Unterricht an Schule in Erftstadt wegen Masern eingestellt

Pirkko Gohlke
Drei Schüler an der Waldorfschule in Erftstadt haben sich mit Masern infiziert. Das zuständige Kreisgesundheitsamt rät zur Impfung der übrigen Schüler.
Drei Schüler an der Waldorfschule in Erftstadt haben sich mit Masern infiziert. Das zuständige Kreisgesundheitsamt rät zur Impfung der übrigen Schüler.
Foto: dpa
Drei Jugendliche einer Waldorfschule in Erftstadt haben sich mit Masern infiziert. Am Donnerstag wurde der Unterricht an der Schule eingestellt. Wann er wieder aufgenommen wird, ist unklar. Der Fall fällt mitten in die Impf-Pflicht-Debatte, die Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr entfacht hatte.

Erftstadt/Düsseldorf. 420 Jungen und Mädchen an der Freien Waldorfschule in Erftstadt haben unterrichtsfrei. Denn: An der Schule grassieren die Masern. Bislang wurde die Infektionskrankheit bei drei Schülern festgestellt. Ob sich weitere Schüler angesteckt haben könnten, ist bislang noch nicht abzuschätzen.

Nachdem der Ausbruch der Masern bekannt geworden sei, habe das Kreisgesundheitsamt zu Beginn der Woche die Eltern in einem Brief informiert und anschließend unter anderem die Impfpässe der Schüler kontrolliert, erklärt Stefan Grimm, Pressesprecher des Rhein-Erft-Kreises. Nur ein Viertel der Schüler sei geimpft gewesen, so Franz-Josef Schuba, Leiter des Kreisgesundheitsamtes. Zum Vergleich: In der Regel seien 95 Prozent der I-Dötzchen im Kreis gegen Masern geimpft, sagt Schuba.

Der Leiter des Kreisgesundheitsamtes rät "dringend" dazu, die Kinder im frühen Alter impfen zu lassen. "Was würden Sie denn sagen, wenn Sie am Sarg einer Neunjährigen stehen, die an Masernenzephalitis gestorben ist?" Die Empfehlung zur Impfung komme nicht aus dem hohlen Bauch, sondern sei durch jahrzehntelange wissenschaftliche Forschung gestützt.

Masern-Erreger kommt offenbar aus Süddeutschland

Die Erreger kämen offenbar aus Süddeutschland, so Grimm, und seien wohl über eine weitere Person zu einer 16-jährigen Schülerin aus dem Kreis Düren gelangt, die die Waldorfschule besucht.

Ob sich die Krankheit weiter ausbreiten wird, kann mit Sicherheit keiner sagen. Er müsse mit weiteren Infektionen im Bereich der Schule rechnen, so Schuba. Das Amt hatte den Eltern, deren Kinder nicht gegen die Masern geimpft sind, bereits am Mittwoch empfohlen, die Jungen und Mädchen nicht in die Schule, sondern zum Arzt zu schicken.

Wann der Unterricht an der Waldorf-Schule weitergeht, ist unklar

Matthias Nantke, Geschäftsführer der Freien Waldorfschule Erftstadt, bestätigt, dass der Unterricht am Donnerstag eingestellt wurde. Wann es für Schüler und Lehrer wieder weitergeht, das kann Nantke am Donnerstag noch nicht abschätzen. Den drei Schülern, die sich bisher mit Masern angesteckt haben, gehe es den Umständen entsprechend gut.

Der Masern-Fall in Erftstadt sorgt unter anderem deshalb für so viel Aufsehen, weil Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr aktuell eine Debatte über eine Impfpflicht angestoßen hat. Der FDP-Politiker denkt laut über den Zwangs-Piekser nach - angesichts der hohen Zahl der Masern-Fälle in Deutschland. Bundesweit gab es in diesem Jahr bereits über 900 Masern-Fälle.

In Nordrhein-Westfalen fallen die Zahlen geringer aus: Bis Anfang Juni hat das Gesundheitsministerium in Düsseldorf 24 Fälle gezählt, so eine Sprecherin. Im Vorjahreszeitraum waren es elf Fälle. Wie hoch die Zahl der Kinder und Jugendlichen ist, die in NRW gegen die Masern geimpft sind, ist dem Ministerium nicht bekannt.