Steiger-Award bot eine feierliche Gala mit königlichem Glanz

Britta Bingmann
Sie verlieh der Verleihung des Steiger-Awards am Samstagabend royalen Glanz: Königin Silvia von Schweden wurde für ihr gesellschaftliches Engagement ausgezeichnet.
Sie verlieh der Verleihung des Steiger-Awards am Samstagabend royalen Glanz: Königin Silvia von Schweden wurde für ihr gesellschaftliches Engagement ausgezeichnet.
Foto: Jakob Studnar/WAZ FotoPool
Von der Aufregung um den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan war am Samstag beim Steiger-Award in Bochum kaum mehr etwas zu spüren. Feierlich wurden die Preise in der Jahrhunderthalle verliehen. Silvia von Schweden versprühte royalen Glanz - und Rudi Assauer stahl Vielen die Show.

Bochum. Beinahe wäre es diesmal ein anderer Abend geworden. Kontrovers statt harmonisch, mit Pfiffen statt Applaus. Doch nachdem der türkische Ministerpräsident Erdogan wegen eines Hubschrauberabsturzes in Afghanistan kurzfristig abgesagt hatte, konnte der achte Steiger-Award so über die Bühne gehen, wie er sein soll: Als feierliche Gala mit Glanz und Glamour – mit königlichem Glanz sogar.

Von der ganzen Aufregung rund um die umstrittene Nominierung von Erdogan war in der Jahrhunderthalle kaum noch etwas zu spüren. Pünktlich sind die Gäste da, gut gelaunt und diesmal schwer in Schale: Man hat ja schließlich nicht oft eine echte Königin zu Gast. Viele sind wohl auch deshalb gekommen, der Saal ist voll – und edel eingedeckt. Es wird Menü serviert, das ist neu. „Wertiger“ findet das Organisator Sascha Hellen. Die Gäste finden es vor allem angenehm: Der erste Gang vorab hilft, den vielen Reden entspannter zu folgen. Der Abend wird schließlich lang.

Hannes Jaenicke bekam den ersten Steiger-Award

Moderator Max Schautzer fühlt sich dann doch noch mal bemüßigt zu wiederholen, was Hellen in den Tagen zuvor unermüdlich beteuerte: Dass Erdogan den Preis nur stellvertretend bekommen hätte, stellvertretend für sein Land. Und schließlich will auch Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz „nochmals ausdrücklich betonen“, dass es doch schließlich um 50 Jahre gelebtes Miteinander gegangen wäre. Und dann gedenkt sie der Toten des Hubschrauberabsturzes.

Hannes Jaenicke ist der erste Preisträger, der anschließend geehrt wird. Nicht als Schauspieler, sondern als Umweltschützer. Einer „der lebt, was er sagt und sagt, was er lebt“, lobt Laudator Franz Alt. Auf der Bühne sagt Jaenicke indes nicht viel. Galas sind nicht sein Ding, das spürt man. „Aber trotzdem bin ich gerne hier“, sagt er anschließend und es klingt ein bisschen überrascht. Sein Tischnachbar Tim Bendzko, der Steiger-Newcomer (der übrigens in Zukunft alles tun will, um den Steiger-Tugenden gerecht zu werden), sei ein Klassetyp mit dem er sich prima unterhalten habe. Dabei hatten einige schon befürchtet, der smarte Tausendsassa hätte rasch das Weite gesucht: Beim Schlussbild auf der Bühne hatte er gefehlt. Peinlich ist Jaenicke das, doch er musste telefonieren. „Eine Freundin mit einem Ehedrama, furchtbar.“

Überschwängliche Lobrede von Fritz Pleitgen auf Peter Kloeppel

Geradezu überschwänglich (für seine Verhältnisse) fällt die Lobrede von Fritz Pleitgen auf Peter Kloeppel aus. „Erhebliche Seelenschmerzen“ habe der RTL-Mann der ARD zugefügt, als sie am 11. September 2001 ihre schwersten Stunden durchlitt. „Unsere Berichterstattung war zum Erbarmen. Und wir mussten mitansehen, wie Kloeppel eine meisterhafte Leistung ablieferte.“

Und dann endlich, ist Königin Silvia an der Reihe: Im schlichten royalblauen Kleid mit Perlenkette kommt sie voll faszinierender Anmut auf die Bühne, um aus den Händen ihrer Charity-Kollegin Liz Mohn den Preis für ihren Einsatz für Kinderrechte entgegenzunehmen. „Vor Ihnen steht eine glückliche Großmutter“, so fängt sie an – und muss gleich wieder unterbrechen, weil die Gäste mit Applaus gratulierten.

Die Königin mahnt in ihrer berührenden Rede, die vielen Millionen Kinder, die immer noch als Arbeiter ausgebeutet werden, nicht zu vergessen – zweieinhalb Millionen allein müssten immer noch in Bergwerken schuften. „Es ist die Aufgabe des Steigers, seine Leute sicher und wohlbehalten ans Tageslicht zu bringen. Wir wollen den Kindern helfen, dass sie wohlbehalten aus Dunkel und Gefahr zurückkommen.“ Sie wolle den Kindern ein Licht der Hoffnung geben, ein Licht eines Leitsterns. „So wie unsere kleine Estelle.“ Und dann zitiert Silvia den Text des Steigerlieds. „Singen kann ich es leider nicht.“

Steiger-Award wird zum Abend der starken Frauen

Überhaupt ist es der Abend der starken Frauen: Christine Neubauer bekommt den Steiger-Award in der Kategorie Film. Neubauers (Lieblings-)Produzentin Regina Ziegler bescheinigt der Quoten-Queen das „Publikumsgen“, für das sie auch keine Erklärung habe. „Ein Wunder“, so nennt später Gero von Böhm das Phänomen, als er Christiane Hörbiger ebenfalls für ihre ungeheure Vielseitigkeit lobt: „Sie ist wohl ein Liebling der Götter.“ Die Grande Dame, die in Ballonrock und schmalen, hohen Stiefeln atemberaubend chic und jugendlich aussieht, ist über die Worte und die stehenden Ovationen offenbar ehrlich gerührt: „Oh mein Gott, das ist zu viel.“ Zutiefst geehrt sei sie, zu dem Kreis der Preisträger zu gehören.

Nicht dazugehören wird indes Lou Reed, der in der Kategorie Musik ausgezeichnet werden sollte. Er musste absagen, der Arzt hatte ihm verboten, in den Flieger zu steigen. Seinen Flieger nicht rechtzeitig bekommen hatte dagegen Henning Mankell, der Alt-Bundespräsident Horst Köhler den Toleranz-Steiger überreichen sollte. Mankell, der aus Mosambik kommen wollte, ließ seinen Brief an Freund Köhler daher von Jürgen Rüttgers vorlesen. Köhler dankt aufgeräumt und mahnt: Toleranz heiße, eine Meinung auch zu ertragen und sich mit ihr auseinanderzusetzen, wenn sie eben nicht der eigenen entspreche. „Wer in diesem Sinne tolerant ist, wird eher in der Lage sein, andere zu verstehen und Verbindendes zu sehen.“

Erstmals ein Preis in der Kategorie Ruhrgebiet - für Steven Sloane

Etwas Neues gibt es auch noch bei diesem achten Steiger: Erstmals wird der Award in der Kategorie Ruhrgebiet verliehen: Wegen seiner Verdienste um die Region bekommt ihn Generalmusikdirektor Steven Sloane, der sich seit Jahren für den Bau eines Bochumer Konzerthauses einsetzt. Bodo Hombach, Moderator des Initiativkreises Ruhr, bringt es so auf den Punkt: „Er wird sich durchsetzen, er ist bekannt dafür.“ Und auch der Geehrte hat offenbar wenig Zweifel: „Es war ein Marathon, doch jetzt sind wir auf den letzten Metern.“ Er sei ein professioneller Dirigent und inzwischen ein semiprofessioneller Spendensammler: „Ich sitze übrigens an Tisch 45. Wenn gleich noch jemand zu mir kommen will…“

Das wollen viele. Ob sie auch spenden wollen, sei dahin gestellt. Reden wollen sie auf alle Fälle. Lange wird an den Tischen geplaudert. „Ein wunderbarer Abend“, dankt Christiane Hörbiger, als sie schließlich geht. „Ein besonderer Abend“, lobt Wolfgang Joop, der den Kunst-Steiger mit nach Hause nehmen darf. „Ein ganz Niveau als auf den Galas der Medienkonzerne.“

Und während sich drinnen die Tische langsam leeren, raucht im Foyer an der Bar noch einer seiner Zigarre, der vielen Promis am Abend die Schau gestohlen hat: Rudi Assauer, in Begleitung seiner Tochter, genießt die Steiger-Gala offenbar – und zwar bis zur letzten Minute.