körperverletzungen bekannt gewesen, sagte eine Polizeisprecherin. Der 28-Jährige aus Hamminkeln habe in der Vergangenheit auch zwei Freiheitsstrafen als Ersatz für Geldbußen verbüßt, sagte sie am Montag.

Ob der Mann inzwischen gestanden habe, konnte die Sprecherin nicht sagen.

11.30 Uhr: Pendler und Reisende haben nach der schlimmen Tat am Bahnsteig 1 in Voerde Blumen für das 34-jährige Opfer niedergelegt und Kerzen angezündet. Menschen blieben auf dem Weg zur Arbeit am Tatort stehen, um innezuhalten. Sie legten weiße Rosen und kleine Engelsfiguren in der Nähe des Tatorts ab.

Sonntag 21. Juli:

19.20 Uhr: Nun sprechen Nachbarn des Killers von Voerde. So lebte der 28-Jährige seit gut einem Jahr in Brünen, etwa sieben Kilometer von Hamminkeln entfernt. Seine Nachbarn waren schon vor der schrecklichen Tat nicht gut auf den Mann zu sprechen. „Er steht oft halbnackt am Fenster, pöbelt rum. Noch schlimmer ist es, wenn er vor dem Haus ist, dann traut man sich nicht mehr mit Kindern auf die Straße“, sagt Nachbarin Bärbel Wendorf gegenüber der „Bild“.

So seien der Killer und sein Bruder auch schon in das Haus eines älteren Ehepaares in Brünen eingebrochen, hätten die Bewohner bedroht. Oft soll der 28-jährige Serbe kosovarischer Herkunft gedroht haben, ganz Brünen „plattzumachen“.

Ein Imbissbesitzer zur „Bild“: „Er immer wieder rausgekommen und war am nächsten Tag wieder hier. Wir haben schon befürchtet, dass erst etwas ganz Schreckliches passieren muss, bevor sie ihn einsperren“, sagt er.

16.00 Uhr: Nur einen Tag nach dem furchtbaren Verbrechern in Hamminkeln fanden sich bereits viele Trauernde an dem kleinen Regionalbahnhof ein. Sie legten Blumen und ein Bild der 34-Jährigen ab, zündeten Kerzen in ihrem Gedenken an.

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Nach Angaben der Polizei kannten sich Täter und Opfer nicht. Die 34 Jahre alte Frau hatte erst im Sommer 2018 geheiratet. Ihr Mann und ihre 13-jährige Tochter sind in tiefer Trauer. Noch am Samstagabend schrieb ihr Mann auf Facebook: „Meine Frau wurde heute ermordet. Sie wurde vor einen Zug geschubst, von einem Fremden ohne Grund.“

Haftbefehl wegen Mordes

Wie die Polizei Duisburg am Sonntag mitteilt, wurde nun Haftbefehl wegen Mordes gegen den Beschuldigten erlassen. Weder kannten sich Täter und Opfer vor der Tat, noch gab es einen Streit zwischen den beiden.

Der Mann wird verdächtigt, die Frau heimtückisch und aus reiner Mordlust vor den einfahrenden Zug geschubst zu haben.

Mutmaßlicher Täter wird noch Samstag dem Haftrichter vorgeführt

Der 28-Jährige soll noch am Samstag dem Haftrichter vorgeführt werden. Durch die Arbeit der Spurensicherung kam es am Samstag zu Beeinträchtigungen im Zugverkehr.

Eine Mordkommission des Polizeipräsidiums Duisburg ermittelt nun weiter in dem Fall. Der Lokführer, die Zeugen sowie Angehörige des Opfers erhalten seelsorgerische Betreuung.

Halt in Voerde entfiel während polizeilicher Maßnahmen

Der RE19 von Düsseldorf nach Arnhem Centraal endete in Dinslaken und fuhr zurück Richtung Düsseldorf. In umgekehrter Richtung, von Arnhem Centraal Richtung Düsseldorf stoppte der RE19 in Wesel und fuhr zurück Richtung Arnhem.

Der Halt in Voerde entfällt, ein Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet.

Zuerst berichtete die „NRZ“ über den schrecklichen Vorfall. (fel/db/göt/mb/dpa)

 
 

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