Tönnies: Fleischkonzern gründet 15 Tochterfirmen – Experten vermuten Schlupfloch dahinter

Der Fleischkonzern Tönnies kam die letzten Wochen immer wieder negativ in die Schlagzeilen.
Der Fleischkonzern Tönnies kam die letzten Wochen immer wieder negativ in die Schlagzeilen.
Foto: dpa

Deutschlands größter Fleischverarbeiter Tönnies hatte vor kurzem 15 Tochterfirmen gegründet. Das geschah kurz nach dem Beschluss der Bundesregierung, dass in größeren Betrieben der Branche ab dem 1. Januar 2021 im Kerngeschäft Schlachtung, Zerlegung und Fleischverarbeitung keine Werkvertragsarbeiter und ab 1. April 2021 auch keine Leiharbeiter mehr beschäftigt werden dürfen.

Daraufhin hatte es Vorwürfe gegen Tönnies gegeben, er habe die Tochterfirmen als Schlupfloch gegründet.

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Tönnies schmettert Vorwürfe ab

Diese Vorwürfe schmettert der Konzern nun ab. Ein Konzernsprecher: „Wir wollen eindringlich darum bitten, keine Gerüchte zu transportieren, die nicht zutreffen. Wir haben angekündigt, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kernbereichen der Produktion direkt anzustellen. Dabei bleibt es uneingeschränkt.“

Und weiter: „Wir sind bereits mitten in diesem Prozess, da wir Mitte September die ersten 1.000 ehemaligen Werkvertragsarbeiter fest eingestellt haben wollen.“

Völlig normaler Vorgang in internationalen Konzernen

Die Gründung dieser Vorratsgesellschaften sei ein völlig normaler Vorgang in einem internationalen Konzern. „Für die Festanstellungen braucht es rechtliche Grundlagen. Es ist momentan noch völlig unklar, welche Organisationsformen das geplante Gesetz vorsieht. Vorsorglich haben wir deshalb diese Gesellschaften gegründet“, sagte der Sprecher.

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Das ist die Tönnies Holding:

  • Das Familienunternehmen hat den Sitz in Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh
  • Es ist Deutschlands größter Schlachtbetrieb für Schweine
  • Eigentümer sind Clemens Tönnies und sein Neffe Robert Tönnies

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Mit diesen Gesellschaften könne Tönnies Direkteinstellungen an verschiedenen Standorten und für die verschiedenen Gesellschaften im Konzern schnell umsetzen.

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Bundeskabinett bringt schärfere Regeln auf den Weg

Das Bundeskabinett hatte am Mittwoch die geplanten schärferen Regeln für die Fleischindustrie auf den Weg gebracht. Der Gesetzentwurf von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sieht bei Verstößen Bußgelder vor. Ausgenommen sind Fleischerhandwerksbetriebe mit maximal 49 Mitarbeitern.

Heil schrieb bei Twitter zum Vorwurf, Tönnies würde damit die Hürde von 50 Mitarbeitern beim Werkvertragsverbot umgehen: „Nein (...) Die 50er Regelung gilt nur für HANDWERKSUNTERNEHMEN.“

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Gewerkschaft hat massive Zweifel

Freddy Adjan von der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) äußerte Zweifel an der Darstellung von Tönnies. „Die Fleischindustrie hat in der Vergangenheit sehr viel kreative Energie aufgebracht, um Gesetze zu umgehen. Herr Tönnies hat das menschenverachtende System der Werkverträge über fast zwei Jahrzehnte in seinen Unternehmen perfektioniert“, sagte Adjan der „Rheinischen Post“.

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Daher sei es wenig glaubhaft, dass es sich bei den Gründungen von Tochtergesellschaften lediglich um Vorsorgemaßnahmen handeln solle, sagte der Gewerkschaftsvertreter. Statt Tochtergesellschaften zu gründen, solle Clemens Tönnies lieber dafür sorgen, dass die Fleischindustrie mit NGG allgemeinverbindliche Tarifverträge für die gesamte Bundesrepublik Deutschland abschließt, forderte Adjan. (fb/dpa)

 
 

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