Und die Oma kocht Nudeln

Die Kinder und Jugendlichen des Ruhrpottpourie-Ensembles proben für die Musical Night 2013 am kommenden Wochenende in der Stadthalle in Duisburg-Walsum.
Die Kinder und Jugendlichen des Ruhrpottpourie-Ensembles proben für die Musical Night 2013 am kommenden Wochenende in der Stadthalle in Duisburg-Walsum.
Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool
Im Ruhrpottpourie-Ensemble singen Kinder aus vielen Städten mit. Die „Musical Night“ ist Höhepunkt und Kraftakt zugleich, ohne Ehrenamt läuft hier nichts.

Duisburg.. Es ist ein Solo, das Mut erfordert. Lea (11) steht allein auf der großen Bühne, die Hände an die Seiten ihres blau-weißen Satinkleides gelegt. Das Klavier-Intro perlt dahin, dann kommt Leas Einsatz: Sie ist Cosette, das kleine blonde Mädchen aus dem Musical „Les Misérables“, das in dem Lied „Luftschloss“ von einer besseren Welt träumt. Auf der Bühne lächelt sie, das ist so gewollt, aber später sagt Lea: „Eigentlich ist es doch ein trauriges Lied.“

Für eine Generalprobe ist die Stimmung in der Stadthalle in Duisburg-Walsum ungewöhnlich entspannt. Ein paar Mädchen ziehen ihre „Marie Antoinette“-Kostüme an, andere zurren die Schnürsenkel ihrer Rollschuhe zurecht. Birgit Zacher, Leiterin des Ruhrpottpourie-Ensembles, gibt letzte Anweisungen. „Die Musical Night ist für uns der Höhepunkt des Jahres“, sagt sie. Und ein Kraftakt, denn alle arbeiten ehrenamtlich – von den Choreografen über die Masken- und Kostümbildner bis zu den Friseurinnen.

Die Kinder und Jugendlichen, die sich hier ihren Traum vom Singen und Tanzen erfüllen, kommen aus Oberhausen, Duisburg, Essen, Moers, Kamp-Lintfort, Dinslaken und anderen Städten. Es sind viele Talente darunter. Zum Beispiel der zwölfjährige Silas – „ein Entertainer par excellence“, so Birgit Zacher –, der Roger Ciceros „Frauen regier’n die Welt“ singt. Silas hatte 2012 sogar schon eine Kinderrolle im Essener Rathaustheater. In „Der alte Mann und das Meer“ spielte er einen Fischerjungen. Ein Gesangstalent ist auch die zwölfjährige Eva, diesmal mit dem Solo „Wer kann schon ohne Liebe sein?“ aus „3 Musketiere“ dabei.

Ehemalige Profi-Sängerin als Initiatorin des Musicals

Die Musikschule Rhein Ruhr aus Oberhausen steht hinter dem Ruhrpottpourie-Ensemble. „Sie ist unsere ,Mutter’, wir sind aber autark“, sagt Birgit Zacher, die an der Musikschule seit 20 Jahren Gesang unterrichtet. Die ehemalige Profi-Sängerin wollte Kindern etwas Besonderes bieten, als sie das Ensemble gründete. „Sich zu verkleiden, das Lampenfieber vor dem Auftritt zu spüren, das ist es, was die Kinder so mögen.“

Die Eltern sind nicht nur als Chauffeure gefragt – die wöchentlichen Proben finden in Essen statt –, sie helfen auch überall mit. Michael Birr beispielsweise ist der Requisiteur. Einmal hat er aus Holz, Pappe, Farbe und Silberfolie einen Diamanten gebaut, für „Diamonds Are a Girl’s Best Friend“. Der 44-Jährige entwarf aber auch Särge für „Tanz der Vampire“. Seine Tochter Linda (12) singt seit 2010 im Ensemble mit. „Ich bin wirklich begeistert, mit welchem Elan alle dabei sind“, sagt Michael Birr, der selbst ein großer Musical-Fan ist.

Gabi Mollenhauer, Leas Oma, hat bei den wochenlangen sonntäglichen Proben vor der Jahresschau einen der wichtigsten Jobs: Sie kocht. „Die Kinder müssen ja was Vernünftiges essen“, sagt die 58-Jährige. „Die sollen ja nicht in die Pommesbude gehen.“

Wie in einer großen Familie

Und so kocht Gabi Mollenhauer für 40 Personen Nudeln mit Soße oder „was man sonst gut warmhalten kann“. „Hier ist es wie in einer großen Familie“, sagt sie. „Und ich bin mit Leib und Seele dabei.“

Die rund 100 Kostüme für die Show zu nähen, schafft Kostümbildnerin Andrea Stedron nicht allein. Auch hier helfen Mütter mit. „Wir verwenden viel Tüll, Satin und Folienstoffe, natürlich immer möglichst günstig“, sagt die 45-Jährige, die zwei Kinder – Lukas (11) und Lena (20) – im Ensemble hat. Die Solisten zahlen ihre Kostüme selbst, der Rest kommt aus der Chorkasse. Heute Abend wird sie wieder gefüllt, mit den Eintrittsgeldern der „Musical Night“.

 

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