Pferd stürzt bei Turnier und kann nur noch eingeschläfert werden – so ordnet ein Tierarzt den tragischen Fall ein

Schrecklicher Unfall bei den Reitmeisterschaften in Luhmühlen.
Schrecklicher Unfall bei den Reitmeisterschaften in Luhmühlen.
Foto: imago

Tragischer Unfall bei der deutschen Meisterschaft im Vielseitigkeitsreiten: Ein Pferd ist samt Reiterin bei dem Turnier im niedersächsischen Luhmühlen gestürzt. Der elf Jahre alte Wallach hatte bei einer Vier-Sterne-Prüfung ein Hindernis nicht überwinden können.

Das Pferd stürzte so schlimm, dass seine Lendenwirbel brachen und Ärzte das Tier nur noch einschläfern konnten. Die belgische Reiterin Chloe Raty habe den Unfall „den Umständen entsprechend überstanden“, hieß es von Seiten der Luhmühlen-Geschäftsführerin Julia Otto.

Viele DER-WESTEN-Nutzer sprachen bei Facebook harte Worte. Demnach sei es Tierquälerei, sie wollten diese Art des Reitsports verboten wissen. Wie sieht es denn aus? Kann ein Pferd solch einer Belastung ausgesetzt werden? Wir haben bei einem Tierschützer nachgefragt.

Dr. Ralf Unna, Vizepräsident des Landestierschutzverbandes NRW und Tierarzt, meint: „Beim Vielseitigkeitsturnier sind schon grenzwertige Sprünge dabei.“ Wie in jedem Spitzensport komme es zu Grenzbereichen, dann gehe es auch auf die Knochen des Tieres. Das passiere im Spitzensport dann leider in spektakulärer offensichtlicherer Form.

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Aber auch in anderen Reitsportarten wie dem Trabreiten können Tiere langzeitliche chronische Krankheiten wie beispielweise Arthrose bekommen. Und dann kämen sie „zum Metzger und werden zum Sauerbraten“, sagt der Tierschützer realistisch.

Reiter sollten Rücksicht auf ihr Pferd nehmen

Das A und O beim Reiten sei, Rücksicht auf das Pferd zu nehmen und sein Tier zu kennen. „Das ist ganz wichtig“, betont der Experte. „Welchen Puls hat mein Tier? Laien oder unerfahrene Reiter wissen das häufig nicht“, macht der Tierarzt weiter deutlich. Und so wüssten sie auch nicht, wann genug sei.

Spitzensport kollidiert oft mit dem Tierschutz

Leider kollidiere der Spitzensport aber oft mit dem Tierschutz, so Unna. Die Anforderungen würden heutzutage immer weiter hochgeschraubt, das Pferd soll höher, weiter, besser springen, um dem Publikum mehr zu bieten. Wer da einen Gang zurückschalte und auch hinnehme, nicht Erster zu werden, könne dem Tier aus Tierschutzsicht auch gerecht werden.

Bin ich bereit zurückzustecken?

Man müsse sensibler mit dem Tier umgehen und sich fragen: Bin ich bereit zurückzustecken?, mahnt der Arzt. „Aber natürlich würde kein Reiter von sich aus sagen, dass er den Tierschutz zurückstellt!“, erklärt Unna.

Nur motivierte Pferde treten im Reitsport an

Ob das jetzt bei der Unfall-Reiterin der Fall gewesen sei, darüber will und kann sich der Landestierschutz-Vizepräsident nun wahrlich kein Urteil bilden. „Aber zu sagen: alles Schweinskram, sofort aufhören, das ist auch Quatsch“, sagt er. Denn: Es würden nur Pferde antreten, die motiviert seien, die faulen Pferde würden im Reitsport sowieso nicht eingesetzt werden.