Staunen wie ein Auto

Stephan Hermsen

Kennen Sie das? Sie schrecken aus dem Sekundenschlaf hoch, sind mitten in einer Konferenz und stellen fest: Alle starren Sie an und erwarten jetzt einen Wortbeitrag. „Ich schließe mich den Worten meines Vorredners an“, ist meist eine gute Idee, noch sicherer ist: „Man muss da aber sorgfältig pro und contra abwägen“, fast immer richtig ist: „Ich fänd es gut, wenn da sich mal eine Arbeitsgruppe ausführlich Gedanken machen würde.“

Noch schlimmer ist, was einer 40-jährigen Thüringerin passiert ist. Sie ist mitten in einem Gerichtssaal aufgewacht, nach einem Nickerchen von vier Jahren. Das arme Opfer, Beate Z. aus Jena, sieht sich der absurden Anklage ausgesetzt, etwas mit einer rechtsextremen Terrorgruppe zu tun zu haben. Ein Vorwurf, der schon deswegen abwegig ist, weil eine solche Gruppierung doch niemals über Jahre unbehelligt von Verfassungsschutz und Kripo neun Mitmenschen mit Migrationshintergrund hätte ermorden können.

Insofern ist es völlig klar, dass Beate Zschäpe ihre Mitgliedschaft, ja die Existenz des NSU in Zweifel zieht. Vermutlich wird sie ihre eigenen Aussagen schon morgen rechts überholen, indem sie erläutern wird, dass die NSU AG mit ihren schicken Fahrzeugen mit dem Wankelmotor doch schon 1969 in die Audi AG aufgegangen ist und sie da ja noch gar nicht geboren war. Und wir träumen derweil weiter. Von Gerechtigkeit.