Viele Proberäume an Rhein und Ruhr vor dem Aus

Viele Bands an Rhein und Ruhr könnten ihre Proberäume verlieren.
Viele Bands an Rhein und Ruhr könnten ihre Proberäume verlieren.
Weil die Brandschutzbestimmungen für die Nutzung alter Weltkriegsbunker immer strenger gefasst werden, dürfen darin angemietete Räume nicht mehr genutzt werden. Vor allem betroffen sind junge Bands, die sich in den Bunkern Proberäume eingerichtet haben.

An Rhein und Ruhr. Es gehört schon fast zum guten Ton: Wer als ordentliche Rockband was auf sich hält, probt in einem alten Bunker. Die Gitarren dröhnen, der Bass wummert, der Putz bröckelt. Doch immer mehr Bands droht nun die Heimatlosigkeit. Grund: Die immer älter werdenden Betonklötze genügen den immer strengeren Brandschutzbestimmungen nicht mehr. Wird nicht saniert, droht die Schließung.

So wie aktuell in Düsseldorf: Die Nutzung der rund 80 Proberäume im Lierenfelder Bunker ist bereits wegen baulicher Mängel untersagt. Jetzt soll der Bunker, der aktuell dem Bund gehört, verkauft werden. Die Stadt prüft noch, ob und wie die Proberäume gerettet werden könnten, doch die Zukunft des Bunkers bleibt erstmal ungewiss.

Sanierung lohnt sich nicht

Ein Musik-Bunker in Gelsenkirchen musste bereits komplett geschlossen werden, ebenso in Gladbeck. „Eine Sanierung wäre einfach unwirtschaftlich gewesen“, erklärt Holger Hagemeyer, technischer Leiter des betreibenden Bunker-Gemeinschafts-Zentrums (BGZ). Das BGZ betreibt 20 Bunker mit Proberäumen in der Region, unter anderem in Duisburg, Krefeld und Essen. Seit Jahren schon beschäftige er sich mit dem Problem des Sanierungsbedarfs, sagt Hagemeyer.

Auch in Duisburg mussten vor kurzem Proberäume des BGZ schließen: Der Bunker am Werthacker direkt an der A40 bei Kaiserberg ist dicht. Die betroffenen rund 20 Bands seien in andere Proberäume „umgesiedelt“, sagt Hagemeyer. Allerdings nur vorübergehend, denn anders als im ebenfalls vom BGZ betriebenen Bunker in Gladbeck wird am Werthacker umgerüstet. Kostenpunkt: etwa 300 000 Euro. Die Finanzierung laufe rein über die Mieteinnahmen der Bands, so Hagemeyer.

Keine ausreichenden Fluchtwege

Für viele andere Bunker in der Region sieht er allerdings schwarz. „Die Kosten kann nicht jeder Pächter mal eben so übernehmen“, sagt er. Vor allem in puncto Fluchtwege müssen viele Bunker-Betreiber nachrüsten. Dieses Thema sei „besonders sensibel“, so die zuständige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Die Flure in Bunkern seien besonders verwinkelt gebaut worden, um den Innenraum vor Druckwellen explodierender Bomben zu schützen. „Diese Anordnung kann bei völliger Dunkelheit und Panik verhängnisvoll sein“, sagt Felix Brümmer von der BImA.

Schlechte Lüftung

Weitere Mankos vieler Bunker sind fehlende Brandschutztüren, Feuerlöscher, Brandmelder und unzureichende Lüftungsanlagen. Die Bestimmungen sind Teil des Baurechts, das von den Ländern umgesetzt wird. Überprüft werden sie bei sogenannten Brandschauen. Ändern könnten sich die Brandschutzanforderungen, „weil sich Sichtweisen auf die Brandschutzbestimmungen ändern“, so BImA-Fachmann Felix Brümmer. Ein Grund dafür sei sicher die Loveparade-Katastrophe vor bald zwei Jahren, so BImA-Sprecher Guido Déus.

 
 

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