Türme verschaffen in NRW teure Blicke in die Landschaft

Holger Dumke
Unnötig nennt der Steuerzahlerbund den „Skywalk“ im Wuppertaler Nordpark.
Unnötig nennt der Steuerzahlerbund den „Skywalk“ im Wuppertaler Nordpark.
Foto: BdSt
Steuerzahlerbund kritisiert den teils zweifelhaften Bau von Aussichtspunkten in NRW. Wuppertaler Stadtsprecher kontert: „Bürger haben ein Recht auf Schönes.

An Rhein und Ruhr. Ein Aussichtsturm hier, ein „Skywalk“ dort und manchmal soll auch ein Podest für einen schönen Blick sorgen: Der Steuerzahlerbund (BdSt) kritisiert, dass in Nordrhein-Westfalen in den letzten Jahren mehr und mehr Geld für inszenierte Ausblicke ausgegeben wird. Der Verband hat eine Liste mit aus seiner Sicht mittlerweile zehn zweifelhaften Projekten erstellt. Ihre Kosten summieren auf rund drei Millionen Euro.

Aktuelles Beispiel: der 200 000 Euro teure „Skywalk“ in Wuppertal. Ein 16 Meter langer Steg mit Aussichtskanzel ragt über den Nordpark. Land (80 %) und Stadt (20 %) haben die Blicke von dort übers Tal finanziert; die Stadt trägt die jährlichen Folgekosten von 900

Euro. Beim Steuerzahlerbund hält man den Skywalk für überflüssig. „Dort gibt es schon einen Panoramaweg, da kann man auch aufs Tal gucken“, meint Sprecherin Bärbel Hildebrand. Und beim Blick auf den städtischen Schuldenberg von zwei Mrd Euro, so heißt es beim BdSt weiter, werde einem ohnehin schwindelig genug...

Im Wuppertaler Rathaus hält man die Kritik für nicht fair. „Bei gutem Wetter hat man vom Skywalk aus eine herrliche Sicht über das Tal“, erklärt ein Stadtsprecher auf NRZ-Nachfrage. Man dürfe sich die Planung des Aussichtsstegs auch nicht so vorstellen, „dass wir uns im Rathaus zusammengesetzt und überlegt haben, wie wir am besten Steuergeld ausgeben“. Im von seiner Industriegeschichte geprägten Wuppertal habe nicht jeder Bürger einen Garten, die Parks spielten daher eine wichtige Rolle. Eine Anwohnerinitiative, die sich engagiert um den Nordpark kümmert, sei mit der Skywalk-Idee auf die Stadt zugekommen. Im Rathaus findet man sie richtig: „Ich denke, dass es so etwas wie ein ‘Recht der Bürger auf Schönes’ gibt“, sagt der Sprecher. Wenn stets nur das finanziert werde, was absolut notwendig ist, sehe es in finanziell gebeutelten Städten duster aus.

Der Steuerzahlerbund bleibt dabei: Angesichts des Panoramaweges könne der für den Betrachter erzielte Nutzen nicht die Kosten aufwiegen. Ähnlich sah es der BdSt auch schon im Ruhrgebiet bei der Ewald-Empore auf der Halde Hoheward und der Aussichtskanzel auf der Halde Pluto. Die Liste der kritisierten Projekte umfasst weitere Fälle, darunter Kurioses: In Pulheim bei Köln gibt es eine nur 78 cm hohe Aussichtsplattform. In Hennef kann man von einem Aussichtssteg schlicht auf ein Mühlrad oder die Mühle blicken. Im Landschaftspark Belvedere bei Köln stehen vier Türme rum, den Dom ahnt man nur am Horizont.