Sternsinger auf dem Weg nach oben

Denis de Haas
Sternsinger der St. Bonifatius-Gemeinde in Essen-Huttrop sammeln in ihrer Gemeinde.
Sternsinger der St. Bonifatius-Gemeinde in Essen-Huttrop sammeln in ihrer Gemeinde.
Foto: WAZ FotoPool
In Essener St.Bonifatius-Gemeinde laufen die Sternsinger-Touren (noch) nach Plan. Woanders gibt’s Nachwuchssorgen. In Kleve kommen die Caspar, Melchior und Balthasar nur auf Bestellung.

Essen.  Klingeln gehört zum Handwerk. Doch da liegt das Problem. Da stehen die sechs Sternsinger vor dem Mehrfamilienhaus an der Engelsbecke in Essen-Huttrop – und was fehlt? Die Türklingeln. Aus der Hauswand ragt nur ein Kabelgestrüpp heraus. Also müssen die Sternsinger ohne Spende weiterziehen.

„Das kann schon mal länger dauern, bis man Erfolg hat. Mal gibt es erst im fünften Haus die erste Spende“, erklärt Elisa Strack. Die 17-Jährige weiß, wovon sie spricht. Schon mit „drei oder vier Jahren“ zog sie dem Stern folgend durch die Nachbarschaft, um Geld für einen guten Zweck zu sammeln.In diesem Jahr leitet Elisa Strack mit Freundin Sophie Brandl (16) in der Pfarrgemeinde St. Bonifatius eine Sternsingergruppe. Die Geschwisterpaare Leonie (9) und Theresa Fischer (6) sowie Michalina (9) und Jurek Lukasiewicz (6) haben sich den beiden angeschlossen. Sie ziehen bei Nieselregen von Haustür zu Haustür. Leonie sogar mit einem lockeren Milchzahn.

50 Sternsinger pro Sammeltag

Nachwuchssorgen gibt es bei St. Bonifatius (noch) nicht: Im Gemeindezentrum hüllen sich an den vier Sammeltagen jeweils 50 Sternsinger in ihre Gewänder. 2200 Haushalte sollen sie bis zum Samstag besuchen. Ulrich Ligensa händigt ihnen die Liedzettel aus. „Seid ihr auch gute Sänger?“, fragt der Koordinator in die Runde. Braves Nicken überall.

In anderen Städten ist es nebensächlich, ob die Sternsinger die richtigen Töne treffen. So wie in Kleve. Da gibt es für den gesamten Innenstadtbereich nur 40 Kinder, die als Caspar, Melchior oder Balthasar verkleidet unterwegs sind. Und das bei 21 238 Einwohner. Deshalb gibt es in der Schwanenstadt in diesem Jahr eine Neuerung: Bürger können sich in Listen eintragen. Der Sternsinger klingelt wie ein Pizzabote nur auf Bestellung. In anderen Gemeinden – beispielsweise im Duisburger Norden – ist das schon länger Praxis.

Zurück nach Huttrop: Die Fischers, die Lukasiewicz’ und ihre beiden Begleiterinnen verzeichnen erste Erfolge. In einer Erdgeschoss-Wohnung hat eine ältere Frau die Tür geöffnet. Der Chor singt „Stern über Bethlehem“, in die Spendenbüchse wandern Silbermünzen. „Sollen wir Ihnen noch den Segensspruch über die Tür kleben?“, fragt Sophie Brandl. Die Frau will: „Das bringt doch Glück für das ganze Jahr.“

Weiter geht’s zu einem Hochhaus. Sieben Stockwerke. „Wir sind auch schon mal zehn Etagen hochgelaufen. Da haben uns die Leute erst reingelassen, und oben wurde uns die Tür vor der Nase zugemacht“, erzählt Elisa Strack. Das Hochhaus an der Engelsbecke hat aber einen Fahrstuhl. Und nette Bewohner. So wie Nadja Ufer: Die junge Frau strahlt als sie Jurek in seinem grünen Gewand und der Pappkrone auf dem Kopf sieht. „Ihr müsst reinkommen!“, sagt Nadja Ufer und ruft ihren Mann Frank aus der Küche. So gibt es im Wohnzimmer der Eheleute ein Sternsinger-Lied. Die Ufers danken es mit Geld und Gebäck.

Verlorener Milchzahn

Nach vier Stunden ziehen die Sternsinger aus Huttrop Bilanz: rund 250 Euro in der Spendenbüchse (ein Mittelwert), Dutzende Segensprüche an die Türrahmen geklebt durchnässte Klamotten, und Leonie hat ihren Milchzahn verloren.