Viel billiger als eine neue Autobahn

Im Ruhrgebiet.  Beim „Still-Leben“ im Sommer des Kulturhauptstadtjahres 2010 war die Idee geboren worden. Einen Tag war die A40 da für Autos gesperrt, Fußgänger, aber eben auch Radfahrer hatten freie Bahn. Was wäre, wenn Fahrradfahrer im Ruhrgebiet immer freie Fahrt hätten? Nicht auf der A40, die wird dann doch noch für Autos gebraucht, aber vielleicht auf alten Bahntrassen, vielleicht auf Wegen quer durch die Innenstädte. Man könnte doch, eventuell...

Ja, man kann. Das steht mit der seit gestern vorliegenden Machbarkeitsstudie fest. Der 101 Kilometer lange Radschnellweg von Duisburg bis Hamm ist möglich, haben die beteiligten Planungsbüros in enger Abstimmung mit den beteiligten Städten festgestellt. Vor allem der Streckenverlauf im östlichen Ruhrgebiet hatte als Hindernis gegolten. Während es sich zwischen Essen und Duisburg ganz komfortabel auf der Trasse der früheren Rheinischen Bahn bauen lässt, fehlt eine solche durchgängige Möglichkeit in Bochum und Dortmund. Die Planer sind dennoch fündig geworden; z. T. behilft man sich mit innerstädtischen Straßen, die zu Fahrradstraßen erklärt werden – immer noch für Autos passierbar, aber die müssen dann Rücksicht nehmen.

Brücken treiben die Kosten

„Der Radschnellweg besitzt Pilotcharakter mit bundesweiter Strahlkraft“, ist Karola Geiß-Netthöfel, Direktorin beim Regionalverband Ruhr, überzeugt. Dass das Projekt bei einer Realisierung teurer wird als zunächst angenommen, hat mit den Brücken zu tun. Nur wenige müssen neu errichtet werden, meist führt der Weg über oder neben alten Bahnbrücken, die dann aber aufwändig hergerichtet werden. So oder so: Mit Kosten von 1,8 Mio Euro pro Kilometer, Bauwerke inklusive, ist der Radschnellweg immer noch deutlich billiger als etwa der Autobahnbau an der A 44 in Bochum (14,1 Millionen/km). Dabei sei der Nutzen des Radweges um fast das Fünffache so hoch wie die Kosten, rechnet die Machbarkeitsstudie vor. So werde der Schnellweg etwa dafür sorgen, dass täglich bis zu 50 000 Autos weniger die Straßen verstopfen.

Wie geht es nun nach der Studie weiter? Dass die Staatssekretärin Reiche sich gestern schon für den Einstieg in die Finanzierung einzelner Streckenabschnitte offen zeigte, wird von Beobachtern als gutes Zeichen gewertet. Von der Aufgabenteilung beim Radwegebau her könnte sich der Bund auch darauf zurückziehen, dass er 370 000 Euro für die Machbarkeitsstudie gegeben und damit seine Pflicht und Schuldigkeit getan habe. Durch Beschlüsse in den Stadträten und der Verbandsversammlung hofft der RVR nun auf ein klares Signal für die weitere Planung des Schnellweges. Die Finanzierung soll in Gesprächen mit allen Beteiligten geklärt werden ebenso wie die Trägerschaft – dabei geht es auch um jährliche Unterhaltskosten von etwa 3,3 Mio Euro.

 
 

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