Viele Schulmensen wegen Hygienemängeln in der Kritik

Jeden Tag Gemüse und Salat, mindestens einmal die Woche Fisch, nur fettarmes Fleisch und nicht paniert, das raten zumindest die Experten. Foto: Thomas Schmidtke / WAZ FotoPool
Jeden Tag Gemüse und Salat, mindestens einmal die Woche Fisch, nur fettarmes Fleisch und nicht paniert, das raten zumindest die Experten. Foto: Thomas Schmidtke / WAZ FotoPool
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Lecker und gesund sieht anders aus: Forscher der Hochschule Niederrhein sehen in 90 Prozent der Schulkantinen Mängel. Hauptproblem: Das Essen wird zu lange warmgehalten. Falsche Planung mache Schulessen oft auch unnötig teuer, meinen Experten.

Essen. Nicht ausgewogen, Hygienemängel bei der Zubereitung, freudlose Präsentation: Das Essen in Schulmensen ist nach Ansicht von Experten stark verbesserungsbedürftig. Professor Dieter Peinelt, Ernährungswissenschaftler an der Hochschule Niederrhein, geht davon aus, dass es an 90 Prozent der Schulen Mängel gibt. Hauptproblem sei, dass Essen nach der Zubereitung zu lange warmgehalten werde, mitunter sogar fünf oder sechs Stunden. „Das kann dann niemandem mehr schmecken“, so Peinelt. Nur drei Stunden seien vertretbar.

Peinelt warb gestern in Mönchengladbach für das von der Hochschule entwickelte Gütesiegel für Schulverpflegung. Seine Kritik stützt er auf Erfahrungen, die die Hochschule während der vergangenen fünf Jahre bei Untersuchungen in 200 Schulen bundesweit gemacht hat. Die Erfahrungen seien nicht repräsentativ, aber aussagekräftig, wie es an der Hochschule heißt. Wissenschaftler Peinelt sieht viele Schulleitungen damit überfordert, im Zuge neu eingerichteter Ganztagsschulen in kurzer Zeit eine Verpflegung einführen zu müssen.

Unnötig teuer durch falsche Planung

Das Engagement von Eltern in Mensen sei ehrenwert; doch wüssten Laien häufig nicht über Hygienevorschriften Bescheid. „Die Schulverpflegung sollte in die Hände von Profis gelegt werden“, meint der Ernährungswissenschaftler. Falsche Planung mache Schulessen oft auch unnötig teuer.

Eltern zahlen in der Regel immer nur einen Beitrag von zwei oder drei Euro. Die tatsächlichen Kosten liegen – subventioniert vom Steuerzahler – aber viel höher. Peinelt empfiehlt, Mahlzeiten zentral vorzugaren, kurz vor Fertigstellung herunterzukühlen, tiefgefroren an Schulen zu liefern und dort wieder im Heißluftdämpfer zu erhitzen („Temperaturentkopplung“). Auf diese Weise sichere man die Qualität der Speisen bei relativ günstigen Kosten von 4,38 Euro und 7,05 Euro je Essen (je nach Anzahl der zubereiteten Mahlzeiten). Selber kochen vor Ort sei teurer (5,03 bis 10,44 Euro).

Wie sollte der Speiseplan aussehen? „Mindestens einmal pro Woche Fisch, jeden Tag Gemüse und Salat sowie regelmäßig Vollkornprodukte, dazu Obst und Milchprodukte als Nachspeise“, sagt Peinelt. Fleisch solle fettarm sein und nicht paniert; zudem solle es täglich ein Angebot für Vegetarier geben.

 
 

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