Düsseldorf

Getötete Susanna (14): So einfach kam der Verdächtige am Düsseldorfer Flughafen durch die Passkontrolle

Passkontrolle am Düsseldorfer Flughafen: Der Verdächtige Ali B. reiste mit seiner Familie von hier über Istanbul in den Irak. (Symbolbild/Archiv)
Passkontrolle am Düsseldorfer Flughafen: Der Verdächtige Ali B. reiste mit seiner Familie von hier über Istanbul in den Irak. (Symbolbild/Archiv)
Foto: dpa

Düsseldorf. Gewissheit kann grauenvoll sein. Seit Donnerstag ist jeder Zweifel und damit jede Hoffnung ausgeräumt: Die 14 Jahre alte Susanna ist tot.

Sie wurde vergewaltigt, getötet und dann neben Bahngleisen in Wiesbaden verscharrt. Einfach verbuddelt.

Susanna wurde vergewaltigt und getötet: „Sehr abstoßendes Verbrechen“

Ein „sehr abstoßendes Verbrechen“ nennt Wiesbadens Polizeipräsident Stefan Müller auf einer Pressekonferenz das, was Ende Mai passiert ist.

Tagelang hatte Susannas Mutter Diana F. auf ein Lebenszeichen der Tochter gehofft, via Facebook Suchaufrufe gestartet. Seit dem 22. Mai galt das Mädchen als vermisst.

Schrieb der Mörder die Nachricht von Susannas Handy?

Am 23. Mai hatte sie noch eine Whatsapp-Nachricht bekommen, gesendet von Susannas Handy. „Such nicht nach mir“, stand da. Sie sei mit einem Freund nach Paris gefahren.

Als die Nachricht bei der Mutter ankommt, ist Susanna vermutlich schon tot. Laut Polizei wurde sie in der Nacht auf den 23. Mai getötet - Todesursache: Gewalteinwirkung auf den Hals. Wer die Nachricht tatsächlich geschrieben hat, ist unklar; womöglich war es Susannas Mörder.

Verdächtiger Ali B. reist mit ganzer Familie in den Irak aus

Inzwischen hat die Polizei einen Verdächtigen. Der 20 Jahre alte Iraker Ali B., der mit seinen fünf Geschwistern und seinen Eltern in einer Asylunterkunft in Wiesbaden lebte, steht unter dringendem Tatverdacht, Susanna vergewaltigt und getötet zu haben. Ein 13-Jähriger Flüchtling liefert den entscheidenden Hinweis am 3. Juni.

Am selben Tag verschwindet Ali B. - und mit ihm seine ganze Familie. Alle acht Personen reisten am Sonntag über Düsseldorf und Istanbul nach Arbil im Irak.

Namen auf Tickets stimmten nicht mir Papieren überein

Die Tickets hatten sie zuvor unter Angabe falscher Namen gekauft. Die Namen auf den Tickets stimmten nicht mit denen auf den Papieren der Familienmitglieder überein. Wie war es dann möglich, dass sie durch die Passkontrollen kamen?

Der Sprecher der Bundespolizei reagiert zunächst dünnhäutig am Telefon. „Das wäre jetzt schön für alle, wenn da ein Behördenversagen hinterstecken würde. So ist es aber nicht“, sagt er.

Bundespolizei am Düsseldorfer Flughafen machte keinen Ticketabgleich

Die Bundespolizei am Düsseldorfer Flughafen habe keine Fehler gemacht. Die vorgelegten Dokumente seien echt und gültig gewesen und hätten zur Ausreise berechtigt. „Und das ist es, was wir tun. Wir überprüfen Ausreisevoraussetzungen.“

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Auch die Bilder auf den Papieren hätten mit den Personen übereingestimmt. Ein Abgleich der Papiere mit den Tickets sei nicht passiert. Im Rahmen der Luftsicherheitskontrolle sei das derzeit rechtlich nicht notwendig.

Auch dann nicht, wenn der Bundespolizei etwas verdächtig vorkommt? Etwa, wenn eine achtköpfige irakische Familie, die hier Asyl beantragt hat, plötzlich in den Irak reist?

B. war schon längst polizeibekannt

Das sei schon möglich, aber es habe keine weiteren Verdachtsmomente gegeben. Erst zwei Tage später wurde Ali B. zur Fahndung ausgeschrieben.

Es gehe um die Frage, ob von der kontrollierten Person eine Gefahr für den Luftverkehr ausgehe. Ali B. und seine Familie wirkten demnach wohl unverdächtig. „Der Beamte hat die Ausreise nach Istanbul kontrolliert. Und da waren die Ausreisevoraussetzungen gegeben“, so der Sprecher.

14-Jährige womöglich vergewaltigt

Und das, obwohl B. polizeibekannt war und noch mehrere Verfahren gegen ihn laufen. Einmal soll er eine Polizistin körperlich angegangen sein. Später soll er einen Mann in ein Gebüsch gezerrt und ihn ausgeraubt haben. Außerdem soll ein elf Jahre altes Mädchen, selbst Flüchtling, von einem Mann namens Ali vergewaltigt worden sein. Ob es einen Zusammenhang zu B. gibt, ist unklar - aber die Polizei ermittelte gegen ihn.

Warum die Polizei Ali B. erst zwei Tage nach dem entscheidenden Hinweis zur Fahndung ausgeschrieben hat, ist derzeit ebenfalls noch unklar.

Ali B. ist am Freitag im Nordirak festgenommen worden.

 
 

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